Mann kämpft sich durch Stahlkonstrukt

Vernetzte Welt: Logistiker

In der Logistik sorgen Wirtschaftswissenschaftler für reibungslose Prozesse

Rund 10.000 Seeschiffe kommen jedes Jahr im Hamburger Hafen an. Sie kommen beispielsweise aus Asien, Afrika, Südamerika oder Australien und bringen uns etwa Bananen aus Costa Rica, Seide aus Indien und Holz aus Thailand. Die Welt ist vernetzt und die Globalisierung schreitet voran, wo könnte man das besser sehen als in der Logistik:

»Globalisierung erlebt man in der Logistik jeden Tag hautnah, das kann nicht jede Branche bieten«, bestätigt Franziska Mohr.

Die BWLerin ist Projektmanagerin Integrated Logistics beim Logistikdienstleister Kühne + Nagel. Dort kümmert sie sich als klassische BWL-Generalistin um das laufende Geschäft sowie die Koordinierung von internen Projekten und entwickelt strategische Themen.

Lieferketten vereinfachen, Kosten reduzieren, Service maximieren

Das Ziel ihrer Arbeit und der ihrer Kollegen ist es, die Lieferketten der Kunden durch ganzheitliche Lösungen zu vereinfachen, Kosten zu reduzieren und den Service zu maximieren. Manchmal ist es gar nicht so einfach, alle Faktoren zu einem funktionierenden Ganzen zusammenzubringen: »Man stelle sich nur mal eine globale Lieferkette über mehrere Kontinente hinweg vor, da wird man mit vielen verschiedenen Anforderungen konfrontiert«, ergänzt die 23-Jährige. Besonders die Zusammenarbeit mit verschiedenen Kulturen ist hierbei spannend, hierfür entwickele man aber mit der Zeit ein gutes Verständnis. Dafür bietet die Branche aber auch die Möglichkeit, die ganze Welt zu sehen und stets am Puls der Wirtschaft zu sein.

Immer am Puls der Zeit zu sein, bedeutet aber auch, sich immer wieder in neue Themen einarbeiten zu müssen – und das in kürzester Zeit. Das kann Lina Müller-Deile nur bestätigen. Die Projektleiterin Technik und Prozessplanung beim Paketzusteller Hermes kennt die Herausforderungen der Logistikbranche. Schließlich konnte sie während ihres 15-monatigen Traineeprogramms bei Hermes verschiedene Bereiche wie Logistikplanung, Integration & Services, European Network Center und Human Resources kennenlernen und unterstützen. Für ihre aktuelle Position braucht sie vor allem analytische und konzeptionelle Fähigkeiten, Strukturiertheit, Engagement, technisches Interesse und Verständnis. Kommunikationsstärke und Durchsetzungsvermögen sollte man auch mitbringen, schließlich müssen auch mal Interessenskonflikte gelöst werden. Außerdem wird in der Logistik häufig über Abteilungs- oder sogar Unternehmensgrenzen hinweg zusammengearbeitet, weiß Dr. Katharina Schaefer, Vorsitzende der Geschäftsführung der Bundesvereinigung Logistik (BVL). Daher werden soziale Kompetenzen groß geschrieben.

Auch Mohr von Kühne + Nagel weiß, wie wichtig es ist, gerne mit Menschen zusammenzuarbeiten:

»Nicht umsonst sagt man über unsere Branche ›It's a people's business‹.«

An Veränderungen mitwirken

In der Logistik arbeitet man immer im Team und jeder einzelne müsse durchaus die Aufgaben der anderen mitdenken, ergänzt Schaefer. Ganzheitliches und strategisches Denken sind daher unabdingbar. Ein wirtschaftswissenschaftliches Studium bereitet auf diese Aufgaben durchaus gut vor. Studienschwerpunkte in Logistik und Supply Chain Management sind natürlich von Vorteil. Erste praktische Erfahrung schadet auch nie, denn gesucht werden »Praktiker mit gutem analytischen Rüstzeug«, so die Expertin. Mohr von Kühne + Nagel profitiert heute noch von den Erfahrungen, die sie während verschiedener Praktika gesammelt hat. »Ohne die BWL-Grundfächer würde ich allerdings in meinem Job nicht weit kommen«, fügt die Projektmanagerin hinzu – die Mischung macht's.

Lina Müller-Deile von Hermes greift gerne auf ihr Hochschulwissen zurück und vertieft dieses bei Bedarf. Bei ihrer täglichen Arbeit – der Aufnahme, Analyse, Bewertung und Optimierung von Prozessen in enger Zusammenarbeit mit anderen Bereichen aus dem Innen- und Außendienst – hilft es durchaus, verschiedene Methoden, Modelle und Fördertechniken schon aus dem Studium zu kennen. Das Besondere für die 29-Jährige ist, dieses Wissen praxisorientiert anzuwenden sowie die Möglichkeit, etwa bei Prozessoptimierungen, einen direkten Erfolg sehen zu können. Das war mit ein Grund, warum Müller-Deile sich nach ihrem ›International Business and Management‹-Studium für eine Tätigkeit in der Logistik entschieden hat, denn dort »kann ich selbst Hand anlegen und an Veränderungen mitwirken«, schwärmt die Projektleiterin.

Ein hoher Praxisbezug und vielfältige Einsatzgebiete sowie facettenreiche Aufgaben zeichnen die Logistikbranche aus. Und zukunftsträchtig ist die Branche zudem, gewinnt sie doch immer größeren Stellenwert aufgrund der Globalisierung und der Entwicklungen im E-Commerce, fügt Müller-Deile hinzu. Franziska Mohr von Kühne + Nagel fügt hinzu:

»Ohne Logistik wären die allermeisten Unternehmen nicht fähig zu leisten. Ohne Know-how in diesem Bereich ist effizientes Arbeiten heutzutage kaum noch möglich. Unser Wissen hilft also Unternehmen, Synergien zu heben und sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren.« Die Projektmanagerin freut sich, dass sie mit ihrem BWL-Wissen dabei helfen kann, »dass Kunden ihre Waren so effizient wie möglich global produzieren und verkaufen können«.

Schaefer von der BVL kennt den hohen Stellenwert der Logistik für die Wirtschaft: »Die Logistik boomt – damit sind die Berufsaussichten außerordentlich gut.« Das sieht man zum Beispiel auch daran, dass bisher alle Studierenden der Hochschule für Internationale Wirtschaft, die Teil des BVL-Campus ist, ein Übernahmeangebot von einem Unternehmen bekommen haben. Natürlich muss sich jeder Einsteiger erst einmal in der Praxis bewähren. Und das ist manchmal gar nicht so einfach, schließlich steht man in der Logistikbranche jeden Tag vor neuen Herausforderungen:

»Deshalb muss man zum einen sehr strategisch und vorausschauend denken und neue Konzepte und Strategien entwickeln, zum anderen aber schnell pragmatische Lösungen finden können, wenn etwas – trotz guter strategischer Planung – mal nicht so läuft wie gedacht«, so die 39-Jährige.

Darüber hinaus kommen in der Logistik fast täglich neue Geschäftsfelder hinzu und das gelte sowohl für den klassischen Dienstleistungsbereich als auch für Logistiker, die in Handels- und Industrieunternehmen tätig sind, so die Expertin.

Klassische Tätigkeiten für Wirtschaftswissenschaftler in der Logistik finden sich in den Bereichen Finanzierung, Marketing, Controlling und Personal. Da die Logistikbranche international ausgerichtet ist, kommen auch Aufgaben aus dem Bereich Zoll und Außenwirtschaft hinzu. Im Handel und in der Industrie ist das Supply Chain Management eine wichtige Aufgabe, hierbei geht es darum, verschiedene Lieferanten optimal zu steuern und ihre Tätigkeit aufeinander abzustimmen. Das können Lieferanten von Autoteilen, Stoffen oder Lebensmitteln sein, schließlich ist Logistik nicht auf eine Kundengruppe und schon gar nicht auf ein Produkt beschränkt. Vielmehr kann es sich um verschiedene Güter, Personen, Geld, Informationen oder Energie handeln. Die Logistik ist breit aufgestellt, »schließlich spielt Logistik in jedem Unternehmen eine wichtige Rolle«, schließt Mohr von Kühne + Nagel.


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