Nahaufnahme Krankenkassenkärtchen im Geldbeutel

Branchenreport: Versicherungen

Was die Versicherungsbranche in der letzten Zeit erlebte, glich weniger einem Tag am Meer als einer Schifffahrt bei stürmischer See.

Umbruch in der Versicherungsbranche

Diese Welt ist in den Miesen, sie braucht endlich mal eine Entscheidung «, sangen die Fantastischen Vier im Jahr 2007. Wahre Worte in Zeiten der Wirtschaftskrise. Aber der Vorteil an Tiefpunkten ist, dass sie den Grundstein zum Umdenken legen. Die Finanzdienstleistungsbranche ist im Umbruch – Strategiepläne zur Vermeidung einer solchen Katastrophe laufen auf Hochtouren.

Auch die Versicherungsbranche musste Rückschläge einstecken, doch sind diese im Vergleich zum Bankenwesen weitaus milder ausgefallen.

Nicole Schlosser aus dem Bereich Human-Resources-Konzernprojekte bei der Generali Deutschland Holding AG erklärt den Grund dafür:

»Ausschlaggebend ist eine konservative Anlagenpolitik, die sich an den Kriterien Sicherheit, Rentabilität und Liquidität orientiert.«

In der Krise nicht unterzugehen, sondern diese zumindest ausbalancieren zu können, ist ein Zeichen zukunftsorientierter Unternehmenspolitik. Von weltwirtschaftlichen Tiefschlägen zu profitieren, auch wenn es die eigene Branche direkt betrifft, stellt eher eine Ausnahme dar. Die R+V zum Beispiel konnte auch in der Krise ihre Umsatzzahlen stärken und weitere gut ausgebildete Fachkräfte einstellen.

Karrierechancen für Wiwis bei Versicherungen

Die Versicherungsbranche bietet daher noch wie vor viele Karrieremöglichkeiten für Wirtschaftswissenschaftler. Lars Riemekasten hat sich während seines Studiums des Versicherungswesens an der Fachhochschule Köln auf die Bereiche Rückversicherung, Haftpflicht-, Unfall-, Kraftfahrt- und Rechtsschutzversicherung spezialisiert und arbeitet seit 2008 bei der Deutschen Rück als Mitarbeiter für Platzierung und Analyse in der Retrozession. Dahinter verbirgt sich die Abgabe von Risiken oder Anteilen an Risiken, die in Rückdeckung übernommen werden. Sein Arbeitsalltag gestaltet sich unterschiedlich je nach Zeitpunkten im Jahr. Zum Ende des Jahres bearbeitet der 28-Jährige alles rund um Rückversicherungsverträge. Außerdem kümmert er sich um die Vor- und Nachbereitung von Terminen mit Vertragspartnern.

Das Klischee, dass Berufe in der Versicherungsbranche eintönig und langweilig sind, widerlegt auch Patrick Oberbusch, Assistent des Vorstands, Betrieb und Services der Generali Versicherungen:

»Zu einem Drittel befasse ich mich mit administrativen Aufgaben wie der Erstellung von Protokollen. Weiter bereite ich Präsentationen und Statistiken auf und mein drittes Aufgabengebiet umfasst die aktive Teilnahme an verschiedenen Projekten mit unterschiedlichen Inhalten.«

»Vielfältige Aufgabenbereiche und zahlreiche Qualifizierungsmöglichkeiten «, so beschreibt Juliane Karoff, Trainee im Vertrieb im ›Management Start Up-Programm‹ der Gothaer, ihren Arbeitsalltag. Nach ihrem BWL-Studium stieg die 27-Jährige bei dem Unternehmen ein und macht gleichzeitig eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau. Und für Miguel Rodriguez, Mitarbeiter für Sonderaufgaben bei der R+V, liegen die Besonderheiten in der Vielzahl an interessanten Aufgabenbereichen – von der grundlegenden Versicherungsmathematik bis hin zum Risikomanagement und zu den Kapitalmarktgeschäften. Auch die Fülle an vielseitigen Arbeitsfeldern und die Komplexität des Geschäfts schätzt er besonders an seiner Profession. 

Je nach individuellem Einsatzbereich variieren auch die geforderten Einstellungskriterien der einzelnen Versicherungsunternehmen. Die Allianz setzt auf sehr gute Leistungen im Studium, da diese von Einsatzbereitschaft und Engagement schon während der Unizeit zeugen. Auch Auslandsaufenthalte und Praktika stehen als Einstellungskriterien weit oben auf der Prioritätenliste.

Aus der Krise lernen. Bei der Generali Deutschland Gruppe sind vor allem soziale und persönliche Kompetenzen von großer Wichtigkeit:

»Diese sind erforderlich, um die vielfältigen und umfangreichen Aufgabenbereiche zu erfüllen. Wir suchen Mitarbeiter, die den Herausforderungen in unserer Organisation mit Innovations- und Veränderungsbereitschaft begegnen«, betont Nicole Schlosser.

Einsteiger, die über ein ausgeprägtes analytisches und konzeptionelles Denkvermögen und eine selbstbewusste Kommunikations- und Argumentationsfähigkeit verfügen, sind bei R+V genau richtig:

»Die Anforderungen sind natürlich von der jeweiligen zu besetzenden Position abhängig. Grundsätzlich suchen wir aber Mitarbeiter mit Verantwortungsbewusstsein und schneller Auffassungsgabe«, fügt Birgit Morgenroth, tätig im Personalbüro bei R+V, hinzu. 

Gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter sind der Motor eines jeden qualitativen Versicherungsunternehmens. Es gilt, die Kunden kompetent zu beraten und in Notfällen da zu sein. »Da es sich beim Versicherungsschutz um kein sichtbares Produkt handelt, zeichnet vor allem Servicequalität einen guten Versicherer aus«, sagt Lars Riemekasten von der Deutschen Rück. Auch für Anneke Hinse, Anlageund Vorsorgespezialistin bei der Allianz, steht der Mensch im Vordergrund:

»Eine gute Versicherung muss auf die individuelle Lebenssituation und die Bedürfnisse des Kunden passen. Darüber hinaus soll sie den Kunden vor existentiellen Risiken schützen.« 

Wichtig ist es auch, dass trotz guter Serviceleistungen die Beiträge gerechtfertigt sind. Miguel Rodriguez von der R+V sieht hier einen wichtigen Ansatz: »Gute Versicherungen zeichnen sich durch ein bedarfsgerechtes und umfassendes Angebot an individuell benötigten Versicherungslösungen zu fairen Preisen aus. Zudem muss im Schadens- und Leistungsfall eine schnelle und unkomplizierte Abwicklung im Sinne des betroffenen Kunden erfolgen.« Zufriedene Kunden machen den Erfolg der einzelnen Unternehmen aus. »Ein schneller, reibungsloser und qualitativ hochwertiger Kundenservice ist für beide Seiten gewinnbringend«, resümiert Patrick Oberbusch. 

Es lohnt sich für beide Parteien, aus Krisen zu lernen und den Fokus auf das zu legen, was wirklich zählt und darauf aufzubauen. Frei nach dem Songtext der Fantastischen Vier:

»Du musst nur verstehen, wir ernten, was wir säen.«


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