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Als Produktmanager global erfolgreich handeln

Produktmanager betreuen die Entwicklung, Produktion­ und ­Vermarktung eines Produktes oder ­einer Marke – ­in einer Zeit, in der Branchen verschmelzen, ­werden sie ­immer wichtiger

Brose ist weltweit der viertgrößte Automobilzulieferer in Familienbesitz. Das Unternehmen entwickelt und fertigt sowohl mechatronische Systeme für Fahrzeugtüren und -sitze als auch Elektromotoren und Elektronik – unter anderem für Lenkung, Bremsen, Getriebe und Motorkühlung. Jeder zweite Neuwagen weltweit ist mit mindestens einem Brose Produkt ausgestattet. Rund 26.000 Mitarbeiter an 62 Standorten in 23 Ländern erwirtschaften einen Umsatz von 6,3 Milliarden Euro – und einer von ihnen ist für die Autositze zuständig: der 29-jährige Marius Welk.

Produktmanagement-Ziel nicht aus den Augen verlieren

»Als Projektleiter im Kundenbereich ›Sitz‹ begleite und steuere ich alle Prozesse von der ersten Anfrage des Kunden bis zum Serienstart meines Produkts in einem unserer weltweiten Fertigungsstandorte«, beschreibt Marius Welk sein Aufgabenspektrum. »Ich beschäftige mich hauptsächlich mit Sitzstrukturen. Das sind die Grundgerüste von Autositzen, die nur noch gepolstert und bezogen werden müssen.« Am Anfang des Prozesses stehe immer die Suche nach der besten Lösung, die sich aus dem ergebe, was der Kunde will, was ihm wirklich Vorteile bringt – und was technisch oder mit dem gewünschten Budget machbar ist. »Als Projektleiter koordiniere ich ein Team mit Spezialisten aus zehn Fachbereichen wie der Entwicklung, dem Controlling und der Fertigungsplanung. Die Herausforderung besteht darin, jedes Teammitglied einzubeziehen und dabei das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren«, erzählt der Brose-Projektleiter. Besonders stolz ist er auf ein Projekt für einen großen Automobilkonzern, bei dem er und sein Team eine modulare Vordersitzstruktur entwickelt haben. Sie kommt heute in Fahrzeugen mehrerer Marken zum Einsatz – vom Kleinwagen bis zur Luxuslimousine.

Wer für eine Marke oder ein bestimmtes Produkt brennt, Kreativität und Know-how in Sachen Produktvermarktung vereint, erfüllt die nötigen Voraussetzungen, um als Produktmanager zu arbeiten. Was ein Produktmanager genau macht, ist gar nicht so einfach zu definieren. Denn die entsprechende Rolle kann je nach Unternehmen mit völlig verschiedenen Aufgaben besetzt sein.

Bei Bayer Vital, der Pharma-Vertriebsgesellschaft von Bayer, ist die 27-jährige Dana Eisner als Brand Managerin für die Marke Bepanthen/Bepanthol zuständig: »Eine Kollegin meinte einmal, dass man als Brand Manager eine Art kleiner Geschäftsführer ist. Und diese Beschreibung trifft es ziemlich gut, denn Brand Manager müssen die Interessen sehr vieler Stakeholder berücksichtigen und dann entscheiden, was das Beste für die Marke ist und welche Strategie verfolgt werden soll.« Nachdem Dana Eisner ihren Bachelor in International Business und ihren Master in Marketing Management in der Tasche hatte, hat sie sich für das Traineeprogramm ›Marketing & Sales‹ bei Bayer entschieden, weil sie schon früh wusste, dass sie einmal als Brand Manager arbeiten möchte. »Besonders herausfordernd ist die Arbeit im Apotheken-Umfeld. Die vielen regulatorischen und rechtlichen Vorgaben erscheinen Außenstehenden zunächst als Hürde«, berichtet Eisner. »Doch sobald man den Vertriebskanal Apotheke etwas besser kennengelernt hat, merkt man schnell, dass es eine spannende Herausforderung ist, Apothekern oder Ärzten studienbasierte Inhalte näherzubringen und gleichzeitig eine emotionale Markenwelt für den Konsumenten zu schaffen.«

Um den Beruf des Produktmanagers ausüben zu können, gibt es keine dezidierte Ausbildung. Doch der Weg führt in aller Regel über ein akademisches Studium. Besonders beliebt bei den Arbeitgebern sind dabei Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Marketing, Volkswirtschaftslehre, Jura, Wirtschaftswissenschaften, Managementstudiengänge oder Naturwissenschaften.

Nahezu alle Branchen suchen Produktmanager

Worauf es im Beruf eines Produktmanagers oder Brand Managers ankommt, erläutert Bernd Schmitz, Leiter des Personalmarketings der Bayer AG: »Das Image und den Wiedererkennungswert einer Marke zu entwickeln, zu positionieren und zu koordinieren – genau das leistet das Brand Management bei Bayer Vital. Dazu gehören sowohl strategische als auch operative Tätigkeiten. Eigenverantwortliches Arbeiten mit einer Leidenschaft für Innovationen steht dabei im Vordergrund.« Die wesentlichen Erfolgsfaktoren für ein gelingendes Produktmanagement sind eine gute Steuerung der Prozesse und der systematische Einsatz professioneller Methoden und Tools. Insofern sollten Produktmanager von Anfang an die Weichen dafür stellen, Projekte aktiv und strategisch zu steuern. Gefragt ist dafür vor allem Schnittstellen-Management zu anderen Unternehmensbereichen sowie Moderations-Kompetenzen, um lösungsorientiert zwischen Teams vermitteln zu können.

Nahezu alle Branchen, in denen Produkte oder Dienstleistungen angeboten und weiterentwickelt werden, suchen Produktmanager – allen voran Automotive, IT, Ingenieuwesen, Pharma, Medizin und Elektronik. Bei B. Braun Melsungen ist Valentin Gruber seit einem Jahr als Junior Produktmanager im Global Marketing & Sales tätig. »Ich bin zuständig für ein breites Portfolio an Produkten, die in Krankenhäusern und Apotheken täglich gebraucht werden«, beschreibt Gruber sein Aufgabenfeld. »Als Produktmanager habe ich die strategische Verantwortung und Platzierung meiner Produktgruppe. Ich agiere an der Schnittstelle zwischen Kunden und Unternehmensbereichen wie der Forschung und Entwicklung, Qualitätsmanagement und Produktion. Eine meiner Aufgaben ist, die Umsetzung von Kundenanforderungen und -wünschen zu koordinieren, um schließlich ein qualitativ hochwertiges Serienprodukt erfolgreich dem Markt zur Verfügung zu stellen.« Ausschlaggebend hierfür sei eine sorgfältige Marktanalyse, zum einen über die Bedürfnisse der Kunden und zum anderen über die Aktivitäten der Wettbewerber und deren Produkte.

Während regelmäßiger Besuche bei Kunden, zum Beispiel in Krankenhausapotheken, beobachtet Valentin Gruber die Arbeitsabläufe. Das hilft ihm, die Schwierigkeiten im Alltag zu verstehen und diese in die Produktentwicklung oder in seine Produkttrainings einfließen zu lassen. Durch Schulungen und Weiterbildungen in Kombination mit dem Marktwissen bleibt er auf dem neusten Stand der Technik. »Und ich kann den medizinischen Hintergrund und die Anwendungsmöglichkeiten meiner Produkte besser verstehen und ausbauen«, so Gruber. »Oder anders gesagt: Dieses Wissen gibt mir die Möglichkeit, mit Weitblick global handeln zu können.«


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