Logistik
Logistik AllzweckJack/ Quelle:PHOTOCASE

Sie sind die Warenhelden

Im Haushalt läuft nichts ohne Kühlschrank, Waschmaschine und Co. Die Logistik dahinter wird von Wiwis durchorganisiert

Heute hat fast jeder mit Stress zu kämpfen. Nicht nur die Arbeit und das Studium fordern die Menschheit heute, sondern auch der Haushalt. Freilich nur diejenigen, die sich keine Putzfrau leisten können. Diese armen Seelen müssen tatsächlich noch selber ran und eigenhändig das Geschirr spülen oder Wäsche waschen. Wobei sich das ›eigenhändig‹ lediglich darauf beschränkt, die jeweiligen Maschinen ein- und dann wieder auszuräumen. Während selbst diese Tätigkeiten die Work-Life-Balance so mancher Zeitgenossen empfindlichst aus dem Gleichgewicht bringt, sollte am Rande darauf hingewiesen werden, dass früher nicht wirklich alles besser war. Wie ungemütlich alleine ist schon diese Vorstellung, dass man sich auch heute noch zum Fluss aufmachen muss, um die Wäsche dort zu waschen? Eben.

Letztlich ist die schwerste Arbeit damit verbunden, die Waschmaschine und Spülmaschine in die Wohnung tragen und anschließen zu lassen. Ist dieser Service nicht im Lieferumfang vorhanden, dann stehen die Geräte auf jeden Fall jederzeit im Elektromarkt zur Abholung bereit – denn ist beispielsweise der Kühlschrank oder die Tiefkühltruhe kaputt, muss innerhalb weniger Stunden ein Ersatz her. Norbert Haile spricht hier von »Warendruck«. Der Diplom-Betriebswirt ist als ›Leiter Beschaffungslogistik Hausgeräte‹ bei Liebherr tätig:

»Ich bilde die Schnittstelle zwischen strategischem Einkauf und den Produktionsabteilungen. Dabei unterstütze ich beispielsweise in Fragen zu Incoterms, kümmere mich um Transport und Lagerhaltung, um die Koordination der Werksverkehre sowie Ausschreibungen von benötigten Dienstleistungen wie Transport oder Kommissionierung.«

Mit Incoterms meint der 34-Jährige die ›International Commercial Terms‹, freiwillige Regeln zur Auslegung handelsüblicher Vertragsformeln im internationalen Warenhandel.

Aufgrund der fortschreitenden Globalisierung werden seine Aufgaben vorallem eines: nicht weniger:

»Die Vertriebs- und Beschaffungswege werden länger und Themen wie Verzollung, Ausfuhrnachweise und Herkunftsbescheinigungen spielen eine immer größere Rolle. Entsprechend erhöht sich auch der Aufwand in der Dokumentation gegenüber den Behörden«, erklärt Haile.

Gut beschäftigt ist auch Andreas Wojtanowitsch, Leiter des Kompetenzzentrums für logistische Prozesse und Systeme in der Distributionslogistik bei Miele. Der 38-Jährige, der bei dem Gütersloher Hausgerätehersteller als Trainee eingestiegen ist, entwickelt nicht nur Logistikstrategien für Fertigwaren und Ersatzteile für Europa und Übersee, plant und leitet Logistikprojekte und ist für das Controlling der nationalen und internationalen Logistikkosten und -strukturen zuständig. Zu seinen Aufgaben zählt darüber hinaus die effektive und effiziente Gestaltung der Geschäftsprozesse in der Distributionslogistik.
 

Logistik: ein abwechslungsreicher Bereich

Vielfältige Aufgaben, denen ebensolche Herausforderungen gegenüberstehen. Haile von Liebherr beschreibt in diesem Zusammenhang, dass auch Themen wie Buchhaltung, Disposition, Transport, Lager und eine optimale Produktionsversorgung berücksichtigt und mit den Fachabteilungen koordiniert werden müsse. Wojtanowitsch verweist hier auf die zunehmende Internationalisierung der Beschaffungs-, Produktions- und Distributionsnetzwerke sowie die steigende Komplexität entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Hinzu komme die ganzheitliche Betrachtung der Geschäftsprozesse von Anfang bis Ende sowie die Entwicklung logistischer Lösungen unter Berücksichtigung rechtlicher, wirtschaftlicher, technischer und sozialer Aspekte. Dabei dürfen aber auch die Wünsche und Anforderungen der Kunden nicht zu kurz kommen. Es reicht schon lange nicht mehr, dass eine Waschmaschine die Wäsche sauber wäscht oder der Backofen über eine Umluft- und Grillfunktion verfügt:

»In den letzten Jahren hat es enorme Entwicklungen im Bereich der Hausgeräte gegeben«, erklärt Werner Scholz, Geschäftsführer Fachverbände Elektro-Haushalt-Großgeräte, Elektro-Haushalt-Kleingeräte sowie Elektro-Hauswärmetechnik beim Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI).

Nach wie vor spiele der Energieverbrauch eine große Rolle wenngleich die Fortschritte kleiner werden würden. Hinzu kommt der Wunsch nach Komfort: »Das Hausgerät soll einfach zu bedienen sein und eine hohe Funktionalität aufweisen. Außerdem geht der Trend Richtung Vernetzung«, sagt Scholz und verweist auf das Stichwort ›Smart Home‹: Kühlschränke, die sagen, was ihnen fehlt, Waschmaschinen, die darauf aufmerksam machen, wenn etwas nicht mehr rund läuft und ein Hausgerätebesitzer, der dies über sein Smartphone steuern kann. Vieles davon stehe in den Startlöchern oder wäre bereits erhältlich, so Scholz, dieses Thema werde sich auf jeden Fall durchsetzen.

Davon überzeugt ist auch Wojtanowitsch von Miele:

»Die Digitalisierung wird die Zukunft der Logistik maßgeblich mitbestimmen. Dies reicht von der Automatisierung der Absatzplanung bis zur Integration von Systemen, Prozessen und Beteiligten über alle Stufen der Wertschöpfungskette. Der Kunde wird dafür vom Auftrag bis zur Auslieferung eine weitgehende Transparenz haben, während diese immer effizienter und flexibler auf die Marktanforderungen reagieren kann.«

Doch führt nicht nur die zunehmende Digitalisierung zu einem Wandel im Bereich des Handels und der Logistik. Wojtanowitsch weist auf eine Zunahme sowohl der Handelskonzentration als auch des Direktvertriebs hin – mit der Folge, dass die Erwartungshaltung der verschiedenen Kundengruppen, der Umfang der logistischen Dienstleistungen und der Abstimmungsbedarf steigen werden.
 

Logistiker sind kundenorientiert

Unternehmen, die diese Erwartungen erfüllen können und sich nach den Wünschen ihrer Kunden richten, können mit steigenden Umsätzen rechnen, einmal abgesehen davon, dass sich der Hausgeräte-Markt seit acht Jahren auf einem steten Wachstumskurs befindet. Einerseits liegt das an den positiven konjunkturellen Rahmendaten und der geringen Arbeitslosigkeit. Auf der anderen Seite spiele der Branche auch das gute Immobilienumfeld in die Hände, so Scholz vom ZVEI, denn neue Wohnungen und Häuser benötigen neue Küchen und dementsprechend auch Hausgeräte. Hinzu kommt, dass rund zwei Drittel der in Deutschland produzierten Geräte exportiert werden.

Es sieht also gut aus und wer überlegt, in dieser Branche Fuß zu fassen, sollte neben den betriebswirtschaftlichen Grundlagen ein hohes Maß an Pragmatismus mitbringen:

»Denn für viele Problemstellungen gilt, dass die einfachsten Lösungen oftmals die besten sind«, erklärt Haile von Liebherr.

Darüber hinaus sei Organisationstalent und die Motivation gefragt, über den Tellerrand blicken zu wollen. Wojtanowitsch fügt hinzu, dass Einsteiger sehr gute analytische und konzeptionelle Fähigkeiten, ein hohes Maß an Selbstständigkeit und Zielorientierung sowie Spaß an komplexen Zusammenhängen und neuen Aufgaben mitbringen sollten. Es gibt viel zu tun, schließlich möchte der Mensch in gewissen Bereichen des Haushaltes immer weniger tun müssen. Im stark international geprägten Branchenumfeld sind außerdem die Kommunikationsfähigkeiten und die Sprachkenntnisse von großer Bedeutung. 


Anzeige

Anzeige