Kleiderstange in schwarz-weiß

Anziehende Jobs für Wiwis in der Modebranche

Von wegen Modefuzzi: Wirtschaftswissenschaftler können in der Textilbranche richtig Stoff geben und stilsicher in Management, Einkauf oder Marketing Karriere machen

Regenfeste Jacken, hübsche Sommerblusen oder Kinderklamotten – die Textilbranche macht aus Stoffen und Garnen tragbare Fashion. Auch in Flugzeugen, Autos oder in der Möbelindustrie sorgt die Branche dafür, dass wir bequem auf stylischen Bezügen sitzen. Und in der Schuhindustrie werden Leder und Kunststoffe zu schicken Sneakers oder Sandalen verarbeitet.

Die deutsche Textil- und Bekleidungsbranche besteht, laut dem Gesamtverband textil+mode, aus rund 1.400 Unternehmen, mit mehr als 132. 000 Mitarbeitern. Damit ist sie die zweitgrößte Konsumgüterindustrie in Deutschland, mit einem Gesamtumsatz von 32 Milliarden Euro. Wer Wirtschaftswissenschaften studiert hat, findet spannende Aufgaben in Management, Einkauf oder Marketing.

Schnell Verantwortung übernehmen

Produktmanager übernehmen beispielsweise die Kampagnenleitung für neue Kollektionen, das Projektmanagement für die Endverbraucherkommunikation oder die Konzeption einer aufmerksamkeitsstarken POS-Ausstattung. »Im Produktmarketing besteht unsere Kernaufgabe darin, die Produktidee und deren Vorteile für den Endverbraucher klar und verständlich zu kommunizieren«, erklärt Daniel Schmid, Manager für Produktmarketing beim Outdoor Ausrüster Vaude.


  • 32 Milliarden Euro betrug im Jahr 2016 der Gesamtumsatz der deutschen Textil- und Modeindustrie, einschließlich Schuh- und Lederwarenindustrie.
  • 900 kleine Bekleidungsgeschäfte schließen pro Jahr, dafür verdoppelte sich die Zahl der Großunternehmen (ab 100 Millionen Euro) von 2010 bis 2014.
  • 6 Prozent mehr Bekleidung und Textilien wurden 2016 laut BTE Handelsverband Textil per E-Commerce verkauft. Das klassische Kataloggeschäft schrumpft.

Neben weiteren Branchenriesen wie Marco Polo, Tom Tailor oder Puma, lebt der Markt vorwiegend von mittelständischen Unternehmen, die Socken, Krawatten oder Sandalen in Übergrößen fertigen. Abhängig von Größe und Art des Unternehmens, sind Aufgaben und Einstiegsgehälter sehr unterschiedlich. »Gut ausgebildete Absolventen können in den Unternehmen als Einkäufer, Key Account Manager oder HR Manager bei entsprechendem Engagement schnell Verantwortung übernehmen«, erklärt Uwe Mazura, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie.

Nötige Skills

Ein sehr gut abgeschlossenes Studium sei vielfach Voraussetzung für den Einstieg, außerdem sollte man bereit sein, Leistung zu bringen und flexibel zu sein, rät Mazura. Denn auf Einkauf und Management kommen neue Fragen im Bereich Nachhaltigkeit zu, etwa beim Ressourcen- und Chemikalienmanagement. Viele Kunden wollen transparentere Lieferketten und wissen, wie, wo und von wem ihre Kleidung produziert wurde. Für den Einkauf bedeutet das, bei der Auswahl der Zulieferer zwischen Preis, Qualität und nachhaltiger Produktion abzuwägen. Wer in Marketing und Werbung arbeitet, muss eine nachvollziehbare ›Corporate Social Responsibility‹ entwickeln. »Langfristige Lieferantenbeziehungen und gesellschaftliche Forderungen nach fair und nachhaltig produzierten Textilien beschäftigen die Textilbranche und werden sie in den kommenden Jahren weiter beeinflussen und wandeln«, erklärt Georg Dieners, Generalsekretär der Internationalen OEKO-TEX Gemeinschaft.


Durchaus anders

»Ich war von der Geschwindigkeit überrascht, mit der in der Textilbranche gearbeitet wird, was ein hohes Maß an Flexibilität und Schnelligkeit erfordert. Zudem fokussieren wir uns seit dem vergangenen Jahr vermehrt auf die Beratung unserer Kunden, was ein tiefgreifendes Wissen des Marktumfeldes und der jeweiligen Bedingungen und Bedürfnissen unserer Kunden verlangt. Vor allem meine wirtschaftlichen Fachkenntnisse helfen mir dabei, unsere Kunden hinsichtlich Flächenproduktivität und anderer Kennzahlen zu beraten und anschließend die Performance unserer Artikel zu bewerten. Dabei helfen mir meine Eigenschaften, offen auf Menschen zuzugehen und mich schnell in neue Situationen einzufinden.«

Alena Schneck, Junior Specialist Sales bei Tom Tailor

Insidertipp

»Ich denke, eine gewisse Affinität sowie Begeisterung und ein Gespür für Mode sind entscheidende Kriterien, um in der Textilbranche arbeiten zu können. Die Relevanz dieser Faktoren ist dabei von Fachbereich zu Fachbereich unterschiedlich ausgeprägt. Das notwendige textilwirtschaftliche beziehungsweise fachliche Know-how und Verständnis lassen sich meiner Meinung nach gut im Job aneignen.«

Lisa Ingildeeva, Junior Brand Manager, Creative Services bei Marc O’Polo International

Bonus

»In der Textilbranche, insbesondere im Marketing und den kreativen Bereichen, wird es nie langweilig. Der Markt, die Trends und Kundenwünsche verändern sich laufend. Dadurch müssen auch wir uns ständig mitentwickeln sowie spontan und flexibel reagieren können. Viele Projekte ergeben sich kurzfristig und müssen sehr schnell umgesetzt werden. Der Marketingbereich in der Modebranche ist definitiv nichts für diejenigen, die keine Veränderungen und einen geradlinigen, völlig berechenbaren Alltag mögen.«

Lisa Ingildeeva, Junior Brand Manager, Creative Services bei Marc O’Polo International


Ein weiterer Trend, der auf Einkauf, Management oder Marketing zukommt, sind ›Smart Textiles‹, Textilien mit Zusatzfunktion: Fahrradjacken, die seitlich blinken, wenn Radfahrer abbiegen oder Teppiche, die merken, wenn jemand gestürzt ist und Hilfe braucht. Die Forschung arbeitet auch an Textilien, die mit Menschen kommunizieren, beispielsweise, wenn der Schuh die gelaufenen Kilometer aufs Smartphone schickt. Die klassische Textil- und Bekleidungsindustrie wird digitaler, die Branche sucht daher Nachwuchskräfte, die offen und technisch versiert sind. Wer schon im Studium im Modehandel jobbt und im Ausland war, schärft zudem seinen Blick für die globalen Herausforderungen der großen Marken und erhöht seine Chancen auf spannende Positionen in der Textilindustrie.

 

Praxischeck

Outdoor und Nachhaltigkeit – Zwei Textilprofis lassen blicken

Daniel Schmid, 37, Diplom Betriebswirt (FH), Manager für Produktmarketing bei Vaude

»Ich bin seit November 2009 bei Vaude für das Produktmarketing zuständig, der Bereich stellt bei uns im Unternehmen die Schnittstelle zwischen Produktentwicklung und Endverbraucherkommunikation dar. Ich habe mich für die Textilbranche aufgrund meiner Hobbys entschieden: Als begeisterter Bergsportler, Skifahrer und Gleitschirmflieger hatte ich schon immer ein starkes Interesse an Outdoor-Produkten und natürlich viele Ideen dazu im Kopf. In meinem jetzigen Job kann ich meine Erfahrung voll einbringen und den Mehrwert unserer Vaude-Produkte für den Endverbraucher ›auf den Punkt‹ bringen. In meinem Aufgabenbereich beschäftige ich mich mit Outdoor-Ausrüstung, kann tolle neue und innovative Produkte ausprobieren und meine Begeisterung dafür weitergeben. Das passt für mich perfekt! Die meisten Menschen, die ich im Berufsleben kennenlernen durfte, arbeiten in einem Bereich, den sie sich während des Studiums gar nicht vorstellen konnten. Mein Tipp an Absolventen: Immer die Augen offen halten, nichts ausschließen und das machen, was ihr gerne tut.«

Kristin Heckmann, 36, BWL-Studium, Leiterin Corporate Social Responsibility bei Hessnatur

»Ich bin 2012 zu Hessnatur gewechselt und habe in der Abteilung für Nachhaltigkeitsmanagement zunächst die fachliche Verantwortung für die Sozialstandards übernommen. Seit 2015 leite ich das Team für Corporate Social Responsibility (CSR). Hessnatur ist seit mehr als 40 Jahren Pionier für nachhaltige Mode. Als Leiterin des Teams für das Nachhaltigkeitsmanagement stehe ich für die Einhaltung und Weiterentwicklung der sozialen und ökologischen Standards. Dabei vertrete ich das Unternehmen in Fachgremien oder bei öffentlichen Veranstaltungen und organisiere die strategischen Partnerschaften zum Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Meine Entscheidung hat sich weniger an der Branche als an dem Unternehmen Hessnatur ausgerichtet. In meinen ersten Managementfunktionen hatte ich immer etwas vermisst. Im nachhaltigen Modehandel fühle ich mich jetzt sehr wohl. Ich kann mich mit voller Überzeugung für Projekte in vielen Weltregionen engagieren und jeder Tag bietet unerwartete Herausforderungen.«


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