Mann hängt an gelbem Rad

Die Zukunft der Versicherungswirtschaft

Stabil nach einer langen Durststrecke zeigt sich die Versicherungswirtschaft . Doch was bringt die Zukunft?

München ist und bleibt die deutsche Versicherungshauptstadt

Gut 33.000 Menschen arbeiten hier in dieser Branche, in etwa soviel wie in Berlin, Düsseldorf und Hannover zusammengenommen. In Hamburg sind es nochmal knapp 20.000 Menschen, in Köln fast 28.000, die bei einer Assekuranz, wie man früher sagte, beschäftigt sind. ein Viertel aller im Versicherungswesen Tätigen arbeitet in nordrhein-westfalen, ein Fünftel in Bayern.

München ist und bleibt die deutsche Versicherungshauptstadt. Gut 33.000 Menschen arbeiten hier in dieser Branche, in etwa soviel wie in Berlin, Düsseldorf und Hannover zusammengenommen. In Hamburg sind es nochmal knapp 20.000 Menschen, in Köln fast 28.000, die bei einer Assekuranz, wie man früher sagte, beschäftigt sind. ein Viertel aller im Versicherungswesen Tätigen arbeitet in nordrhein-westfalen, ein Fünftel in Bayern.

Bei der Allianz hingegen werden schon allein im laufenden Jahr voraussichtlich 500 Absolventen neu eingestellt, vor allem im Bereich Inhouse Consulting, Risk Controlling und Aktuariat sowie IT werde derzeit gesucht, sagt Dominik Hahn, der bei der Allianz für Personalmarketing zuständig ist. Besonders anspruchsvoll, aber auch lukrativ ist dabei das ›Vorstandsassistentenprogramm‹ für die sogenannten High- Potentials, bei dem pro Jahr etwa 15 bis 20 Vorstandsassistenten ausgewählt werden, die später im senior Management arbeiten sollen. Geeignete Kandidaten müssten jedoch nicht nur »über den Tellerrand blicken« können, sondern auch sonst über ein »herausragendes Leistungsbild« verfügen, so Hahn – und zwar von der schule bis hin zu einer Promotion oder einem MBA. Zudem müssen sie einen »klaren Führungsanspruch « haben, aber auch »nachgewiesenes gesellschaftspolitisches engagement«. Auf die wenigen Plätze bewerben sich jährlich etwa 1.600 Menschen. Absolventen öffentlicher Hochschulen hätten dabei genauso gute Karten wie jene von Privat-Unis, so Hahn. »Aber natürlich gibt es Hochschulen, die für sehr gute Absolventen bekannt sind, wie die Uni Mannheim oder die LMU in München.« Das Gros der Berufsanfänger kommt übrigens über den Direkteinstieg zur Allianz, auch wenn es für das mittlere Management spezielle Traineeprogramme gibt.

Was das Gehalt angeht, will die Allianz jedoch keine Zahlen nennen. Nur soviel: »wir zahlen marktgerecht.« In anderen Häusern ist man da offener: Die AachenMünchener zahlt Absolventen nach eigenen Angaben zwischen 38.000 und 48.000 euro im Jahr, die HanseMerkur zwischen 35.000 und 50.000 euro im Jahr.

Die AachenMünchener sucht aktuell neben Projektmanagern vor allem mathematische experten, wobei Volksoder Betriebswirte prinzipiell ebenso gefragt sind wie etwa wirtschaftsinformatiker oder -mathematiker. Ähnlich sieht es bei der nürnberger oder der ergo Versicherungsgruppe aus. Bei der HanseMerkur heißt es: »Die Versicherungsbranche wird im Zuge des demografischen wandels vermehrt Mitarbeiter mit Führungspotenzial suchen.« Gefragt seien dabei neben spezialisten für Controlling, Vertrieb, Personal oder

»Klar im Vorteil sind bei der Bewerbung alle, die sich schon während des studiums breit aufgestellt und durch Praktika weiterqualifiziert haben «, so die AachenMünchener. »Außerdem setzen wir voraus, dass das studium mit überzeugenden Leistungen abgeschlossen wurde. neben eigeninitiative, Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit werde dabei auch auf unternehmerische Kompetenzen wie entscheidungsfähigkeit und Kundenmanagement geachtet. wünschenswert bei Bewerbern sind erste praktische erfahrungen durch eine Ausbildung, ein längeres Praktikum, eine werkstudententätigkeit oder Auslandserfahrung sowie soziale Kompetenzen, Leistungsbereitschaft, engagement und Organisationsentwicklung auch Fachkräfte für (Online-)Marketing und social Media.Teamfähigkeit«, sagt Roland Schulz, Sprecher der Nürnberger Versicherungsgruppe. Ähnliches ist auch bei der Ergo Versicherungsgruppe zu hören.

Wirtschaftswissenschaftler können dabei grundsätzlich in der Produktentwicklung, dem Aktuariat oder dem Kundenservice ebenso arbeiten wie im Controlling, Marketing oder der strategischen Planung. Aber man könne sich »sehr wohl auch horizontal entwickeln«, also vom einen Fachbereich in einen anderen wechseln, heißt es bei der Hanse- Merkur. »Durchlässigkeit für High Potentials ist uns wichtig«. Auch die AachenMünchener sagt: »Natürlich ist auch ein Wechsel zwischen den Laufbahnen möglich.«

Insgesamt seien die Versicherungen zwar »gut durch die Krise gekommen«, so Markus Rieß, Vorstandsvorsitzender der Allianz Deutschland. Aber, so Nikolaus von Bomhard, Vorstandsvorsitzende der Munich Re und Aufsichtsratschef des unter anderem durch ›Lustreisen‹ in die Schlagzeilen geratenen Erstversicherers Ergo, ebenfalls in der FAZ: »In Deutschland ist von einem deutlich geringerem Wirtschaftswachstum und weiterhin volatilen Finanzmärkten auszugehen.« So ist zwar das Geschäft der privaten Krankenversicherer zuletzt immer noch gewachsen, auch das der Schaden- und Unfallversicherer. Doch der Boom mit den Lebensversicherungen in Deutschland hatte zuletzt ein Ende, was in der Branche aber eher als Gesundschrumpfen gewertet wird.

Eine Studie des Schweizer Rückversicherers Swiss Re hat zugleich ergeben, dass das Potenzial der Auslandsmärkte für Versicherer größer ist als das des Heimatgeschäfts. Gerade in den Schwellenländern sei mehr profitables Wachstum zu erwarten als in den gesättigten reifen Märkten. Doch bislang tun sich auch die großen Versicherungskonzerne schwer, in Asien Geld zu verdienen. In Deutschland indes hat die Branche noch immer mit negativen Schlagzeilen zu kämpfen. Dabei geht es nicht nur um ›Sex-Reisen‹, sondern auch um schlechte oder falsche Beratung der Kunden, hohe Vermittlungsprovisionen oder falsch berechnete Riester-Verträge. Der Begriff ›Zäsur‹ ging GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen in diesem Zusammenhang zwar jüngst zu weit. Doch: »Nicht alles, was zu Geschäft führt, ist auch wünschenswert.«


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