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Bankerin: Frauen im Finanzwesen

Bankkauffrau ja, aber Bankerin? Das Wort scheint genauso ungewöhnlich zu sein wie es Frauen im Finanzwesen sind

Frauen in Banken? Die gibt es doch genügend, zumindest in deiner Filiale arbeiten ganz viele, magst du dir vielleicht denken. Dein Eindruck täuscht nicht, denn Frauen machen in der Tat im Bankwesen mehr als die Hälfte der Belegschaft aus. Das liegt daran, dass Bankkauffrau einer der beliebtesten Ausbildungsberufe ist. Auf Führungsebene trifft man dann allerdings weniger Frauen an. 

Bankerin: Frauen in Führungspositionen

Sigrid Betzen ist Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Bankangestellten-Verband (DBV), einer Gewerkschaft, die die Interessen aller Finanzdienstleister vertritt. Sie bestätigt, dass der Anteil an Frauen in Führungspositionen sehr gering ist. »Dies gilt sowohl für die privaten und öffentlichen Banken wie auch für die Volks- und Raiffeisenbanken gleichermaßen«, so die zugelassene Rechtsanwältin mit den Tätigkeitsschwerpunkten Arbeits- und Sozialrecht. Mangelndes Interesse an Zahlen und Bilanzen kann man Frauen nicht unterstellen – wie auch die große Zahl an Studentinnen in den BWL-Studiengängen zeigt. Eine Erklärung, warum Bankerinnen trotzdem in Führungspositionen unterrepräsentiert sind, hat auch Sigrid Betzen nicht. »An der Qualifikation der Frauen kann man es nicht festmachen, da sie ebenso top ausgebildet sind wie die Männer. Sie sind überdies ebenso engagiert wie ihre männlichen Kollegen«, sagt die 50-Jährige.

In anderen Branchen, beispielsweise dem Marketing, ist die Gleichberechtigung stärker ausgeprägt. Für das Finanzwesen sieht auch Marc-Aurel Kaiser, Human Resources Director bei der Direktbank Barclaycard Deutschland, noch Nachholbedarf, an dem aber gearbeitet werde. »Es ist ein erklärtes Ziel von Barclaycard, mehr Frauen in Führungspositionen zu haben. Dieses Ziel spielt daher beim Recruitment und bei Weiterbildungs- und Führungsprogrammen eine große Rolle«, erklärt Kaiser. Im Großen und Ganzen sieht er den Anteil an Frauen in Führungspositionen wachsen, wenn auch noch Luft nach oben ist. »Der Frauenanteil bei der Barclaycard in Deutschland liegt bei 56 Prozent. Bei den leitenden Angestellten sind es 28 Prozent. Damit liegen wir leicht über den Werten der DAX 30-Konzerne«, sagt Kaiser.

 

Als Bankerin bei Barclaycard

Ob im Marketing, im Finanz- und Personalbereich oder im Call Center als Teamleiterinnen – bei der Barclaycard seien Frauen mit Führungsverantwortung in zahlreichen Positionen vertreten. »Sogar in der Geschäftsführung sind mit Tatjana Christians, Head of Legal, und Britta Schichler, Chief Operating Officer, zwei Frauen vertreten. Wobei Britta Schichler mit 500 von insgesamt 640 Mitarbeitern am Standort den größten Bereich im Unternehmen leitet«, betont Kaiser. Um diese Entwicklung zu fördern, gibt es beim Mutterkonzern Barclays weltweit verschiedene Netzwerke für Frauen. Außerdem vergibt die Bank einmal im Jahr den ›Woman of the Year Award‹. Diese Auszeichnung ehrt Mitarbeiterinnen, die einen außergewöhnlichen persönlichen oder beruflichen Erfolg erzielt haben. Aber auch Männer, die Frauen bei deren Karriere überdurchschnittlich gefördert oder unterstützt haben, können den Award erhalten. Studentinnen und Absolventinnen, die an einer Karriere im Banking interessiert sind, rät Kaiser: »Frauen sollten mutig sein, sich etwas zutrauen und sich in Bereiche vorwagen, die sie fordern und Kompetenzen ausbauen beziehungsweise reifen lassen.« Der Deutsche Bankangestellten-Verband legt nach Angaben von Betzen großen Wert auf die Förderung von Frauen in Betriebs- und Aufsichtsräten. Indem diese Mandate mit Frauen besetzt werden, versucht der DBV deutlich zu machen, wie wichtig sie sind. »Es sind kleine Schritte, die häufig zum Erfolg führen. Wir werden in der Frage der Frauenförderung nicht nachlassen«, bekräftigt Betzen. Wenn es nach ihr ginge, sollten auch die Arbeitgeber ihre Rahmenbedingungen verbessern. Teilzeitangebote während der Kindererziehung seien sinnvoll, außerdem sollten Stellen noch mehr nur nach fachlichen Kriterien besetzt und Führungskräfte besser geschult werden, um sie aufmerksamer zu machen. »Und nicht zuletzt auch eine echte Aufgabenteilung zwischen Mann und Frau beruflich wie privat. Alles lässt sich aber auch nicht verordnen«, räumt sie ein, »sondern es muss wachsen.« 

 


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