Mann sitzt mit Sonnenbrille und Schirm am Boden

Marketing für Städtetourismus: Nachwuchs gesucht

Ideen gesucht: Städtetourismus boomt wie nie zuvor. Regionale Marketinggesellschaften suchen Nachwuchs, um sich von anderen Städten abzuheben.

Früher hieß Urlaub automatisch Strand oder Berge und das Überfahren oder -fliegen mindestens einer Landesgrenze

Mitleidig angeschaut wurden Schüler von ihren Klassenkameraden, wenn sie vom Urlaub im Schwarzwald oder an der Ostsee erzählt haben. Wie uncool! Die Zeiten, in denen sich Urlaub aber rein nach der größtmöglichen Distanz von der Heimat aus bemisst, sind lange vorbei. Der große, zwei- bis dreiwöchige Jahresurlaub wird sowieso immer seltener in Anspruch genommen. Viele kleine Reisen bestimmen den Urlaubsalltag der Deutschen – und der führt sie immer öfter in die hiesigen Städte. Kein Wunder also, dass städtische Marketinggesellschaften Hochkonjunktur haben – und akademischen Nachwuchs suchen.

Dr. Eva-Maria Illigen-Günther ist Geschäftsführerin der Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH, die die Rheinmetropole als internationale touristische Destination optimal positionieren und mit einem positiven Image vermarkten will. Doch nicht nur der Tourismus, der allein in Düsseldorf jährlich mehr als drei Milliarden Euro umsetzt, gehört zu den Aufgaben der Marketing-Chefin.

»Wir verfolgen auch das Ziel, Freizeit-, Business- und Messegästen einen perfekten Service zu bieten«, berichtet Illigen-Günther.

Wie wichtig der Messe- und Kongressmarkt für das Stadtmarketing ist, beweist die Kooperation ›The Meetropolis‹ zwischen Düsseldorf und Köln

»Mit diesem Konzept bündeln wir die attraktiven Angebote der beiden Städte und vermarkten uns auf dem globalen Kongressmarkt gemeinsam als eine Kongressregion, denn gerade Zielgruppen in Übersee nehmen die Region insgesamt und nicht die einzelnen Städte wahr. Die sonst üblichen klischeebehafteten Vorurteile beider Städte sind hierbei absolut kein Thema«, erzählt die Geschäftsführerin und berichtet von ihrem bislang spannendsten Projekt:

»Das war der Eurovision Song Contest 2011 (ESC). Die Gestaltung eines Social Programmes für die große Anzahl von Medienvertretern aus aller Welt, die Künstler und die anderen Delegationsmitglieder der Teilnehmerländer war eine komplexe Aufgabe. Wir konnten so sicherstellen, dass die Journalisten jedes Teilnehmerlandes ein optimales Düsseldorfbild erhielten und dieses als Multiplikatoren verbreiteten. Eine Vielzahl von weiteren Kommunikationsmaßnahmen, eine Privatzimmerbörse und ein gigantisches Medieninteresse machten den ESC zu einem ›Once in a lifetime‹-Projekt.«

Die Austragung des ESC hat Düsseldorf geholfen, die europäischen Kernländer wie die Benelux-Staaten, Großbritannien und Russland zu erreichen. Darüber hinaus gewinnen neben den USA und Japan vor allem China, Indien und die arabischen Golfstaaten zunehmend an Bedeutung im Wettbewerb um Touristen und Geschäftsgäste. 

Knapp 300 Kilometer südlich in Mannheim ist einiges eine Nummer kleiner, die Grundprinzipien guten Stadtmarketings aber sind dieselben. Was vor allem gebraucht wird, sind gute Ideen. Eine davon ist das Projekt ›Elternzeit‹.

»Die Eltern von Erstsemesterstudenten können an einem Wochenende zu besonderen Konditionen den Studienort ihrer Kinder kennenlernen«, erklärt Christine Igel die Hintergründe.

Igel verantwortet bei der Stadtmarketing Mannheim GmbH die strategische Planung, das kaufmännische Rechnungs- und das Personalwesen. »Die Stadtmarketing Mannheim GmbH arbeitet mehr strategisch und konzeptionell statt operativ. Wir selbst führen nur wenige Veranstaltungen durch. Die meisten wiederkehrenden Veranstaltungen oder Großevents wie in der Vergangenheit die ›autosymphonic‹ oder in der Zukunft das Deutsche Turnfest werden von uns eher begleitet«, berichtet die Diplom-Volkswirtin, die derzeit mit ihrem Team eine quantitative und qualitative Analyse der Markenfacetten und eine Kommunikationsstrategie erarbeitet.

Genau wie Düsseldorf und die meisten anderen deutschen Städte kann auch Mannheim steigende Übernachtungszahlen verbuchen, das Reiseziel Deutschland boomt trotz Eurokrise wie nie zuvor. Dementsprechend stehen die Einstiegschancen für Nachwuchsakademiker der Wirtschaftswissenschaften gar nicht so schlecht – sei es im Hauptfeld Marketing, im Personalwesen oder im Management von Messen und Events. Vor allem Kenntnisse in Kommunikation und PR seien wesentlich, merkt Christine Igel an, die sich in einem Punkt mit ihrer Düsseldorfer Kollegin Illigen-Günther einig ist: Man müsse nicht zwingend aus der Stadt kommen, für die man arbeitet. »Eine gute Mischung an Einheimischen und Auswärtigen ist aus meiner Sicht die richtige Mixtur einer städtischen Marketinggesellschaft. Das authentische Lebensgefühl, gepaart mit dem nüchternen und notwendigen Blick von außen, schafft ein perfektes Zusammenspiel. Man sollte darüber hinaus die Stadt in ihren unterschiedlichen Facetten kennen, international denken, Neuem gegenüber aufgeschlossen sein, serviceorientierte Arbeitsweise mitbringen sowie kontaktfreudig und sprachgewandt auftreten«, skizziert die Geschäftsführerin der Düsseldorfer Marketinggesellschaft das Anforderungsprofil und ergänzt:

»Unverzichtbar sind zudem die Fähigkeiten, unterschiedliche Märkte zu analysieren und im Maßstab großer Projekte und übergeordneter Ziele sowohl kurz- als auch mittel- und langfristig vernetzt zu denken.« 


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