Mann und Frau schauen sich in die Augen

Die Zusammenbringer: Karriere bei Personaldienstleistern

Personaldienstleister leiden unter ihrem Image als Zeitarbeitsfirmen. Dabei setzen sie vermehrt auf Specialist Recruitment.

»Wer nichts wird, wird Zeitarbeiter!«

Dieses geflügelte Wort für die Branche der Personaldienstleister hat eigentlich gar nichts mit ihnen zu tun: Mit dem Argument, es gehe nicht nur darum, schwer vermittelbare Arbeitskräfte zeitweise irgendwo unterzubringen, versucht die Branche seit Jahren ihr Schmuddel-Image loszuwerden. Vielmehr reagiere man mit zeitgerechten Dienstleistungen auf den Wandel auf dem modernen Arbeitsplatz. 

»Die zunehmende Globalisierung sorgt sowohl in national als auch in international tätigen Unternehmen für einen stetigen Bedarf an top ausgebildeten Experten. Diese zu finden, ist für viele Unternehmen eine große Herausforderung«, erklärt Philipp Radermacher, Account Manager der Hays AG. »Genau hier werden Personaldienstleister wie wir tätig. Sie beraten Unternehmen in Personalfragen und bringen diese mit den passenden Spezialisten zusammen.«

In der Tat ist es auf dem heutigen Arbeitsmarkt so, dass personalwirtschaftliche Dienstleistungen ein breites Spektrum umfassen: Unternehmen der Branche akquirieren und vermitteln Personal, stellen für Projekte bedarfsgerecht unterstützendes Personal bereit, bieten Outplacement- und Outsourcing-Dienstleistungen an, übernehmen die komplette Personaleinsatzplanung und das Personalcontrolling ihrer Kunden. Die wirtschaftlich unsicheren Zeiten der vergangenen Jahre haben diesen Trend verstärkt: Seit selbst Vorzeige-Unternehmen aus der Automobil-, Luft- und Raumfahrtindustrie oder aus der Zulieferindustrie auf die Bremse drücken mussten, greifen immer mehr Unternehmen auf die flexible Beschäftigung von Arbeitnehmern zurück. Doch nicht nur das: Auch der Fachkräftemangel mit den immer seltener zu findenden Spezialisten führt dazu, dass Unternehmen Personaldienstleister zu Rate ziehen. »Vor dem Hintergrund des War for Talents und der zunehmenden Globalisierung werden Firmen zunehmend häufiger Personaldienstleiter in Anspruch nehmen und die Rekrutierung neuer Mitarbeiter auslagern«, schätzt Philipp Radermacher bei Hays.

»Wichtig ist für uns hierbei nach wie vor die Pflege von partnerschaftlichen Beziehungen zu unseren Kunden und nicht nur der kurzfristige Verkaufserfolg.«

Trotz solcher positiven Prognosen leidet die Personaldienstleister-Branche unter Nachwuchsmangel

Nach Angaben des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP) hat sich die Zahl der Zeitarbeitnehmer auf einem Niveau zwischen 850.000 und 900.000 in Deutschland eingependelt. »Viele Stellen können derzeit jedoch nicht besetzt werden: Zwar liegen den Zeitarbeitsunternehmen entsprechende Aufträge vor, doch aufgrund des Fachkräftemangels und der Vollbeschäftigung fehlen in vielen Regionen Deutschland die Bewerber«, teilt der BAP mit.

Generell machen Personaldienstleister die allgemeine Beschäftigungsentwicklung mit, erklärt Prof. Dr. Thomas Zwick vom Lehrstuhl für Personal und Organisation an der Universität Würzburg.

»Das heißt, in Branchen, die allgemein Personal abbauen, werden auch weniger Personaldienstleister beschäftigt. Und Branchen, die Personal aufbauen, beschäftigten auch mehr Personen über Personaldienstleister.«

Der Branchenexperte rät jedoch, die Branche aus Absolventensicht kritisch ins Auge zu fassen: »Prinzipiell sind Personaldienstleister ein wichtiges und geschätztes Mittel zur Erhöhung der Beschäftigtenflexibilität aus Sicht der Arbeitgeber. Sie konzentrieren sich dabei allerdings auf niedriger qualifizierte Beschäftigte als im Durchschnitt.« Diese niedriger qualifizierten Beschäftigten profitierten dennoch recht selten vom ›Klebeeffekt‹ einer Beschäftigung: Sie seien nach wie vor häufiger und schneller wieder arbeitslos als regulär Beschäftigte.

»Es gibt aber natürlich auch einen recht kleinen Bereich für Hochqualifizierte, wie die bekannten Ingenieurbüros, die ihre Beschäftigten projektweise ausleihen«, sagt Zwick. »Hier profitieren die Ausgeliehenen von  abwechslungsreichen Herausforderungen, bei hoher Flexibilität und gutem Gehalt.«


zitat Philipp Radermacher PersonalerIntern bieten die Personaldienstleister also Karriereperspektiven – speziell auch für Wirtschaftswissenschaftler: »Absolventen können bei uns hauptsächlich im Key Account Management entweder als  Account Manager oder als Manager of Candidate Relations einsteigen«, berichtet Hays-Account Manager Philipp Radermacher. Als Account Manager ist man der direkte Ansprechpartner des Kunden, baut sich ein eigenes Netzwerk auf und ist für die Betreuung und Pflege langfristiger Kundenbeziehungen verantwortlich. Der Manager of Candidate Relations ist eigenständig für die Auswahl und Betreuung der passenden Spezialisten im konkreten Bedarfsfall zuständig. Ein großer Teil der Mitarbeiter komme aus dem wirtschaftswissenschaftlichen Bereich, sagt Radermacher. Es gebe aber auch viele Mitarbeiter aus den Bereichen Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsingenieurwesen, Geistes- und Sozialwissenschaften, auch Quereinsteiger und andere Studiengänge. »Vertrieb ist generell für viele Absolventen ein toller Einstieg nach dem Studium. Es ist ein attraktives Gesamtpaket aus eigenverantwortlichem Arbeiten, schneller Übernahme von Verantwortung sowie gutem Gehalt«, lockt der Hays-Account Manager.Auch bei Randstad will man stärker als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden und wirbt um ein neues Image als Mus-terschüler: »Unser Portfolio geht weit über Zeitarbeit hinaus. Wir bieten längst umfassende und ganzheitliche Personallösungskonzepte an – und damit natürlich auch ganz unterschiedliche Beschäftigungsformen und Karrierechancen«, sagt Andreas Bolder, Director Human Resources bei Randstad Deutschland. Man biete Leistung sowohl für Kunden, als auch für Mitarbeiter. »Schließlich sind wir nicht bloß Dienstleister, sondern Arbeitgeber und nehmen die Verantwortung, die wir tragen, sehr ernst.«

Der Einstieg erfolge in der Regel als Vertriebsdisponent in einer der rund 500 Niederlassungen des Unternehmens. Als Vertriebsdisponent ist man sowohl Ansprechpartner für die Kundenunternehmen als auch für die Mitarbeiter im Kundeneinsatz. Zu den Aufgaben gehören Kundenbetreuung und Neukundenakquise sowie die Rekrutierung und die Betreuung von Mitarbeitern im Kundeneinsatz.

»Wir besetzen mehr als 80 Prozent unserer Führungsfunktionen durch interne Mitarbeiter, und dies spricht für das Karrierepotenzial bei Randstad«, betont HR-Chef Andreas Bolder.

Ebenso spannend sei die Karriere beim Kunden, behauptet Tim Köhn, Teammanager Personalvermittlung bei Randstad Deutschland.

»Aktuell suchen wir  für die Bereiche Finance, Sales und Human Resources Bewerber mit wirtschaftswissenschaftlichem Abschluss.«

Direkte Personalvermittlung über Randstad biete Bewerbern zahlreiche Vorteile.

»Vielen unserer Kunden fehlen für klassische, oft langwierige Rekrutierungsverfahren schlichtweg die nötigen Ressourcen, deshalb greifen sie für die Besetzung von Schlüsselpositionen auf die Erfahrung und Kompetenz unserer Consultants zurück«, sagt Tim Köhn. »So erhalten Bewerber Zugang zu spannenden Jobs, die sie auf herkömmlichem Weg nicht bekommen.«

Prof. Dr. Thomas Zwick von der Universität hält dagegen:

»Momentan ist es mit einem Makel verbunden, den ersten Job als Hochschulabsolvent bei einem Personaldienstleister gehabt zu haben. Deshalb würde ich immer einen direkten regulären Einstieg im Arbeitsmarkt probieren.«

Musterschüler oder Makel? Die Entscheidung liegt letzten Endes beim Bewerber.


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