Männer in Büro
Austin Distel/Unsplash

Personalvermittlung: Nehmen Sie Kontakt auf!

Personalvermittler verkuppeln Unternehmen und Bewerber. Sie brauchen Menschenkenntnis, analytisches und kaufmännisches Denken. Und sie sind gefragt wie nie

Es herrscht Goldgräberstimmung in der Recruitingbranche. Die Gründe dafür sind einfach: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist hervorragend, die Auftragsbücher sind voll. Daher planen deutlich mehr Unternehmen als in den Vormonaten, neue Mitarbeiter einzustellen. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2017 stieg die Einstellungsbereitschaft in deutschen Unternehmen 2018 sogar um zwei Prozentpunkte. Rund jedes achte Unternehmen in Deutschland möchte derzeit seine Personaldecke aufstocken, nur zwei Prozent erwägen eine Reduktion. Bei der großen Mehrheit bleibt die Belegschaft konstant. Vor allem im Mittelstand und dem produzierenden Gewerbe ist der Ausblick ausgesprochen positiv. Die logische Folge: Es gibt viel zu tun für Personalvermittler und Special Recruiter, deren Job darin besteht, für vakante Positionen die passgenauen Bewerber aufzutreiben. Personalvermittler sind Multitalente: Sie verfassen Stellenanzeigen, sichten Bewerbungsunterlagen, führen Einstellungsgespräche, setzen Arbeitsverträge und Richtlinien zur Arbeitssicherheit auf, sie analysieren den Personalbedarf im Unternehmen und planen den Personaleinsatz. Außerdem kümmern sie sich um kaufmännische Aufgaben, beispielsweise im Controlling.

Personalvermittlung: das Menschliche muss stimmen

Damit ist auch das Anforderungsprofil für Special Recruiter vielfältig: Sie müssen nicht nur rechnen können, auch das Menschliche muss stimmen. Personalvermittler sollten über sehr gute Kommunikationsfähigkeit, Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis verfügen. Im Berufsalltag sind zudem ein hohes Maß an Organisationstalent und Flexibilität wichtig, da die Arbeitsbelastung oft schwankt und viele Aufgaben zeitgleich und unter Termindruck bearbeitet werden müssen. Darüber hinaus sollten Recruiter natürlich fachliches Verständnis für die jeweilige Branche mitbringen, in der sie auf Bewerbersuche gehen, und ihre Zielgruppe genau kennen.

Wie tickt das Arbeitsumfeld von Personalvermittlern? Da der Recruiter als eine Art ›Mittelsmann‹ beschrieben werden kann, der zwischen einem Unternehmen und potenziellen Arbeitnehmern verhandelt und den Kontakt herstellt, wird diese Dienstleistung häufig ausgelagert, und das Unternehmen beauftragt eine Personalvermittlung, die hierbei auf einen eigenen Recruiter-Pool sowie auf in Frage kommende Bewerber zurückgreift. Ein wichtiges Prinzip dabei ist das sogenannte ›Profiling‹, eine Analyse des Profils der zu besetzenden Stelle sowie der dafür auf Seiten des Kandidaten als relevant erachteten Merkmale. Klar ist es von Vorteil für den Einstieg in die Recruitment-Branche, wenn man sich schon im Rahmen des Studiums auf ›Human Resources‹ spezialisiert. Doch nicht alle späteren Recruiter hatten die Personalbranche schon in Ausbildungszeiten im Fokus. Auch viele Absolventen der Geisteswissenschaften, Psychologie, Soziologie oder wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge führt der Berufsweg in die HR-Branche. Der Einstieg gelingt meist durch ein Praktikum oder eine Werkstudentenstelle. Personalvermittlung ist ein sehr breites Feld, indem man sich auf eine Branche, auf Personalberatung, -marketing oder -entwicklung spezialisieren kann. Je nach Spezialisierung gibt es viele Aufstiegschancen, sodass man schnell zum ›Team Manager‹ oder ›Head of Talent Acquisition‹ befördert werden kann.

Jobvermittlung: Mittelstand im Fokus

Das größte Potenzial für Jobvermittlung wird momentan bei mittelständischen Arbeitgebern gesehen: »Der Mittelstand wird seiner Rolle als Motor der Wirtschaft gerecht«, bilanziert Herwarth Brune, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland. »Doch die positive Stimmung beschränkt sich nicht nur auf einzelne Firmengrößen, Branchen und Regionen. Schon lange war das Bild im Arbeitsmarktbarometer nicht mehr so einheitlich gut.« Regional gibt die Hauptstadt den Ton an: Berliner Arbeitgeber melden die stärksten Einstellungsaussichten, gefolgt von den Einstellungsplänen in Frankfurt. Dies sind Ergebnisse des ManpowerGroup Arbeitsmarktbarometers, für das 1.000 Arbeitgeber in Deutschland befragt wurden.

Aus Sicht von Absolventen und Berufseinsteigern kann Personalvermittlung zahlreiche Vorteile aufzeigen – doch das Verfahren birgt auch einige Nachteile für Bewerber: Studien deuten zwar darauf hin, dass eine wachsende Zahl an offenen Stellen vornehmlich durch ›Recruitment‹ besetzt werden. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, gibt bekannt, dass »Zeitarbeit Perspektiven eröffnen« kann und es »Brückeneffekte für Ausländer am Arbeitsmarkt« gebe. Außerdem ist von einem »Sprungbretteffekt der Zeitarbeit in andere Beschäftigung« die Rede.

Personalvermittler: prädestiniert für abgestecktes Bewerberprofil

Doch in der Natur des Verfahrens liegt auch eine unvorteilhafte Selektion begründet: Unternehmen beauftragen Personalvermittler vor allem für solche Positionen, die ein klar abgestecktes Bewerberprofil haben und dadurch lediglich formal qualifizierte Interessenten von Beginn an ausschließen. Häufig werden zu vermittelnde Stellen noch nicht einmal öffentlich ausgeschrieben, das Besetzungsverfahren wird intransparent und nur einem vorbehaltenen Kreis zugänglich. Je nach Schwerpunktsetzung des Personalvermittlers ist es außerdem möglich, dass Kompetenzen oder berufliche Erfahrungen eines Bewerbers nicht angemessen bewertet werden. Personalvermittlung stellt vor allem für Bewerber eine große Chance dar, die bereits Praxiserfahrung angesammelt haben, die über ihr Studium oder ihre Ausbildung hinausgeht. Über diese Schlüsselkompetenzen ist es dem Personalvermittler dann möglich, anspruchsvolle und interessante Positionen mit leistungsfähigen Fachkräften zu besetzen. Einmal bei einer Personalvermittlung aufgenommen, sind diese Fachkräfte ›in der Datei‹ verankert.

Über 80 Prozent des Gesamtumsatzes der Personalberatung in Deutschland geht auf die »Suche, Auswahl und Gewinnung von Führungskräften und Experten«, so der Bund Deutscher Unternehmensberater. Deutliche Unterschiede gibt es dabei insbesondere bei der Suchmethode, die einzelne Personalberater zur Anwendung bringen. Ob Direktsuche, Datenbanksuche, Social-Media-Kanäle oder Anzeigensuche – das Verfahren ist abhängig von der Marktsituation der Branche. Nicht in jeder Branche ist es üblich, dass Personalvermittler großen Einfluss auf die Besetzung offener Stellen ausüben. Doch klassischerweise werden Positionen, die mit Controlling, IT, Marketing oder Vertrieb in Verbindung stehen, überwiegend über Special Recruiter besetzt.

Die Goldgräberstimmung der Recruitment-Branche wird nicht unbeantwortet bleiben. Denn die Auswahl an Gold-Nuggets ist überwältigend groß: Rund 502.000 Absolventen haben im letzten Prüfungsjahr nach Angaben des Statistischen Bundesamtes einen Abschluss an einer deutschen Hochschule erworben. Ihre Zahl ist damit seit 2001 in jedem Jahr kontinuierlich angestiegen und nahm gegenüber 2016 um etwa zwei Prozent zu. Rund 40 Prozent der Examen wurden im vergangenen Jahr im Bereich Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften abgeschlossen, doch auch die Fachgruppe der Ingenieurwissenschaften war mit einem Anteil von 26 Prozent stark vertreten. Weitere elf Prozent der Hochschulabschlüsse entfielen zudem jeweils auf die Fächergruppe der Geistes- sowie Mathematik- und Naturwissenschaften. Ausreichend Nachwuchs also nicht nur für die Personalvermittlungen, sondern auch die von ihnen zu besetzenden Job-Positionen.


Anzeige

Anzeige