lächelnder Herr in schwarz-weiß
privat

Die üblichen Klischees im Handel

Handel ist Schufterei, Handel ist Frauenjob, Handel ist unkreativ? Was ist dran an den Vorurteilen?

 

Rede und Antwort steht uns Wilfried Malcher vom Handelsverband Deutschland (HDE):

»Die Bezahlung im Handel ist schlecht.«

Das stimmt so nicht. Wer gute Arbeit abliefert, verdient auch gut. Eine Befragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) und des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) im Jahr 2012 ergab, dass zwei Drittel der Erwerbstätigen im Einzelhandel mit ihrem Gehalt mindestens zufrieden sind.

»Ich muss mich hocharbeiten. Auch Uni-Absolventen steigen ganz unten ein.«

Uni-Absolventen steigen im Handel ihrer Qualifikation entsprechend ein. Zu einem Traineeprogramm oder der Einarbeitung gehört vielfach aber auch die Arbeit im Verkauf. Im Handel steht der Kunde im Fokus. Dessen Ansprüche und Bedürfnisse muss jeder Mitarbeiter in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellen und die Praxis ist hierbei ein wichtiger Lehrmeister.

»Kassieren, Regale einräumen, Kisten schleppen – das sind die Hauptarbeiten.«

Ja, das haben die meisten Filialleiter auf dem Weg zur Führungsposition gelernt. Sie müssen bei Bedarf auch diese Aufgaben wahrnehmen, um zu vermeiden, dass Regallücken entstehen oder die Schlangen an den Kassen immer länger werden. Hauptaufgabe ist es aber natürlich, die Filiale erfolgreich zu führen und zu steuern.

»Handel und Internationalität, das beißt sich doch.«

Ganz im Gegenteil: Viele Handelsunternehmen haben Filialen in anderen Ländern. Fast alle Betriebe in der Branche kaufen international ein. Der Handel ist eine der Branchen mit den meisten Auslandskontakten und bietet entsprechend gute Chancen auf internationales Arbeiten.

»Der Handel ist schon eher eine Frauenbranche.«

Der Frauenanteil im Handel ist hoch, er liegt insgesamt bei 68 Prozent der Beschäftigten. Die gleichen spannenden Herausforderungen in der Branche gibt es aber auch für Männer.

»So ein Job im Einzelhandel ist echt stressig – für echte Freundlichkeit bleibt da keine Zeit.«

Wie stressig der Beruf ist, hängt immer auch daran, wie viel Spaß er einem macht. Letztlich ist es im Handel wie in jeder Branche: Wer im Beruf auch seine Berufung findet, für den ist der Job spannend. Und der oder die geht dann auch freundlich auf Kunden zu.

»Kreativität wird im Handel nicht gerade groß geschrieben.«

Das ist ein großer Irrtum. Ladengestaltung, Warenpräsentation, Kundenberatung, Marketing, Sortimentsentwicklung oder Standortplanung und -entwicklung haben viel mit Kreativität zu tun. Das Einkaufserlebnis spielt im stationären Handel eine immer wichtigere Rolle. Die Kunden erwarten eine fantasievolle und qualitativ hochwertige Warenpräsentation.

»Überstunden sind bei immer längeren Öffnungszeiten vorprogrammiert.«

Das ist nicht richtig. Wenn mal Überstunden anfallen, werden sie vergütet oder durch Freizeit ausgeglichen. Die längeren Öffnungszeiten führen nicht zu längeren Arbeitszeiten für den einzelnen Arbeitnehmer. Die Unternehmen organisieren lange Öffnungszeiten über Teilzeitarbeit und Schichtsysteme.


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