Nahaufname eines großen Obststandes

Karriere im Einzelhandel

Der Einzelhandel ist wie ein Supermarktregal – für jeden Geschmack ist etwas dabei

Es ist ein lauer Frühsommertag, die Sonne hat den Winter endlich endgültig vertrieben und die Menschen zieht es wieder auf die Straßen. Unverhofft fällt die Vorlesung am Nachmittag aus und man nutzt die Gelegenheit, um ein Eis essen zu gehen oder ein bisschen zu bummeln. Satte 41,7 Millionen Deutsche, also ziemlich genau jeder Zweite, gehen laut einer Studie gerne gelegentlich shoppen. Folglich nimmt Shopping einen hohen Stellenwert in Sachen Hobbys ein und sorgt so für eine ergiebige Zielgruppe des Einzelhandels. Ob Kleider, Schuhe, Elektronikartikel oder Möbel – das Warenangebot ist vielfältig und sorgt nicht zuletzt für die weite Spanne und Attraktivität des Einzelhandels als Arbeitsmarkt.

Modebranche: ein gefragter Zweig

Gerade die Modebranche ist ein gefragter Zweig. Wer stilvoll einsteigen will, hat als Wirtschaftswissenschaftler gute Chancen in den Bereichen Einkauf, Verkauf und Vertrieb. Dabei wird gleich deutlich, dass die Modewelt im Alltag nicht ganz so glamourös ist wie sie oft erscheint beziehungsweise dargestellt wird. Ramona Weiler ist Sortimentsmanagerin bei der Rudolf Wöhrl AG, einem der größten Modehäuser in Deutschland.

»Schon in meiner Jugend stand fest, dass ich in der Modeindustrie arbeiten möchte, da ich einer Aushilfstätigkeit als Modeverkäuferin nachging«, erzählt die 27-Jährige. »Leider musste ich feststellen, dass der Job als Verkäuferin mir zwar großen Spaß bereitete, mir aber nicht die Herausforderungen bot, die ich mir wünschte. Daraufhin habe ich mich für den Einkauf in der Rudolf Wöhrl AG entschieden, da ich mich fragte, nach welchen Auswahlkriterien die Ware auf die Fläche kommt«, berichtet sie über ihren Werdegang.

Obwohl die Modeindustrie eine gefragte Branche ist, verlief ihr Einstieg reibungslos, da sie das Unternehmen bereits als Praktikantin und Werkstudentin kennenlernen konnte. Seit ihrem Bachelorabschluss in Sozialökonomik an der Universität Erlangen unterstützt sie nun den Einkauf bei der Erstellung eines Sortimentskonzepts. Auch die kontinuierliche Beschaffung von Informationen über Markt und Trends gehören zu ihrem Aufgabenbereich. Dennoch arbeitet sie nicht nur als Trendscout, sondern ist auch für die Steuerung des Warenmanagements und die Flächenbewirtschaftung in Absprache mit dem Einkäufer verantwortlich. Das sind dann eben auch die Bereiche, in denen ihr wirtschaftswissenschaftliches Studium von Vorteil ist. »Die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, die während des Studium vermittelt werden, erleichtern das Verständnis des täglichen Handwerks des Einkäufers«, bestätigt Weiler. Wie in jedem Job gab es allerdings auch als Sortimentsmanagerin bei Wöhrl Kenntnisse, die sie sich über ›Learning-by-Doing‹ beibringen musste. Dazu zählte es, die unternehmensinternen Zusammenhänge und insbesondere auch die Kommunikation zwischen Einkauf, Verkauf, Lieferanten und Logistik kennenzulernen. »Zudem musste ich mir das Arbeiten mit den Wirtschaftssystemen aneigenen«, ergänzt Weiler.

Aufgabenbereiche eines Sortimentmanagers

Wie auch in anderen Berufen verbringt sie viel Zeit im Büro und beschäftigt sich mit den täglichen Aufgaben des Sortimentsmanagers. Dazu gehören Abverkaufsanalysen und die damit verbundenen Maßnahmen, wie etwa Warenumlagerungen, Retouren und Reduzierungen. Auch das Altwarenmanagement sowie das Rückstands- und Wareneingangscontrolling fallen in ihren Aufgabenbereich. »All dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Einkäufern«, berichtet sie. Ein reiner Bürojob ist ihre Position nun aber auch wieder nicht. Ein bisschen vom Glanz und Gloria der Modewelt bekommt Weiler mit:

»Der spannende Teil jedoch findet außer Haus statt, wenn man die Einkäufer zu Orderterminen begleitet, in denen die Kollektionen der angesagtesten Labels gesichtet und geordert werden. Darüber hinaus besucht man Fachmessen wie die Bread & Butter in Berlin, um sich über die neusten Trends für die kommende Saison zu informieren.«

So aufregend und abwechslungsreich diese Besuche ihre Arbeit auch gestalten, genauso elementar sind sie für ihren Job. Denn Weiler betrachtet die Bestimmung der Trends für die kommende Saison als größte Herausforderung. Immerhin wollen diese genau auf die Kundenbedürfnisse abgestimmt sein. Ein wahres Erfolgserlebnis ist es dann, wenn ein Trend beim Kunden gut ankommt. »Es begeistert mich, zu sehen, wie die Ware auf die Fläche kommt. Insbesondere, wenn man dazu beigetragen hat, den richtigen Trend gefunden zu haben und sich dies in den Abverkaufszahlen niederschlägt«, schwärmt Weiler. Wer gerne die gleiche Richtung wie sie einschlagen möchte, sollte neben einem gewissen Grad an Modeaffinität auch Analysefähigkeit und Zahlenverständnis mitbringen. »Zusätzlich bedarf es hoher Belastbarkeit und der Fähigkeit, mit Stress umgehen zu können, denn zu den Order-Phasen ist die Auftragslage extrem hoch«, verrät Weiler. Als überwiegendes Argument, sich für den Modeeinkauf zu entscheiden, spricht aber die Möglichkeit, das Warensortiment mitzugestalten und den Erfolg der Entscheidungen direkt am Kunden zu sehen. Ein Traum für alle Modefans, die auch gerne mit Zahlen jonglieren!

Wirtschaftswissenschafter bei Ikea

Wer sich weniger für neue Kollektionen und Modemessen begeistert, kann dennoch eine Perspektive im Einzelhandel finden. Vielleicht stehst du total auf Hotdogs und schwedische Spezialitäten und fühlst dich berufen, Kunden zu beraten? Prima, denn auch Ikea hat viele Einsatzmöglichkeiten für Wirtschaftswissenschaftler. Eine Position mit vielfältigem Aufgabenbereich hat zum Beispiel Kathrin Hüser inne. Hüser ist Teamleiterin Verkauf beim Ikea Einrichtungshaus in Dortmund und hat somit die Verantwortung für eine Abteilung. Seit Kurzem ist dies die Wohnzimmerabteilung. Nach ihrem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Mercator School of Management in Duisburg schnupperte Hüser durch ein Praktikum in der Personalabteilung in die Unternehmenskultur des schwedischen Möbelriesen hinein. »Nach sechs Monaten Praktikum bin ich als hausinterner Trainee im Verkauf eingestiegen und war bereits nach vier Monaten Einarbeitung für eine Abteilung verantwortlich. Diese habe ich mit der nötigen Unterstützung im Rücken geleitet«, erzählt Hüser. In ihre Rolle als Teamleiterin konnte sie also hineinwachsen, ihr Schwerpunkt im Studium, ›Dienstleistungsmanagement und Handel‹, hat sie aber ebenfalls gut auf die Themen des Arbeitsalltags vorbereitet. Ihr Aufgabenspektrum als Teamleiterin umfasst viele wirtschaftswissenschaftliche Teilbereiche, das beginnt bei Management allgemein und reicht bis zum Personalwesen. Insbesondere befasst sie sich mit der Verkaufssteuerung, analysiert Kennzahlen, wie zum Beispiel den Umsatz der Abteilungen und leitet anschließend Maßnahmen ein, um bestimmte Ziele zu erreichen. Daneben führt sie Bestellungen aus, arbeitet mit Schnittstellen zusammen, schreibt Einsatzpläne und kümmert sich um die Zeiterfassung von Arbeitsplänen. Natürlich stehen auch die Mitarbeiterführung und -entwicklung sowie die Ausbildung von Azubis im Vordergrund.

Dabei bereitet das Studium natürlich nicht auf alles im Berufsleben vor. »In Vielem wird man aber über die gemachte Erfahrung sicherer, gerade bei Themen, die Personalführung betreffen und die während des Studiums nur theoretisch betrachtet wurden«, berichtet Hüser. Dass sich ein großer Teil des Arbeitstages auf dem Salesfloor abspielt, macht den Job natürlich aufregend, kann aber auch herausfordernd sein. »Man kann wenig planen, da oft alles anders kommt und man schnell improvisieren muss. Gerade dann ist ein gutes Zeitmanagement und eine strukturierte Arbeitsweise von Vorteil«, erklärt Hüser. Für einen Job auf der Verkaufsfläche geeignet ist, wer keine Scheu vor Menschen hat und multitaskingfähig ist. »Vieles muss manchmal gleichzeitig geschehen, oft auch nebenbei am Beratungsstand. Demnach sollte man auf jeden Fall auch stressresistent sein«, fährt sie fort. In ihrer Position als Teamleiterin ist es darüber hinaus notwendig, gute Analysefähigkeiten, Verständnis für Zahlen und Menschenkenntnis mitzubringen. Natürlich sollte man auch Spaß an der Führung eines Teams sowie der Zusammenarbeit mit vielen Kollegen aus den verschiedensten Bereichen haben. Die Arbeit am Einzelhandel gefällt Hüser,  weil »sie sehr abwechslungsreich und kein Tag wie der andere ist. Man hat sehr viel Kontakt mit Menschen, sowohl zu Mitarbeitern als auch zu Kunden. Zudem sind Erfolge schon nach kurzer Zeit, zum Beispiel in Form von höheren Umsätzen, erkennbar«.
zitat kathrin falke karriere im einzelhandel

Arbeiten im Lebensmittelhandel

Bisher ging es um Klamotten und Möbel – zwei Konsumgüterbereiche, die viele Menschen gerne shoppen, wenn es Zeit und Finanzen zulassen. Was aber wirklich jeder einkaufen muss, sind Lebensmittel und genau darum kümmert sich Kathrin Falke als Trainee bei Penny. Ganz typisch für einen Trainee durchläuft sie verschiedene Abteilungen und lernt viele Facetten des Einzelhandels kennen. Falke wurde in Abteilungen in der Penny-Zentrale genauso eingesetzt wie im Vertrieb oder in den Filialen selbst.

»Innerhalb meines Traineeprogramms waren auch verschiedene Einsätze in der Region vorgesehen, wie zum Beispiel die Begleitung von Verkaufs- und Bezirksleitern oder der Markteinsatz. Ich hatte zwei Markteinsätze für jeweils eine Woche in zwei unterschiedlichen Märkten«, berichtet Falke, die nach ihrem Bachelor in Wirtschaftswissenschaften noch einen Master in Business Administration mit dem Schwerpunkt Marketing absolviert hat.

Bei ihren Einsätzen hat die 27-Jährige den Marktleiter bei all seinen Aufgaben von der Warenannahme über die Warenbestellung bis hin zu Kassenabrechnungen begleitet und unterstützt. Wie im Einzelhandel üblich, ist es wichtig, den Überblick über die vielschichtigen Aufgaben zu behalten. »Wer im Einzelhandel arbeiten möchte, sollte vor allem ein Gespür für Kundenwünsche oder -bedürfnisse mitbringen. Dazu zählt auch, dass man immer offen und freundlich mit den Kunden umgeht«, beschreibt die 27-Jährige. Sie nennt als Anforderung außerdem, darauf zu achten, dass die Ware permanent ansprechend präsentiert wird. Ihre Zielabteilung ist jedoch das Eigenmarken-Management. In diesem Bereich wird sie für die Entwicklung von Strategien, Analyse der Eigenmarkenperformance und die Führung der Designagenturen zuständig sein. Nicht zuletzt übernimmt sie aber auch kreative Aufgaben wie die Entwicklung des Verpackungsdesigns.

Ob Ausland oder Nachwuchsförderung – der Einzelhandel lässt nichts vermissen. Die vielen Möglichkeiten machen ihn als Arbeitgeber attraktiv. Ebenso wie die Tatsache, den Erfolg seiner Entscheidungen direkt sehen beziehungsweise ablesen zu können, wie die Nachwuchskräfte bestätigen. Egal, in welchem Bereich des Einzelhandels man arbeitet und welche Position man inne hat, eines haben die Mitarbeiter gemeinsam: Wer sich mit Begeisterung und Eigeninitiative engagiert, hat im Einzelhandel die Möglichkeit, sich beruflich schnell weiterzuentwickeln. 


Anzeige

Anzeige