Dr. Kerstin Altendorf vom Bundesverband Deutscher Banken
(c) Bankenverband

Interview: Banken und FinTechs, die Digitalisierung und Innovationen

Wie verändert sich der Bankenmarkt durch Digitalisierung und FinTechs? 
Das und mehr haben wir Kerstin Altendorf 
vom Bundesverband Deutscher Banken gefragt

Kerstin Altendorf ist Pressesprecherin beim Bundesverband Deutscher Banken (BDB) zur Zukunft des Banking in der digitalen Welt: »Es wird immer wieder Momente geben, in denen Kunden mit einem Menschen sprechen und sich als Person angenommen und entsprechend aufgehoben fühlen wollen«.

Frau Altendorf, was sind die aktuellen Trends im Bereich FinTech?

FinTechs arbeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette und mit einer großen Brandbreite an Geschäftsmodellen im Finanzdienstleistungsbereich – egal ob beispielsweise bei Geldanlage-, Konten- oder Kreditthemen. Gerade bei neuen technologischen Entwicklungen sind FinTechs immer vorne dabei, zum Beispiel beim Thema Blockchain. Wir beobachten außerdem, dass FinTechs und Banken zunehmend als Partner auftreten – ob bei Produkten, Prozessen oder Technik.

Wie weit ist Deutschland beim Thema FinTech im internationalen Vergleich?

Gemessen an unserer wirtschaftlichen Stärke können wir sicherlich einiges aufholen. Gerade werden gezielt regionale wie lokale Hubs gefördert und auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat in den vergangenen Jahren kräftig bei den Themen Digitalisierung und FinTech aufgestockt – personell wie fachlich. In Deutschland sind Berlin und Frankfurt Zentren der FinTech-Szene, aber wichtig ist doch, ganz Deutschland als FinTech-Standort voranzubringen. Hier ist das Tempo in anderen Regionen wie Asien, Großbritannien oder den USA deutlich höher.

Und wie steht es um die Digitalisierung in deutschen Banken?

Das hängt wesentlich vom Geschäftsmodell der jeweiligen Bank ab. Es gibt kleinere Banken, die sich dezidiert digital aufgestellt und konsequent auf Dienstleistungen für FinTechs spezialisiert haben, es gab Neugründungen von digitalen Banken und große Banken haben zum Beispiel sogenannte Inkubatoren auf den Weg gebracht – beides Geburtszentren von Neugründungen im FinTech-Bereich. Andere Banken setzen dagegen stärker auf den direkten Kundenkontakt und individuelle Beratungsleistungen. Insgesamt haben private Banken ihre Geschäftsmodelle aber konsequent digital angepasst – ob mit Video-Ident-Verfahren, Robo Advice oder Kontenaggregation.

Es besteht also eine Konkurrenzsituaton. Wie ist das Verhältnis zwischen Banken und FinTechs?

Konkurrenz gibt es, klar. Aber die gibt es unter den Banken ja auch, da sind FinTechs einfach weitere Wettbewerber. Der Bankenverband hat vor über drei Jahren den Schwerpunkt auf Kooperation gelegt: Es gab zunächst Austauschforen, wobei schnell festgestellt wurde, dass auf beiden Seiten hohes Interesse besteht: Wie können wir gegenseitig voneinander lernen und vielleicht zusammenarbeiten? Ergebnis war, dass wir seit letztem Jahr mittlerweile rund 20 FinTechs als außerordentliche Mitglieder haben. Wir erleben zudem immer mehr Produkt- und Prozesspartnerschaften zum beiderseitigen Vorteil.

Welche Herausforderungen müssen ›herkömmliche‹ Banken meistern, um innovativ mit jungen FinTechs mitzuhalten?

FinTechs sind sehr gut darin, mit einer Mischung aus ›Trial and Error‹, höchster Technologieaffinität, Kreativität und Schnelligkeit neuartige Dienstleistungen und Produkte zu entwickeln. Banken haben da nicht zuletzt aufgrund hoher regulatorischer Hürden, aber auch ihrer Denkweise andere Ausgangsbedingungen. Da haben sie aber in den letzten Jahren sehr aufgeholt. Andersherum verfügen die Banken auch über große Vorteile, etwa beim Thema Sicherheit und Vertrauen ihrer Kunden. Entsprechend gut ergänzen sich beide Welten trotz aller Konkurrenz.

Was sollten Studierende für die Veränderungen durch die Digitalisierung mitbringen?

Ich glaube, Studierenden bieten sich große Chancen, sich in der digitalen Welt einzubringen. Neugier und Offenheit für neue Produkte und Dienstleistungen sind für den Berufseinstieg sicher auch sinnvoll. Wichtig ist aus meiner Sicht herauszufinden, was einem Spaß macht – denn wenn ich Spaß in der Arbeit habe, werde ich auch gut sein. Ein Grundverständnis technischer und IT-Abläufe ist sicherlich hilfreich – wie sehr diese Kenntnisse in die Tiefe gehen sollten, hängt dann vom jeweiligen Einstiegsbereich ab. Banking ist aber nach wie vor auch Menschengeschäft – trotz aller Digitalisierung. Keine Technik kann es einem Berater völlig abnehmen, mit dem Kunden ein vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen.


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