Mann reitet auf Elch

Karriere in Sportvereinen: begehrte Jobs

Jobs im Sport sind auch unter Wirtschaftswissenschaftlern begehrt – aber auch anstregend und nur mäßig bezahlt

Alexander Meilwes ist erst 32. Aber schon seit ein paar Jahren Geschäftsführer des Basketball-Bundesligisten Artland Dragons. Er ist verantwortlich für die Spielerverträge und Budget, Finanzcontrolling und Sponsoren. Einen klaren Karriereplan hatte er aber nicht, erzählt Meilwes. Seit 2007 arbeitet er für das Team aus dem niedersächsischen Quakenbrück, zunächst stieg er als Geschäftsstellen-Leiter ein – sein erster Job nach dem BWL-Studium, Schwerpunkt: Sport-Management. Basketball spielen kann er nicht. Heute sagt er:

»Ich habe den Sport verstanden.«

Doch schon an der Hochschule Heilbronn war der Sport sein Ziel. Aber es hätte auch Eishockey werden dürfen, zumal Meilwes bei den Hannover Scorpions ein Praktikum absolvierte. Wie er an seinen Job bei den Artland Dragons kam? »Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.« Es gebe da kein Patentrezept, sagt er, und dass es darauf ankommt, dass man mit Herzblut dabei sei. Darauf, dass man den Willen habe, anzupacken, die Fähigkeit, Dinge zu lernen. Einfach ist der Einstieg sicher nicht, denn »es gibt deutlich mehr Absolventen als Jobs im Sport-Management«, so Meilwes.

Marketing-Manager bei einem Basketballverein

Auch Daniel Pleines arbeitet heute in der Basketball-Bundesliga. Dabei hatte er auch andere Optionen. Die Bankbranche, sagt er, wäre eine Alternative gewesen. Doch dann hat er am Ende seines BWL-Studiums in Osnabrück doch noch gleichzeitig Sport-Management studiert. Jetzt ist der 29-Jährige bei den EWE Baskets Oldenburg Marketing-Manager und als solcher für die Bereiche Ticketing und Merchandising verantwortlich. Bei der Bank würde er heute mehr Geld verdienen – »aber hier ist das Umfeld viel dynamischer und abwechslungsreicher«.

2011 fing er bei dem Basketball-Bundesligisten an, der zu den Top-Vier-Clubs der Liga gehört. Zuerst als Praktikant für ein halbes Jahr, doch dann wurde ein Job frei. Der Club wollte ihn behalten. Früher spielte der gebürtige Oldenburger selbst mal Basketball, jahrelang hatte er eine Dauerkarte für die Heimspiele der EWE Baskets. Heute kümmert er sich selbst um die Auslastung der neuen Arena, die 6.000 Leuten Platz bietet, gibt Strategie und Preisstruktur vor, kümmert sich um Werbung und Außenauftritt, darum »die Marke voranzubringen«.

Dazu gehören natürlich auch größere Verträge, mehr Werbepartner, höhere Etats. Das ganze Umfeld sei in den letzten Jahren viel professioneller geworden, sagt Pleines. Dafür arbeitet er oftmals 50 Stunden die Woche, gerade in Heimspiel-Wochen. Und wo vor ein paar Jahren nur neun Leute in der Geschäftsstelle arbeiteten sind es heute 16, darunter fünf studierte Betriebswirte. Wer in dieser Branche arbeiten wolle, müsse versuchen, über Praktika einen Fuß in die Tür zu kriegen, sagt Pleines. Begeisterung für den Sport, den Club sei hilfreich, ein späterer Wechsel zu anderen Vereinen, anderen Sportarten aber möglich. Und in zehn Jahren?

»Mein Ziel ist es, Marketing-Chef oder sogar Geschäftsführer eines Sportclubs zu werden«, sagt Pleines.


Karriere in der Fußballbundesliga

Einer, der schon Karriere gemacht hat, ist Björn Bremer. Beim Fußball-Bundesligisten Hannover 96 ist er als Prokurist Chef der Verwaltung und unmittelbar dem Vereinspräsidenten unterstellt. Vorher hat er mehr als zehn Jahre lang Geschäftsführungserfahrung bei anderen Vereinen in der 1. Bundesliga gesammelt. Angefangen hat alles in den 1990er -Jahren mit einem Praktikum bei Bayer, damals Sponsor eines Bundesligisten aus Uerdingen. Der Verein war sein erster Arbeitgeber, später war Bremer bei Borussia Dortmunds international erfolgreichem Frauen-Handballteam zuständig für das Marketing. Studiert hat er Wirtschaftswissenschaft in Bochum, mit Sport als Nebenfach.

Reichtümer seien für Wirtschaftswissenschaftler im Bundesliga-Fußball nicht zu verdienen, verglichen mit anderen Branchen seien die Sportvereine als Arbeitgeber eher »im unteren bis mittleren Bereich« anzusiedeln, so Bremer. Der Job lebt von seiner Strahlkraft, davon, dass man ihn mit Leidenschaft macht – und das oftmals auch am Wochenende.

Es werde viel erwartet, berichtet Bremer, dafür sei der Job aber sehr spannend und aufregend, die Branche sehr dynamisch. Dass man selbst Fußball spielen kann, ist kein Auswahlkriterium, findet Bremer, der heute joggen geht, wenn er Sport treiben will – ein Mannschaftssport ist mit seinem Job kaum zu vereinbaren. Ob einer Fan sein muss, um da zu arbeiten? Wenn es um Finanzen gehe, dann sei etwas Distanz durchaus hilfreich. Wer als Ökonom auch im Sport Fuß fassen will, dem empfiehlt er, »seinen Lebenslauf zu profilieren, Praktika sind ganz wichtig«, die Zahl der Bewerbungen bei Hannover 96 hoch. Doch auch für den Verein sind solche Praktika ein Gewinn, dienen sie doch dem Recruiting. Bei Hannover 96 gibt es etwa zehn bis zwölf Praktikanten im Jahr, in der Regel aber nur noch solche, die ein Pflicht-Praktikum nachweisen müssen.
 

Geschäftsführer beim ERC Ingolstadt

Aus Claus Gröbner hätte auch ein Lehrer werden können, Sportlehrer, an einem bayerischen Gymnasium. »Ich war jung und wollte was mit Sport machen«, sagt der 41-Jährige, der dann doch an der Uni Bayreuth diplomierter Sportökonom wurde. Die Planbarkeit des Lehrerdaseins schreckte ihn irgendwie ab. Zum Eishockey kam er eher zufällig. Schließlich war er zunächst beim TV-Sender Eurosport für Marketing und Media zuständig, zuletzt als Direktor Business Development, später dann stellvertretender Marketingleiter für die Olympia-Bewerbung ›München 2018‹. Doch die scheiterte.

Und so ist der gebürtige Allgäuer seit 2014 Geschäftsführer des ERC Ingolstadt in der Deutschen Eishockey Liga. Es ist kein Nine-to-Five-Job und von freien Wochenenden kann auch keine Rede sein.

»Ein Spieltag ist Hardcore-Arbeit«, sagt er. »Unser Produkt ist die Emotion. Das rasante Spiel. Wir verkaufen ja nichts haptisches.«

Für ihn geht es vor allem darum, »ein regionales Produkt bestmöglich zu vermarkten.« Eine sehr fundierte BWL-Ausbildung sei dafür sicher eine gute Grundlage, so Gröbner. Darüber hinaus seien Praktika ein sehr guter Weg, um Fuß zu fassen. Gerade in einer kleinen Organisation könne man viel mitbekommen wenn man viel Commitment und Leistungsbereitschaft zeigt, sich persönlich weiterbildet. Denn den Job eines Geschäftsführers, sagt Gröbner, »das kannst du nicht studieren«. 


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