lächelnde ältere Dame
Ingrid Hofmann, Gründerin von I.K. Hofmann Klaus Gruber - dolphin photography

Ingrid Hofmann, Gründerin des Personaldienstleisters I.K. Hofmann im Interview

»Ich empfinde eine Art Berufung, Menschen in Arbeit zu bringen.«

I.K. Hofmann GmbH

Ingrid Hofmann gründete 1985 I.K. Hofmann, auch Hofmann Personal genannt. Heute zählt der Personaldienstleister 92 Niederlassungen deutschlandweit und Zweigstellen in Europa und in den USA.

Mit 30.000 Mark Startkapital zu einem der Fünf größten Personaldienstleister Deutschlands – Ingrid Hofmann, Gründerin von I.K. Hofmann, verrät ihr Erfolgsrezept

Gründung I.K. Hofmann

Frau Hofmann, Sie haben vor gut 30 Jahren I.K. Hofmann gegründet. Was hat Sie dazu motiviert?  Ich war bei einer Schweizer Zeitarbeitsfirma angestellt und habe gemerkt, dass ich meine Karrierepläne, wie ich sie wollte, dort nicht umsetzen konnte – vor 30 Jahren durften Frauen in der Schweiz noch nicht einmal in allen Kantonen wählen. Daher habe ich mir überlegt, eine eigene Firma zu gründen. Da es mir damals schon viel Spaß machte, im Personalbereich zu arbeiten, war es nur konsequent, dass ich mich in einer Branche selbstständig machte, von der ich auch etwas verstehe.

I.K. Hofmann GmbH Karriere

Sie haben mit 30.000 Mark Startkapital Ihres Vaters angefangen und daraus ein erfolgreiches Unternehmen mit über 90 Niederlassungen gemacht – was ist Ihr Erfolgsmodell?  Es ist ein Glücksumstand, dass ich das machen darf, was mir Freude macht. Ich empfinde eine Art Berufung, Menschen in Arbeit zu bringen. Man kann auch sagen, es ist wie eine Droge oder eine Sucht: Sobald ich Menschen treffe, die arbeitslos sind, fühle ich mich sofort veranlasst, etwas zu unternehmen, damit diese Person Arbeit bekommt. Ich kann mir nichts Schöneres als Job vorstellen. Wenn etwas von Herzen kommt und mit Überzeugung getan wird, dann stehen die Chancen gut, erfolgreich zu sein.

I.K. Hofmann Zeitarbeit

Wie sieht der Markt für Zeitarbeit aus? Wird I.K. Hofmann weiter wachsen? Ich denke, wir haben eine gute Größe erreicht. Momentan werden wir uns auf diesem Niveau einpendeln, weil die Gesetzessituation ein Wachstum, wie wir es vor einigen Jahren hatten, vermeintlich nicht zulässt. Der Zeitarbeitsmarkt ist nicht unbedingt ein Wachstumsmarkt. Ich rechne nicht damit, dass irgendwann jeder zweite in Zeitarbeit ist. Der Anteil an der Gesamtbeschäftigung liegt derzeit bei drei Prozent, ist also sehr gering.

»Schnell und unkompliziert in eine Position kommen.«

Die Zeitarbeitsbranche wird immer wieder kritisch betrachtet – was ist dran an der Kritik?  Wer realistisch ist, wird in jeder Branche Kritikpunkte finden. In der Zeitarbeit wird häufig von den Lohnunterschieden gesprochen, die Zeitarbeitskräfte gegenüber dem Stammpersonal haben. Das ist zum Teil berechtigt, weil wir einen eigenen Tarifvertrag haben und den Mitarbeiter nicht immer speziell für einen Kunden einstellen, sondern im Rahmen unserer Tarifverträge. Da kommt es je nach Branche zu Lohnunterschieden, der aber gering ist, wenn die Branchenzuschläge greifen. Außerdem haben wir nicht nur Arbeitnehmerüberlassung, sondern vermitteln Bewerber auch direkt in Unternehmen, um dort vakante Stellen zu besetzen.

Trifft Sie die Kritik mitunter persönlich?  Mit Kritik gehe ich sachlich um und biete jedem an, sich anzuschauen, wie es bei uns ist. Denn unterm Strich bringen wir Menschen in den Job und das ist etwas Gutes, das macht mich stolz: Zusammen mit meinen Mitarbeitern haben wir bestimmt über 300.000 Menschen in Arbeit gebracht. Da prallt dann ein bisschen Kritik ab, denn ich weiß, dass wir eine sinnvolle Arbeit geleistet haben.

Wie können Absolventen von der Zeitarbeit profitieren? Es ist nicht immer leicht, auf Anhieb die passende Stelle zu finden. Wir bieten die Möglichkeit, schnell und unkompliziert in eine Position zu kommen. Einsteiger, die noch nicht genau wissen, was sie machen möchten, können durch die Zeitarbeit verschiedene Branchen kennenlernen und verschiedenes ausprobieren. Außerdem kommen Interessenten durch uns in Unternehmen, bei denen sie ansonsten unter 500 anderen Bewerbern vielleicht gar keine Chance hätten. Wir haben gute Kontakte in die Unternehmen und können so spannende Einblicke bieten. Vorausgesetzt der Bewerber ist offen und neugierig und möchte immer wieder neue Erfahrungen sammeln. Ich habe außerdem bei meiner Tochter gesehen, dass der Bewerbungsprozess sehr zeitintensiv und nervenaufreibend war, das geht mit einem Personaldienstleister einfacher.

Unternehmensführung I.K. Hofmann

Karriere und Familie – Sie haben dies vereint. Was haben Sie aus dieser Zeit für die Unternehmensführung mitgenommen?  Ich habe in dieser Zeit vor allem gelernt, meinen Tag zu strukturieren, denn ich musste ja zu einem bestimmten Zeitpunkt meine Tochter von der Tagesmutter abholen. Das hat mir für die Personalauswahl gezeigt: Frauen, die Mütter sind, können gut organisieren, da kann ich sicher sein.

Worauf liegt Ihr Fokus in der Unternehmensführung?  Respekt vor der Persönlichkeit eines jeden Menschen ist das Wichtigste. Außerdem ist es bei einer dezentralen Organisation wie unserer ganz wichtig – und das ist mir gegeben – Vertrauen in Menschen zu haben.

I.K. Hofmann Auszeichnungen

I.K. Hofmann erhält regelmäßig Auszeichnungen – was ist das Besondere am Unternehmen?  Ich gehe gerne in den Wettbewerb mit anderen Unternehmen und nehme daher an vielen Ausschreibungen teil, denn so müssen wir immer wieder reflektieren, wo wir stehen und was wir noch verbessern können. Wenn wir eine tolle Leistung erbracht haben, dann feiern wir das, ruhen uns aber nicht darauf aus. Das, was wir heute tun, können wir am nächsten Tag schon ein bisschen anders sowie ein bisschen besser und zukunftsgerichteter machen.

Sie scheinen viel Elan zu haben. Woraus ziehen Sie Ihre Motivation?  Ich habe eine gewisse Grundenergie und sehe jeden Tag wie ein eigenes Abenteuer. Es liegt wahrscheinlich auch an meiner großen Neugierde. Wenn ich nicht meine eigene Firma hätte, in der ich immer wieder neue Themen setzen kann und durch die ich interessante Menschen kennenlerne, hätte ich wahrscheinlich oft den Job gewechselt, weil mir sonst langweilig geworden wäre.

Sie haben ein erfolgreich laufendes Unternehmen, sind Mitglied in verschiedenen Verwaltungs- und Aufsichtsräten und engagieren sich viel – was fehlt Ihnen noch, um Ihr Leben abzurunden?  Beruflich soll das Unternehmen immer internationaler aufgestellt werden. Durch den Einstieg meiner Tochter ins Unternehmen werden sich zudem neue Bereiche erschließen: Sie wird sich auf den Markt für Höherqualifizierte, also Hochschulabsolventen, spezialisieren und auch Themen wie Industrie 4.0 und Digitalisierung betreuen. Was ich wirklich bedauere: Dass ich nicht für längere Zeit im englischsprachigen Ausland gelebt habe. Ich würde jedem empfehlen, das zu machen.

»Wenn etwas von Herzen kommt und mit Überzeugung getan wird, dann stehen die Chancen gut, erfolgreich zu sein.«


Anzeige

Anzeige