Handel & Logistik: Supply Chain Management

Supply Chain Manager haben alles im Blick und sorgen für einen reibungslosen Ablauf von Lieferketten.

Mit logistischen Überlegungen beschäftigten sich schon die alten Ägypter:

Für den Bau ihrer Pyramiden mussten tonnenschwere Blöcke von den Steinbrüchen über den Nil bis zu den Baustellen transportiert werden. Allein für die Cheops-Pyramide, mit ursprünglich 146 Metern die höchste von allen und damit nur etwas kleiner als der Kölner Dom, waren schätzungsweise mehr als zwei Millionen solcher Steine nötig.

Welch großer Organisationsaufwand und welche hoch entwickelten Transport- und Arbeitsmittel dahinter steckten – das ist für die damalige Zeit beachtlich und vielen Historikern ein echtes Rätsel. Heute, knapp 5.000 Jahre später, sind die Lieferketten in vielen Bereichen noch erheblich komplexer. Durch die stete Entwicklung neuer Prozesse und Technologien werden diese Aufgaben lösbar – und zum Gegenstand des Arbeitsbereichs Logistik. Eine Erweiterung des Logistik-Begriffs ist der Ausdruck ›Supply Chain Management‹ (SCM), der seit den späten 1980er Jahren verwendet wird. Er beschreibt im Unterschied zu Logistik die gesamte Lieferkette aus Gütern und Informationen, die vom Rohstofflieferanten bis zum Endverbraucher reicht. Hierbei können auch andere Bereiche der Betriebswirtschaftlehre wie Produktion, Controlling oder Marketing eine Rolle spielen. Und da Geschäftsaktivitäten von Unternehmen zunehmend auf dem globalisierten Markt stattfinden, müssen sowohl firmeninterne als auch -übergreifende Prozesse einbezogen werden.

Die Perspektiven für Betriebswirtschaftler in den Bereichen SCM und Logistik könnten besser kaum sein

Unternehmen, die hier ihre Tätigkeitsschwerpunkte haben, äußerten sich in einer Mitgliederumfrage der Bundesvereinigung Logistik (BVL) sehr optimistisch: Fast 90 Prozent gaben an, dass sich die Branche im Wachstum befindet. Über 50 Prozent planen daher, im kommenden Jahr Personal einzustellen. Und in den meisten Fällen bekommen die Mitarbeiter auch etwas geboten: Die Weiterbildungsmöglichkeiten liegen bei fast 70 Prozent der Unternehmen über dem bundesweiten Durchschnitt. Die Lohnentwicklung kann sich ebenfalls sehen lassen: In 82 Prozent der Betriebe sind die Gehälter in den letzten fünf Jahren gestiegen, und auch für das kommende Jahr rechnet die Mehrheit (51 Prozent) mit einer Steigerung von mehr als drei Prozent. Bewerbern, die in dieser Branche ihre Zukunft sehen, kommt auch der Fachkräftemangel zugute: Nach IT-Fachleuten (21,5 Prozent) sind Betriebswirte und Ingenieure die Experten, die am meisten gesucht werden (jeweils 17,5 Prozent).

Arbeitsmöglichkeiten im Bereich SCM ergeben sich überall dort, wo komplexe Lieferketten zu beherrschen sind. Bei der ThyssenKrupp VDM GmbH, einer Tochter der Thyssen-Krupp AG, werden Hochleistungswerkstoffe wie Nickellegierungen, Sonderedelstähle sowie vorgefertigte Rohmaterialien aus Zirkonium und Titan gefertigt. Die Hauptkunden kommen aus den Branchen Anlagenbau, Energiegewinnung, Öl und Gas, Elektro- und Elektronikindustrie sowie aus der Automobil- und Luftfahrtindustrie. Marcell Sehner ist seit 2001 bei ThyssenKrupp VDM tätig und seit 2009 verantwortlich für den Auf- und Ausbau des SCM.

»Mein Bereich nimmt eine operative Querschnittsfunktion vom Vertrieb bis zur Produktion mit Schnittstellen zu den Zentralbereichen wahr. Dadurch haben wir eine kontinuierliche Gesamtsicht über das Geschehen im Unternehmen«, sagt der 42-Jährige.

Zu den typischen Aufgaben in seiner Abteilung gehöre es unter anderem, die Verfügbarkeit der Materialien für die Fertigung sicherzustellen und die Produktion über alle Fertigungsstufen hinweg zu planen. Auch das Bestandsmanagement und der Versand an die Kunden laufen über das SCM. Ein wichtiger Aufgabenbereich sei außerdem, die aktuelle Vertriebsprognose mit den Produktionskapazitäten abzugleichen. Moderne Planungssysteme sollen in Zukunft helfen, all diese Prozesse zu optimieren:

»Eine besondere Herausforderung für uns ist es hierbei, das komplexe Produktionsnetzwerk des Unternehmens abzubilden und – wenn nötig – überholte Verfahrensweisen zu identifizieren und zu verändern«, so Marcell Sehner.

Auch Schaeffler ist auf maßgeschneiderte Logistiklösungen angewiesen. Ein Geschäftsbereich des Automobil- und Industriezulieferers sind Nadellager, die im Getriebe von Maschinen eingesetzt werden. Für das SCM der Produktlinie Lauf-, Stütz- und Kurvenrollen ist Thomas Batari verantwortlich. Als ›Spezialist Supply Chain Management‹ kümmert auch er sich unter anderem darum, den aktuellen Kundenbedarf mit der vorhandenen Fertigungskapazität abzustimmen: Bedarfskapazitätenabgleich, kurz BKA, lautet der sperrige Fachbegriff hierfür.

»Meine Aufgabe ist es, bei Überkapazitäten eine unnötige Fertigung zu verhindern und bei eventuellen Fertigungs- oder Lieferengpässen Mengen und Termine zu priorisieren«, so Batari. Letzteres kann passieren, wenn eine Maschine ausfällt. In diesem Fall ist der 33-Jährige gefordert, die negativen Auswirkungen für Schaeffler so gering wie möglich zu halten: »Dabei kann ich durch Vermitteln zwischen Produktion und Vertrieb häufig für alle Beteiligten noch das Beste herausholen.« 

Für den Handelsdienstleister Hermes gehört SCM zum operativen Geschäft

Max Niclas Bense verantwortet als Business Development Manager bei der Hermes Europe GmbH das Thema auf internationaler Ebene. Dabei befasst er sich schwerpunktmäßig mit dem Vertrieb und Verkauf von Supply-Chain- und E-Commerce-Lösungen.

»Bei meiner Arbeit geht es darum, dem Kunden ein effizientes SCM im eigenen Unternehmen zu ermöglichen, das genau auf seine Anforderungen zugeschnitten ist«, sagt der 32-Jährige, der vor seiner jetzigen Position drei Jahre lang als Key Account Manager bei Hermes tätig war.

Sein Aufgabenbereich beinhaltet heute das Einführen der Marke Hermes in Form von Presse- und Marketingarbeit in den verschiedenen globalen Märkten, die Ansprache von potenziellen Kunden sowie die Angebotsgestaltung für angefragte Dienstleistungen entlang der Lieferkette. »Typische Supply-Chain-Projekte verlaufen zum Beispiel von der Produktbeschaffung in Asien über den Einkauf und die Steuerung von Luftfracht- oder Seefrachttransporten bis hin zur Lagerung und Feindistribution in Europa«, so Bense.

»Die Bearbeitung solcher Projekte ist spannend und macht den Reiz meines Arbeitsalltags aus.« 

Ein Stichwort, das gerade bei der Beschäftigung mit Transportlösungen und daher auch mit der Frage nach CO2-Reduzierung immer wieder fällt: Nachhaltigkeit. Diese äußert sich bei Hermes nach Angaben des Managers zum Beispiel durch ein modernes Flottenmanagement mit elektrischen Antrieben. Ebenso steht die Bündelung von Lieferwegen für ökologisch sinnvolles und nachhaltiges Handeln.

»Hiermit lassen sich im Vergleich zu der konventionellen Paketzustellung oder der Retourenabholung an der Haustür etwa 30 Prozent CO2 vermeiden«, so Bense. »Diese Überlegungen und Maßnahmen im Sinne der Nachhaltigkeit sind traditionell fest in der Supply Chain verankert und werden kontinuierlich ausgebaut.«

Auf wirtschaftlicher Ebene sollte sich nachhaltiges SCM ebenfalls bemerkbar machen. Thomas Batari von Schaeffler bestätigt das: »Eine optimal abgestimmte Fertigung hilft zum Beispiel, Sonderfahrten bei Engpässen oder auch die Verschwendung von Ressourcen zu vermeiden, und ist damit entscheidend für eine erfolgreiche Positionierung des Unternehmens im Wettbewerb.« 


Anzeige

Anzeige