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Die Versicherungs-Versicherer

So gut wie unsichtbar und trotzdem unverzichtbar: Rückversicherer haften, wenn es dicke kommt.

Rückversicherer versichern Versicherungen

So einfach ist das und auch wieder nicht. Denn warum braucht ein Versicherungsunternehmen eine Versicherung? »Ein Rückversicherer«, erklärt Stipan Potocnjak, Underwriter bei der Hannover Rück, die neben der Munich Re zu den Big Playern auch auf dem internationalen Markt gehört, »beteiligt sich an den von einem Erstversicherer übernommenen Risiken und trägt im Falle eines Schadens einen zuvor vertraglich vereinbarten Anteil der entstehenden Aufwendungen.«

Die Versicherungskonzerne, bei denen du unfallversichert bist oder deine Privathaftpflicht abgeschlossen hast, sind die Erstversicherer. Indem sie dich und viele andere Menschen versichern und einspringen, wenn etwas passiert, gehen sie ein großes Risiko ein.

»Versicherer können ihren Kunden auch deswegen Schutz für Risiken bieten, weil sie einen Teil der Risiken an die internationalen Rückversicherungsmärkte weitergeben. Dies ist vor allem bei sehr großen Einzelrisiken wichtig, etwa bei Infrastrukturprojekten oder Industrieanlagen, aber auch als Schutz gegen eine Kumulierung von Schäden, zum Beispiel durch Wetterereignisse«, sagt Daniela Röben, Pressesprecherin des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Ein Hochwasser mit Schäden in Millionenhöhe etwa wäre ihr finanzieller Ruin. Für diesen Fall gibt es die Rückversicherer, die ab einer bestimmten Schadenhöhe den Erstversicherer entlasten. So vielfältig wie die Risiken, für die  Versicherungsunternehmen aufkommen, sind auch die Fachrichtungen, die für die Bearbeitung notwendig sind. Geologen und Geografen kommen genauso zum Einsatz wie Mediziner, Juristen, Ingenieure und Psychologen. Und natürlich sind auch die Einsatzmöglichkeiten für Wirtschaftswissenschaftler zahlreich: Über Finance & Accounting über Controlling bis hin zu Risk Management sind Absolventen mit Zahlenverständnis sowie analytischem und strategischem Denkvermögen gefragt. Potocnjak ist Underwriter und arbeitet direkt im Kerngeschäft der Rückversicherer. Er schätzt Risiken ein und quotiert in Zusammenarbeit mit den Aktuaren eine Prämie, bevor es in die Verhandlung mit dem Kunden geht. »Unklare Risikobeschreibungen müssen vor der Quotierung geklärt werden, um eine korrekte und präzise Kalkulation beziehungsweise Simulation der Schadeneintrittswahrscheinlichkeit vornehmen zu können«, berichtet der 27-Jährige.

Dabei geht es nicht nur um Katastrophen, sondern auch um der Deutschen liebstes Hobby: Fußball. Ein großes, aktuelles Projekt, das der Absolvent der Jade Hochschule mitbetreut, ist die FIFA-Deckung. »Das Projekt läuft seit Mai 2012 und darin geht es um die Deckung aller Fußball-Nationalspieler.« Da jeder professionelle Fußballverein dazu verpflichtet ist, seine Spieler für Einsätze in der Nationalmannschaft freizustellen, gehen diese ein großes Risiko ein. Schließlich könnten die Spieler sich dabei verletzen. »Einer der bekanntesten Fälle ist der Spieler Arjen Robben. Dieser wurde für ein Nationalspiel der holländischen Mannschaft freigestellt und kam verletzt zu seinem Arbeitgeber Bayern München zurück. Der Verein musste dem Spieler sein Gehalt weiterzahlen, obwohl dieser aufgrund seiner Verletzung nicht eingesetzt werden konnte. Um dieses Risiko zu vermeiden, hat die FIFA ein Versicherungsprodukt gesucht, das diese Lücke schließt. Wir haben in mehrmonatiger Arbeit ein geeignetes Konzept entworfen, um diesem Risiko entgegenzuwirken und versichern somit alle Nationalspieler vom Tag der Freistellung bis zur Rückkehr zum Arbeitgeber.«

Dass aktuelle Themen seine Arbeit dominieren, ist nur eine Seite seiner Arbeit, die Potocnjak besonders gut gefällt. Auch das Arbeitsklima und die hilfsbereiten Kollegen tun ihr Übriges. Außerdem gefällt ihm, dass sein Job durch ausländische Kunden und Geschäftspartner sehr international ist. Und das wird sich so schnell nicht ändern.

»Wir haben derzeit sehr viele Anfragen, die gekoppelt sind an die bevorstehende Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Dabei geht es um sämtliche Risiken, die bei so einem Großevent auftreten können. Beginnend bei der temporären Berufsunfähigkeitsversicherung für die Nationalspieler, der Veranstaltungsausfall-Versicherung bis hin zur TV-Signal-Ausfallversicherung«, berichtet Potocnjak.

Und von dieser Risiko-Eindämmung profitieren dann auch die Kunden der Erstversicherer. Ihre Karriere beginnen können zukünftige Rückversicherer oftmals, wie bei Munich Re, über ein Traineeprogramm, per Direkteinstieg oder als Praktikant.


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