Mini-Einkaufswagen vor einem Supermarkt-Kühlregal.
(c) Alexas_Fotos/pixabay

Trends im Handel: Konsequenzen für Einsteiger

Was sind die neuesten Trends in der Handelsbranche? Und was bedeuten sie für Berufseinsteiger?

Die Zeiten, als der Kunde einfach im Geschäft seine Waren aussuchte und an der Kasse sein Geld auf die Theke legte, sind vorbei. Die Handelsbranche entwickelt sich stetig weiter und sieht sich neuen Trends gegenüber. Eine der wichtigsten Entwicklungen der vergangenen Jahre ist sicherlich das Thema Digitalisierung. »Das gilt nicht nur für den Online-Handel. Digitale Prozesse sind auch im stationären Handel angekommen«, berichtet Katharina Weinert, Abteilungsleiterin Bildungspolitik und Berufsbildung beim Handelsverband Deutschland (HDE).

Digitale Preisschilder, die etwa Zusatzinformationen zum Produkt enthalten, sind nur ein Beispiel. Das andere ist Big Data: Unmengen von Daten. »Zum einen erhalten wir viele Produkt- und Lieferdaten, zum anderen natürlich Informationen über das Kaufverhalten unserer Kunden“, erklärt Alicja Dauer, beim Onlinehändler Otto im Recruiting für das Talent Sourcing Management zuständig. »Über die Daten zu verfügen ist nicht alles – sie müssen auch sinnvoll ausgewertet und genutzt werden.«

Dafür sind im Unternehmen eher Informatiker als Wirtschaftswissenschaftler zuständig, aber Letztere arbeiten oft an Schnittstellen, etwa im Marketing oder in der Logistik, und müssen entscheiden, welche Daten für sie wichtig sind, etwa zur Planung von Imagekampagnen oder für die Optimierung der Lagerbestände. »Für das Marketing ist zudem der Trend Personalisierung sehr wichtig«, sagt Alicja Dauer weiter. »Mithilfe von intelligenter Datenauswertung können wir Kunden gezielt Produkte präsentieren, die für sie interessant sind.« Hier ist auch das Thema Künstliche Intelligenz gefragt: Selbstlernende Systeme, die Kundendaten eigenständig verknüpfen und Schlüsse ziehen.

Neue Trends bemerkt auch der Lebensmittelkonzern Edeka. »Zum technologischen Fortschritt unserer Branche gehört unter anderem eine neue Art der Kundenansprache, etwa über Social Media, App und Kundenkarte, oder auch der Bereich E-Commerce«, sagt Rolf Lange, Leiter der Unternehmenskommunikation. »Die Umsetzung dieser und anderer Trends haben Auswirkungen auf nahezu alle Berufsfelder: Im Marketing zum Beispiel sprechen wir unsere Kunden im Rahmen einer 360-Grad-Kommunikation an und treten mit ihnen in den Dialog.«

Zur Rundum-Ansprache gehören der stationäre Einzelhandel und der Handzettel, aber auch Online-Kanäle wie die Website oder soziale Medien. »Einkäufer stehen nicht mehr nur vor der Herausforderung, das beste Produkt zum besten Preis einzukaufen«, fährt Lange fort. »Sie übernehmen auch die Verantwortung für die gesamte Wertschöpfungskette und beschäftigen sich mit Themen wie Erzeugung, Nachhaltigkeit und ökologischem Fußabdruck.« Außer analytischen Fähigkeiten und kaufmännischem Denken sind von den Bewerbern insbesondere Kreativität, Innovations- und Experimentierfreude gefragt sowie die Lust, Dinge zu bewegen.

Katharina Weinert vom HDE nennt einen weiteren wichtigen Trend: die zunehmende Internationalisierung der Handelsbranche. »Viele Handelsunternehmen expandieren ins Ausland oder errichten dort Vertriebsstellen.« Hier sind vor allem Fremdsprachenkenntnisse und interkulturelle Kompetenz nötig. Gleichzeitig ist das Thema Regionalität im Kommen. »Das bedeutet, neue Lieferanten und Hersteller zu finden, die den Kundenbedürfnissen nach regionalen Produkten entsprechen.« Es bleibt also spannend im Handel – einer Branche, die sich beständig im Wandel befindet.

Welcher Studiengang qualifiziert für Führungspositionen in digitalen Geschäftsfeldern?

Ergebnisse einer Online-Befragung des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) und des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) unter spezialisierten Personalberatern im Jahr 2017:

  • Informatik
  • Wirtschaftsinformatik
  • BWL
  • Wirtschaftsingenieur
  • Marketing

Masterstudiengänge für den Handel:

  • E-Commerce, Fachhochschule Wedel
    www.fh-wedel.de
  • Globale Logistik, Frankfurt University of Applied Sciences www.fra-uas.de
  • Multichannel Trade Management in Textile Business, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg  www.haw-hamburg.de

Welche Fähigkeiten und Kenntnisse sind künftig im Handel gefragt?

Personaler erwarten von Bewerbern:

  • praktische Erfahrungen in Form von
  • Praktika oder Werkstudententätigkeiten
  • Gespür für die Wünsche der Kunden
  • gute Warenkenntnisse
  • IT-Kompetenzen
  • Ideenreichtum, Kreativität, Innovationskraft
  • analytische Fähigkeite
  • sicheres Auftreten
  • Spaß am Verhandeln

 

Zwei Experten verraten, wie Trends herkömmliche Jobs im Handel verändern

»Bislang war ich im Personal für ein Einrichtungshaus tätig, nun bereite ich die Kollegen im Unternehmen auf die Veränderungen im Bereich Multichannel vor. Kunden kaufen heute nicht mehr nur im Laden, sondern auch über unsere Website. Sie können sich Waren online oder im Geschäft bestellen und zu einem Einrichtungshaus oder nach Hause liefern lassen. Dadurch verändern sich die Aufgaben der Verkäufer, die nun mit ganz anderen Fragestellungen zu tun haben und mobile Anwendungen wie Apps oder unsere Website für die Beratung nutzen. Aber auch die Logistik und die Zentrale müssen sich umstellen. Meine Aufgabe ist es, durch Seminare und Trainings die Kollegen für den neuen Kunden und die neuen Verkaufskanäle fit zu machen. Wie können wir die Mitarbeiter, die bislang anderes gewohnt sind, mitnehmen? Wie können wir globale Multichannel-Strategien auf Deutschland übertragen? Mein Job ist durch die Digitalisierung weitaus schnelllebiger geworden, und ich ­arbeite unter anderem mit agilem Projektmanagement.«

Katrin Wedeking, Change and Implementation Manager im Multichannel
Transformation Programme, IKEA Deutschland

»Kunden wünschen sich immer schnellere und termingenauere Lieferungen, die sie ­zuverlässig in ihren Alltag einplanen können. Und sie legen, vor allem bei Lebensmitteln, mehr Wert auf regionale Produkte. Dafür haben wir bei Amazon den Bereich Prime Now eingeführt, bei dem ich nun als Marketing-Managerin arbeite. Ich koordiniere, wie wir für unsere Kunden die jeweiligen Angebote präsentieren und vermarkten. Angefangen habe ich als Online-Marketing- und Content-Managerin für Schmuck und Uhren. Wie ich mich auf die Veränderungen in meinem Job vorbereitet habe? Rollen und Aufgaben verändern sich ständig. Deshalb setze ich vor allem auf meine Flexibilität und auf übertragbare Kompetenzen, die sich auch in anderen Bereichen gut einsetzen lassen. Und ich suche aktiv den Austausch: Bevor wir Prime Now in Deutschland starteten, lief das Programm schon ein Jahr in Großbritannien. Die britischen Kollegen für vier Wochen zu begleiten und von deren Erfahrungen zu lernen, hat auf jeden Fall geholfen.«

Kathrin Schwab, Marketingmanagerin, Amazon


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