Frau mit Einkaufstaschen in den Händen
Handelkarriere, ja. Aber E-Commerce oder stationärer Handel?

Wettstreit E-Commerce vs. Stationärer Handel – Ein Blick auf die Handelsbranche

Du brennst für eine Handelskarriere. Aber wo Einsteigen – Stationär oder im E-Commerce? Wir haben beide Seiten unter die Lupe genommen

E-Commerce ist ein bisschen wie ein Update, dass eine alte, wohlbekannte Version – den stationären Handel – langsam verdrängt. Aber: Noch gibt es den stationären Handel, und ob das E-Commerce-Modell ihn vollständig ablösen wird, bleibt abzuwarten. Steht nun aber jeder, der seinen Karriereweg im Handel starten will, vor der Entscheidung: Old School oder New School? Nicht ganz. Auch wenn die Begrifflichkeiten es nahelegen, stationärer Handel vs. E-Commerce ist kein Battle wie zwischen East Coast und West Coast-Rappern der 1990er Jahre. Denn so unversöhnlich stehen sich die beiden Geschäftsfelder gar nicht gegenüber. Häufig betreiben Unternehmen parallel Online- und stationären Handel – Multi- oder Omnichannel-Strategie ist das Stichwort. Zudem unterscheiden sich die Betätigungsfelder für Wirtschaftswissenschaftler in beiden Bereichen nur bedingt. »Im Prinzip sind es die gleichen, aber anders interpretiert«, meint Martin Groß-Albenhausen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel. »Typische Aufgabenfelder sind etwa Marketing oder Category Management. Im E-Commerce sind diese allerdings eben extrem daten- und weniger warengetrieben«. Business Intelligence und Data Mining hätten hier eine viel größere Bedeutung, so der Handelsexperte weiter. Sogar Bereiche, hinter denen im ersten Moment kein Bezug zum stationären Handel vermutet wird, wie Shop-Management und Conversion-Optimierung, hätten in der Ladengestaltung ein Pendant – funktionierten aber eben ganz anders. Der Unterschied: »Jeden Tag können im E-Commerce andere kleine Schrauben gedreht und getestet werden. Wer also Mathe und Statistik mit Bravour absolviert hat, findet dort Herausforderungen. Auch die Logistik-Steuerung ist ein wichtiger Bereich, der nicht mit der im stationären Handel zu vergleichen ist«, so Groß-Albershausen.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal sieht Gundula Pabst, Leiterin HR Marketing und Rekrutierung von Galeria Kaufhof, im Kundenkontakt: »Während der Berater oder Verkäufer direkt mit den Kunden agiert, ist das bei einer Tätigkeit im Bereich E-Commerce nicht der Fall«. Hier stünden PC- und IT-Themen im Vordergrund. Einen internen Wettbewerb zwischen stationärem Geschäft und E-Commerce gäbe es aber nicht, so Pabst. Vielmehr setze das Unternehmen auf eine konsequente Verknüpfung des Filialnetzes mit dem Onlineshop – alle Verkaufskanäle werden bedient. Ein Trend, der sich in allen Handelssparten gleichermaßen ausbreitet. Schlichtweg auch als Reaktion auf die Tendenz der Konsumenten, in immer mehr Warengruppen kanalübergreifend einzukaufen. Auch im Lebensmitteleinzelhandel beginnt die Verschmelzung von stationärem und Onlinehandel. Kerstin Hastedt, Sprecherin der Edeka-Zentrale, unterscheidet deshalb nicht stringent in jene beiden Kategorien: »Es wird im Handel immer spezialisierte Job-Positionen geben – ganz unabhängig von der Frage Online- oder stationärer Handel.« Nachwuchskräfte in den Bereichen Logistik, Marketing und Wirtschaftsinformatik seien daher gefragt – egal, ob ›e-‹ oder stationär. 

Faktenwissen E-Commerce vs Stationärer Handel

  • Mitbringen für die Handelskarriere »Die Voraussetzungen für Bewerber im Online-Handel unterscheiden sich nicht grundsätzlich von denen des stationären Handels. Ein Gespür für die Wünsche der Kunden sowie gute Warenkenntnisse zählen zu den Grundlagen. Darüber hinaus steigen natürlich die Anforderungen an die IT-Kompetenzen, da viele Prozesse systemisch abgebildet werden. Außerdem sind Kreativität, Innovationskraft und eine gewisse Experimentierfreude wünschenswert.« Kerstin Hastedt, Sprecherin der Edeka-Zentrale
  • Betätigungsfelder für Wiwis im Handel
    • E-Commerce: zum Beispiel Texter, E-Mail Marketing Manager, SEO-Manager, Online Sales Manager, Product Owner, Frontend/ Scala Developer. 
    • Stationärer Handel: Die gesamte Führungslaufbahn: Verkäufer, Trainee, Abteilungsleiter, Geschäftsführung oder Personalorganisationsleitung einer Filiale.
  • Handelskompass für die Entscheidung: E-Commerce oder Stationär? »Absolventen sollten sich fragen, ob sie eher technikaffin beziehungsweise -begeistert sind oder ihnen der direkte Kontakt mit Menschen wichtiger ist. Vorerfahrungen durch Nebenjobs in der Gastronomie oder im Verkauf können ebenfalls richtungsweisend sein.«  Gundula Pabst, Leiterin HR Marketing und Rekrutierung Galeria Kaufhof

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