Kind das viel zu große Schuhe versucht zu tragen

Karriere in der Textilbranche

In der Textilbranche machen nicht nur Kleider Leute, hier ist auch wirtschaftliches Fachwissen gefragt

Schicke Sandalen im Sommer, warme Schals im Winter, geblümte Kleidchen im Frühjahr und wasserfeste Windjacken im Herbst – viermal jährlich werden die Regale in den Bekleidungsgeschäften für uns mit neuer Saisonware aufgefüllt, damit wir auch alle immer ›perfekt gestylt‹ sein können. Hinter den voll gefüllten Regalen, die uns mehrmals im Jahr eine neue Kollektion präsentieren, steckt natürlich ein riesiger, logistischer Aufwand – und, unter anderen, einer der Jobs, die Absolventen der Wirtschaftswissenschaften in der Textilbranche ergattern können.

Hinter den Kulissen arbeiten

»Als Store-Manager muss man natürlich den Kunden im Fokus haben und das Store-Sortiment für ihn attraktiv gestalten – das ist der kreative Part – hinzu kommt aber auch noch Personalverantwortung für die Führung eines kleinen Teams und ein Fokus auf das zahlenlastige Wirtschaftliche. Das ist eine sehr vielseitige Aufgabe«, beschreibt Cathrin Classen den Job des Store-Managers bei Brax, einer Marke des Bekleidungsherstellers Leineweber GmbH & Co. KG aus Herford.

Als Personalleiterin für den Bereich Retail ist sie, in Abstimmung mit Herrn Hetberg, Geschäftsleiter des Bereichs Personal, verantwortlich für die Betreuung der Mitarbeiter im Store und weiß genau, wie der Arbeitsalltag ihres Teams abläuft. Sie persönlich schätzt an ihrer Arbeit besonders »die Kombination aus Officearbeit und Store-Reisen, um die Leute vor Ort zu erleben, Gespräche zu führen und Menschen kennenzulernen.« Spannend macht die Branche aber nicht nur der Kontakt zu Menschen – seien es jetzt Kunden oder Mitarbeiter –, sondern auch die Vielseitigkeit und die Möglichkeit, die eigene Kreativität zu verwirklichen. Dieser Auffassung ist auch Dirk Wefing, Director of Human Resources bei der Gerry Weber International AG, dem international agierenden Mode- und Lifestyleunternehmen aus Halle/Westfalen: »Als wirtschaftswissenschaftlicher Absolvent kann man sich sicher in jeder Branche zurechtfinden, aber die Modebranche ist ein echtes Highlight, weil sie gute Jobs bietet, aber auch ein schönes Produkt und die Arbeit im Umfeld einer tollen Marke.« Der 47-jährige selbst kam über die Umwelt- und Automobilbranche zu Gerry Weber.

Generalisten sind willkommen

Ganz allgemein ist Produktnähe in der Textilbranche natürlich wichtig – gerade Mitarbeiter im Vertrieb oder Marketing müssen das Markenkonzept wirklich verstanden haben, betont er. Cathrin Classen kann das bestätigen: »Man muss sich wirklich mit der Marke identifizieren können. Unsere Mitarbeiter sollen die Ware gerne tragen – auch im Kundengespräch.« Nicht nur produktaffin sollten Absolventen sein, wenn sie sich für eine Karriere in der Modebranche interessieren. Wichtig ist Cathrin Classen vor allem, dass Bewerber mit ihrer Persönlichkeit und Sozialkompetenz überzeugen. »Fachkompetenz kann man im Zuge unserer Ausbildungsprogramme erlernen«, sagt sie. Auch Dirk Wefing ist davon überzeugt, dass Unternehmen und Absolvent einfach zusammenpassen müssen und fügt hinzu: »Erfolgreich kann man nur sein, wenn man seine eigenen Stärken in die Waagschale wirft.« Wer Leistungsbereitschaft, Flexibilität und Mobilität in die Waagschale legen kann, hat sicherlich gute Chancen. Denn »wenn Sie sich im Retail weiterentwickeln möchten, dann ist das nicht an einem Standort möglich«, erklärt Cathrin Classen, und auch bei Gerry Weber wird im kaufmännisch-generalistischen Traineeprogramm Wert auf Auslandseinsätze gelegt.

Auf dem Weg in eine spannende Zukunft

Auch in Zukunft wird die Textilbranche von ihren Bewerbern Flexibilität fordern. Nicht nur der Trend zur Nachhaltigkeit wird anhalten, auch die logistische Kette wird immer komplexer werden, erklärt Dirk Wefing. Sämtliche Prozesse nachhaltig zu gestalten, ist eine Herausforderung, der sich die Unternehmen in Zukunft stellen müssen. Gleichzeitig wird es immer wichtiger, »schneller Trends an den Point of Sale zu bringen«, betont der Personalchef. Auch Cathrin Classen weiß um die sinkende Markentreue. »Service wird das entscheidende Kriterium sein«, ist sie überzeugt und betont deshalb noch einmal, wie wichtig es ist, dass Einsteiger in die Branche Freundlichkeit, Herzlichkeit und Affinität für den Kunden mitbringen sowie gut im Team arbeiten: »Hier geht es nicht um Einzelkämpfer.« Auch Dirk Wefing ist sich sicher: Wer eine gewisse Authentizität und das Wissen um die eigenen Stärken mitbringt, der kann in der Branche gut Fuß fassen – in Schuhen der neuen Kollektion versteht sich.


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