zusammengestelltes Karussel auf Transportwagen

Einstieg in die Logistikbranche

Die bringt's: Die Logistikbranche liefert ein riesiges Sortiment an Einstiegsmöglichkeiten.

Gründe, sich für einen Beruf in der Logistik zu entscheiden, gibt es sehr viele

Für Katharina Oehler beispielsweise bietet kaum ein anderer Bereich ein solch großes Themen- und Aufgabenspektrum: »Angefangen bei der Beschaffung von Rohstoffen und Produktkomponenten über die Produktion und den Distributionsprozess bis hin zur Entsorgungslogistik, spielt die optimale Planung und Steuerung von Prozessen in der gesamten Supply Chain ein wichtige Rolle.«

Die 26-Jährige, die als Logistikplanerin im Bereich Service & Organisation bei der Porsche Logistik GmbH, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, tätig ist, beschreibt, dass Logistik mehr ist als Transport, Umschlag und Lagerhaltung:

»Logistik ist omnipräsent: 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag.«

Lukas Mikolajczyk bringt noch weitere Aspekte ins Spiel:

»Die Logistik bietet ein facettenreiches Spektrum an wirtschaftlichen und technischen Herausforderungen. Sie ist zu einem essenziellen Bestandteil unserer modernen Volkswirtschaft geworden und ist das Rückgrat der heutigen und zukünftigen Weltwirtschaft.«

Mikolajczyk ist Projektleiter Entsorgungslogistik bei Lidl International und erklärt, dass dieser Bereich mit seinen Aufgabenfeldern zwar am Ende der Logistikkette stehe, aber dass er dabei als einziger konsequent sowohl ökologische als auch ökonomische Ziele verfolge.

»Jeden Tag mit logistischen Konzepten sinnvolle Lösungen zu finden und dabei gleichzeitig die Umwelt zu schonen, sind genau die Aspekte, warum ich mich ganz gezielt für die Entsorgungslogistik entschieden habe«, sagt der 29-Jährige, der nach seinem zweijährigen Traineeprogramm bei Lidl International eingestiegen ist.

Sein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens mit Schwerpunkt Transportwesen/Logistik hat ihn zwar auf seinen Job vorbereitet, jedoch hat Mikolajczyk schnell gemerkt, dass die Theorie nicht immer mit der gängigen Praxis konform geht:

»Gefragt ist mehr der Wille, analytisch und leistungsorientiert an Zielen zu arbeiten, zudem logistische Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen. Eine aufgeschlossene Persönlichkeit ist dabei ebenso entscheidend wie ein hohes Maß an Flexibilität sowie die Fähigkeit, sich und seine Stärken in jedem beliebigen Team einzubringen«, sagt der Projektleiter und beendet seine Aufzählung damit, dass aufgrund der stark internationalen Ausrichtung soziales und interkulturelles Verständnis unverzichtbar sind.  

Wer bereits während des Studiums weiß, in welchem Bereich und in welchem Unternehmen er tätig sein möchte, sollte sich mithilfe von Praktika schlau machen

Christian von Papen hat’s so gemacht und konnte dank seiner Vorerfahrungen durch verschiedene Praktika als auch durch seine spätere Abschlussarbeit profitieren. Heute arbeitet der Wirtschaftsingenieur, der mit Vertiefung auf Verkehrswesen/Verkehrstechnik an der TU Berlin studiert hat, als Supply Chain Analyst bei Hermes Transport Logistic. Als Student war er für ein paar Monate in Sydney, wo er sein Englisch richtig aufpolieren konnte:

»Besonders bei international ausgerichteten Projekten sind gute bis sehr gute Englischkenntnisse ein unbedingtes Muss«, sagt von Papen und führt weiter aus : »Wer heute in die Logistik einsteigen will, sollte außerdem eine schnelle Auffassungsgabe und ein hohes Maß an Flexibilität mitbringen. Schließlich ist die moderne Logistik einem ständigen Wandel ausgesetzt und muss sich gerade in Zeiten des Online-Handels immer wieder schnell auf neue Sachverhalte einstellen können.«

Außerdem schade auch eine analytisch geprägte Herangehensweise für den Einstieg nicht – vor allem wenn es um die Erstellung und Optimierung von Prozessen geht. Die individuellen Einstellungskriterien hängen dabei auch immer von den jeweiligen Jobs ab – welche inhaltlich manchmal nicht unterschiedlicher sein könnten. 

zitat christian von papen logistik
Von Papen beispielsweise ist im Business Development tätig und betreut vor allem eine von Hermes angebotene Online-Plattform, mit der die Kunden ihre Wertschöpfungskette optimieren und transparenter gestalten können. Dieses umfassende Projekt vereint eine Vielzahl verschiedener Tätigkeiten unter einem Dach:

»Mein Aufgabenbereich reicht derzeit vom Kundenmanagement über die Entwicklung von Vermarktungsmaterial bis hin zur kontinuierlichen Verbesserung der Plattform«, erläutert von Papen.

Katharina Oehler hingegen betreut als Logistikplanerin abteilungs- und bereichsübergreifende Projekte unterschiedlicher Art

»Eines meiner aktuellen Projekte beschäftigt sich mit der Einführung einer neuen Zertifizierung für Ersatzteile. In einem Projektteam erarbeiten wir dabei die Anforderungen, Voraussetzungen und Umsetzungsmaßnahmen, die zur Einführung und Umsetzung der Vorgaben zu zertifizierender Ersatzteile notwendig sind«, beschreibt Oehler und ergänzt, dass dabei besonders juristische Themen sowie die systemseitige Anbindung und Verarbeitung von Informationen zu beachten sind.

Auf Basis abgegrenzter und definierter Rahmenbedingungen sowie Soll-Anforderungen müssen die Prozesse modifiziert werden, damit ein reibungsloser Ablauf und die Versorgung mit Ersatzteilen sichergestellt werden können.

Anders hingegen sieht das Aufgabenspektrum von Sabrina Reinthaler aus, die als Consultant Kontraktlogistik tätig ist

Die 23-Jährige hat den praktischen Teil ihres dualen Studiums der Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Spedition, Transport und Logistik bereits bei Dachser absolviert. Heute beschäftigt sie sich hauptsächlich mit der Auswertung und Kontrolle produktions- und planungsrelevanter Kennzahlen sowie dem Monitoring von Key Performance Indicators (KPI),den sogenannten Leistungskennzahlen.

»Außerdem übernehme ich die Abrechnung unserer Großkunden im Bereich der Kontraktlogistik am Standort Gersthofen und betreue diese außerhalb des Tagesgeschäfts«, sagt Reinthaler, zu deren Aufgabengebiet auch die Kalkulationen von potenziellen Neuprojekten sowie die Nachkalkulation von Bestandskunden zählt.

Natürlich gibt es in ihrem Beruf einen gewissen Alltag, aber die Routine beschränkt sich auf einen sehr geringen Anteil. »Täglich warten neue Aufgaben auf mich, für die ich mir oft eine individuelle Lösung überlegen muss. Auf die Probleme der Kunden gibt es meist keine standardisierte Lösung, da wir für jeden Kunden speziell abgestimmte Prozesse im Lager umsetzen. Somit muss man sich meist individuelle Lösungskonzepte überlegen, was oft eine enge Zusammenarbeit mit dem Kunden nötig macht«, erklärt Reinthaler. Hier seien vor allem eine gewisse Sensibilität im gegenseitigen Umgang und der Kommunikation erforderlich.

Eine gewisse Sensibilität ist auch für Benjamin Siedhoff entscheidend, der als Project Manager für die Inverto AG tätig ist

Das Unternehmen ist eine auf Einkauf und Supply Chain Management spezialisierte Unternehmensberatung, bei der unter anderem die Optimierung von Logistikprozessen häufig Projektbestandteil ist: »Durch die fortschreitende Globalisierung und die sich stetig verändernden Marktsituationen unterliegen die logistischen Abläufe jedes Unternehmens einer ständigen Adaption an neue Gegebenheiten. Dies gilt es im Rahmen der Kundenprojekte unter den Aspekten Kosten, Qualität und Zeit zu prüfen«, führt der 31-Jährige aus und erklärt weiter, dass die Projekte sehr vielfältig sein können: Beschaffungskosten können reduziert, Transportwege über die Wahl eines anderen Transportmittels verkürzt oder Qualitätsmängel durch eine lückenlose Logistikkette vermieden werden. Um das Ganze anschaulicher zu gestalten, geht Siedhoff explizit auf ein Projekt ein: »Bei der Optimierung der Seefracht­importe aus Asien haben wir die Warenimporte auf zwei europäische Häfen aufgeteilt und den Transport in das Zentrallager auf mehrere Verkehrsträger umgestellt. Somit konnte die Transportkette durch zwei Zielhäfen flexibilisiert und die Kosten im Nachlauf reduziert werden«, erläutert der Logistikexperte. Hier kommt das Stichwort der Sensibilität wieder ins Spiel. Da die Logistikkette sehr komplex ist und viele ineinandergreifende und voneinander abhängige Abläufe umfasst, hat jeder neue Prozessschritt Auswirkungen auf das Gesamtkonstrukt. Dabei ist es entscheidend, vorauszuschauen und das große Ganze zu betrachten, damit nicht eine Optimierung in einem Bereich der Logistikkette zu einem Nachteil in einem anderen Bereich wird.

»Beispielsweise dürfen Kosteneinsparungen nicht zu einem reduzierten Service-Level, aber auch zeitoptimierte Prozesse nicht zu Bündelungsnachteilen und fragmentierten Anlieferungen führen«, erklärt Siedhoff. 

Zeit- und Kostenoptimierungen werden mit Blick auf die Zukunft wohl weiter Gestalt annehmen. Aber auch im Bereich der Ressourcen lässt sich einiges verbessern. Julian Schütz ist Projektkoordinator bei Daimler und arbeitet derzeit an der Einführung der Scannung von Wareneingangspapieren. Dies bedeutet, dass diese Papiere gesammelt und gescannt werden, damit die Mitarbeiter aus den verschiedenen Abteilungen Zugriff auf  die Daten haben, die auf dem Server hinterlegt sind.

»Somit ist der komplette Prozess effizienter gestaltet«, sagt Schütz, der Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Logistik und Controlling studiert hat.

Für ihn ist die Zukunft klar: Die Zukunft kommt dank fortschreitender Digitalisierung mit weniger Papier aus

»Das Ganze wird in der Logistik noch weitergetrieben. Es wird Projekte geben, in denen versucht wird, komplett auf Papier zu verzichten. Wir werden keine Anlieferungspapiere mehr brauchen – es wird alles über das Internet abgewickelt«, erklärt der Projektkoordinator.

Auch Lukas Mikolajczyk von Lidl International sieht die Logistik-Zukunft durch eine grüne Brille:

»Umweltschonende Logistikprozesse werden immer mehr an Bedeutung gewinnen. Um stets auf dem neuesten Stand zu sein, ist es für mich unverzichtbar, mich mit einschlägiger Fachliteratur zu befassen und aktuelle Wirtschaftstrends zu beobachten und zu beurteilen.«

Hinzu kommt, dass auch die Anforderungen der Kunden immer spezifischer und anspruchsvoller werden, wie Sabrina Reinthaler von Dachser die kommenden Herausforderungen sieht: »Die Logistik soll vor allem schneller und noch zuverlässiger werden und dabei gleichzeitig alle Kundenwünsche berücksichtigen.« Ständige Prozessoptimierung soll dabei die Kundenbindung erhöhen und die Zusammenarbeit mit den Kunden weiter vertiefen. 

Diese Zusammenarbeit geht zumeist über die Landesgrenzen weit hinaus

Ein Job in der Logistik ist oft auch international geprägt. Julian Schütz von Daimler hat bereits während seines eineinhalbjährigen Traineeprogramms an einem Projekt in den USA mitgearbeitet – aus den dort gesammelten Erfahrungen hat er viel über interkulturelle Zusammenarbeit gelernt. Auch bei Hermes geht es sehr international zu. Viele Ansprechpartner von Christian von Papen sitzen im Ausland, weshalb internationale Projekte und Abstimmungen zu seinem Tagesgeschäft gehören. Ebenso sind Dienstreisen ins Ausland sowie Meetings mit internationalen Partnern keine Seltenheit.
zitat katharina oehler logistik
Sabrina Reinthaler hingegen hat nur wenige Berührungspunkte mit internationalen Themen, da sie sich als Consultant Kontraktlogistik hauptsächlich mit der Logistik und Lagerhaltung befasst. Ob international oder auf Deutschland beschränkt, ob eine Tätigkeit als Consultant oder Projektleiter in der Ersatzteil- oder Produktlogistik – der Logistikbranche ist die Lieferantin vieler Einstiegsmöglichkeiten. Um den kleinen Logistik-›Rundumschlag‹ zu komplettieren, gibt es noch ein paar Aspekte, die zwar nicht zwangsläufig mit den beschriebenen Jobs in Verbindung zu bringen sind, aber dennoch dazugehören. So muss sich Katharina Oehler von der Porsche Logistik GmbH als Mitverantwortliche für Instandhaltungsmaßnahmen und die Beschaffung neuer Fahrzeuge für den innerbetrieblichen Transport mit den technischen Anforderungen und IT-Systemen auseinandersetzen: »Für mich als Betriebswirtin war dies zu Anfang meiner Tätigkeit absolutes Neuland.« Benjamin Siedhoff von der Inverto AG erklärt, dass es für das Verständnis der logistischen Prozesse und deren Leistungsbewertung erforderlich ist, die zahlentechnischen Zusammenhänge zu verstehen, da die Optimierung logistischer Abläufe stark zahlengetrieben ist – sei es der Füllgrad eines Containers, die maximale Palettenhöhe oder die Pickanzahl je Stunde.

Noch vermeintlich ›fachfremder‹ geht es für Christian von Papen zu:

»Wir arbeiten eng mit den Kollegen aus dem Verkauf zusammen, sowohl in der Neukundenakquise als auch auf Fachmessen. Eine so starke Verzahnung ist sonst eher selten«, sagt von Papen und legt sogleich die Erklärung hinterher: »Der Vorteil liegt auf der Hand: Abgesehen davon, dass wir die Kollegen bereits bei der Erstellung von Konzepten und Präsentationen fachlich unterstützen, sind wir in vielen Fällen auch bei Neukundenterminen vor Ort, um dem Auditorium fachlich Rede und Antwort zu stehen.«

Somit können dringende Fragen oftmals sofort geklärt werden. Womit Julian Schütz nicht gerechnet hatte, war, dass auch er Rede und Antwort stehen muss. Bei der Umsetzung seines aktuellen Projekts der elektronischen Archivierung lautet ein Aufgabenpunkt ›Schulung der Mitarbeiter‹. Aber so richtig handfest wird’s bei Projektleiter Entsorgungslogistik Lukas Mikolajczyk:

»Um sich einen Überblick über die anfallenden Wertstoffe in unseren Filialen zu verschaffen, kann es schon mal vorkommen, dass man zu Testzwecken Abfälle sortieren muss.«


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