Ferienjob? Karriere in der Tourismus-Branche

Damit der Urlaub schön wird: Wirtschaftswissenschaftler in der Tourismusbranche

Strandkörbe am Meer

Es gibt Situationen im Leben, in denen auch dem friedlichsten Menschen das Lachen aus dem Gesicht fallen kann. Und zwar dann, wenn er – in heimischen Gefilden der Erschöpfung nahe – diesen einen Satz hört:

»Ich arbeite dort, wo andere Urlaub machen.«

Oftmals verkündet von braungebrannten Zeitgenossen, die sich dabei breit grinsend durch das von Meerwasser gebleichte Haar streichen. Um wie viel sympathischer sind dagegen diese Menschen, die daran arbeiten, dass andere einen erholsamen Urlaub verbringen können! Dass diese hohen Sympathiewerte nicht von ungefähr kommen, weiß auch Nicole von Stockert, Pressesprecherin vom Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW):

»Die Mitarbeiter der Branche sorgen für Mobilität und Erholung, für Genuss und Abenteuer. Sie helfen den Menschen dabei, Freunde und Geschäftspartner zu treffen, neue Menschen und Kulturen kennenzulernen. Schlicht und ergreifend: Sie gestalten die schönsten Wochen des Jahres.« 

Wohl kaum einer legt so viel Wert auf diese schönsten Wochen des Jahres wie die Deutschen. Auch wenn sich mittlerweile die Chinesen die Reiseweltmeister-Schärpe umlegen dürfen: Die Deutschen geben für Reisen genauso viel aus wie Nationen, die viermal und noch größer sind. 2012 waren dies schlappe 52 Milliarden Euro. Wenn man dann noch bedenkt, dass in Deutschland rund 81,9 Millionen Menschen leben und diese fast 70 Millionen Urlaubsreisen im letzten Jahr unternommen haben, dann ist das mal eine Ansage. Lieblingsurlaubsland war letztes Jahr dabei Spanien, wo 13 Prozent der Deutschen ihren Urlaub verbrachten.

Auf Platz zwei, wenig überraschend, Italien und 7,9 Prozent haben 2013 unseren österreichischen Nachbarn einen Besuch abgestattet. Interessant wird es allerdings, wenn man die Deutschen befragt, welche Traumreiseziele sie in den nächsten zehn Jahren haben. Dabei teilen sich nicht die Karibik, die Seychellen oder die Malediven das Siegertreppchen, sondern liegt auf Platz eins mit 24,9 Prozent Deutschland, gefolgt von Spanien und Italien.
 

Wirtschaftsfaktor Tourismusbranche

Tourismusbrnache. Foto: Juliboxxx/Quelle: Photocase.comUrlaubs- und Geschäftsreisen der Deutschen stellen einen wachsenden Wirtschaftsfaktor innerhalb der Volkswirtschaft dar, der sowohl Jobs in großen Unternehmen als auch bei vielen mittelständischen Betrieben schafft. Und die Lust der heimischen Gäste, in die Ferne zu schweifen, wird auch in der nächsten Zeit nicht abnehmen: »Urlaub hat und wird auch zukünftig bei den Konsumausgaben einen hohen Stellenwert einnehmen«, erklärt Prof. Armin Brysch, Vorsitzender des Ausschusses Bildung des Deutschen ReiseVerbandes (DRV).

Beste Neuigkeiten also für alle, die gerne im Tourismusbereich tätig werden möchten. Der Bandbreite der Möglichkeiten ist dabei keinerlei Grenze gesetzt: Reisebüros und -veranstalter, Fluggesellschaften, Bahn- und Busunternehmen, Kreuzfahrtenveranstalter, Mietwagenanbieter, Online-Reiseunternehmen sowie Kurverwaltungen oder Tourismusinformation. Wirkungsstätten speziell für Wirtschaftswissenschaftler stellen dabei vor allem das zentrale Personalmanagement, das Marketing, Produktmanagement, Controlling und die Finanzabteilungen der Kettenhotellerie dar.

»In den letzten zwei Jahren ist der Bedarf an Nachwuchskräften mit Kenntnissen im Bereich Online- oder Social Media-Marketing stark gewachsen«, stellt Brysch fest.

Management-Know-how im Zusammenhang mit E-Tourismus ist sowohl im stationären als auch Online-Vertrieb ein wichtiges Kompetenzfeld.

»Aber auch in der Leitungsebene der einzelnen kettenangehörigen Häuser sowie in größeren mittelständischen Betrieben wächst der Bedarf an akademisch gebildeten Mitarbeitern und wird in Zukunft weiter steigen«, prognostiziert Sandra Warden, Rechtsanwältin und Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA).

»Die Hotellerie bietet spannende und abwechslungsreiche Aufgaben in den unterschiedlichsten Bereichen. Die Zahl der Hotels wächst stetig und damit auch die Anzahl der Arbeitsplätze. Daher gibt es zahlreiche Jobs und vor allem viele Weiterentwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten. Das Besondere am Hotel ist sicherlich der ständige Kontakt mit Gästen und die intensive Teamarbeit«, führt die 41-Jährige aus. 

Außerdem bleibt es in der Branche nicht nur deshalb spannend, weil täglich viele unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen, sondern auch, weil sie sich stetig weiterentwickelt. Die Zukunft des Tourismus liegt unter anderem in der Nachhaltigkeit – was zwar noch ein Nischenthema sei, wie von Stockert vom BTW sagt. Viele Konzerne hätten in diesem Feld mittlerweile eigene Bereiche geschaffen und weitere werden sicherlich hinzukommen. Ein zweites Trendthema und Wachstumsfeld sei zudem der Gesundheitstourismus, so die 36-Jährige weiter:

»Zum einen für das Reiseziel Deutschland, zum anderen aber auch im Outgoing-Bereich, vor allem im Hinblick auf den demographischen Wandel.«

Gemäß einer Studie des Deutschen Touristenverbands (DTV) ist es 36 Prozent der Deutschen im Urlaub besonders wichtig, etwas für die Gesundheit zu tun. Bislang typische Kuraufenthalte vermischen sich mit innovativen Konzepten, Grenzen werden fließend, neue Branchen entstehen und somit auch neue Tätigkeitsfelder für Wiwis. 

Auch Warden vom DEHOGA sieht neben der steigenden Nachfrage nach Gesundheits-, ökologischem oder sozialem Tourismus zudem die Internationalisierung der Märkte und Tourismuskonzerne, welche nach einer flexiblen Anpassungen einer ganzen Branche verlange: »Von Hotellerie und Gastronomie, aber auch von Reiseveranstaltern und Tourismusorganisationen, von Verkehrsträgern in Organisationen im Messe-, Event-, Kongress- und Tagungsbereich«, zählt die 41-jährige Geschäftsführerin auf und fasst weiter, dass dies zu einer steigenden Nachfrage auch nach Fachkräften mit detailliertem branchenspezifischen Know-how wie auch mit fundiertem wirtschaftswissenschaftlichen Wissen führe. »In der Hotellerie werden neben dem ›normalen‹ operativen Hotelbetrieb das optimale Verkaufen über zahlenmäßig wachsende und schwieriger zu steuernde Kanäle, Controlling und Kostenmanagement, professionelle Personalarbeit und Steuerung von Arbeitsprozessen sowie das Handling von Lizenz- und Managementverträgen immer bedeutsamer. Das sind alles Bereiche, in denen betriebswirtschaftliches Know-how extrem wichtig ist.«
 

Was du für eine Karriere in der Tourismusbranche mitbringen solltest

Neben den theoretischen Fähigkeiten brauchen Interessierte vor allem eines: Servicegedanken. Schließlich ist die Tourismusbranche ein Dienstleistungsgeschäft.

»Man sollte auch in Führungspositionen eine ausgeprägte Servicebereitschaft besitzen, welche den Gast mit seinen Wünschen und Bedürfnissen immer in den Mittelpunkt stellt. Dies umfasst übrigens auch den Umgang mit Fragen und Kritik. Freundlichkeit, Offenheit und ein gepflegtes Erscheinungsbild sind darüber hinaus obligatorisch in allen Hoteljobs mit Gästekontakt«, betont Warden weiter.

Studierende, die eine gewisse Scheu vor Menschen verspüren oder misanthropische Züge an sich haben, sollten sich genau überlegen, ob sie in diesem Bereich wirklich ihre Erfüllung finden können. Alle anderen mögen ihre Fremdsprachenkenntnisse überprüfen und gegebenenfalls – je nach angepeiltem Job – auffrischen. Das Gleiche gilt für die vorhandenden Geographiekenntnisse. Zwar verlangt nicht jede Tätigkeit im Tourismus nach einem flächendeckendem Erdkundewissen, aber eine solide Basis sollte auf jeden Fall vorhanden sein. Wer diese Punkte für sich uneingeschränkt bejahen kann, sollte sich an die praktische Umsetzung seiner theoretischen Studieninhalte machen. Eine Tätigkeit im Tourismusbereich verlangt in den meisten Fällen nach absolvierten Praxiseinsätzen, weswegen Warden großes Potenzial in dualen Studiengängen sieht. 

Möglichkeiten hierfür gibt es bereits einige: Beispielsweise bietet die Duale Hochschule Baden-Württemberg den Masterstudiengang ›Tourismus-, Freizeit-, Hotel- und Gastronomiemanagement‹ an, wer sich für Tourismusmanagement interessiert, ist an der Fachhochschule Frankfurt oder der Berufsakademie Eisenach richtig. Die Klassiker in der akademischen Ausbildung sind jedoch Hochschulen, die Tourismus als eigenen Schwerpunkt im BWL-Bereich ansiedeln, oder Bachelor-Studiengänge von renommierten Tourismusfakultäten wie die Hochschulen Kempten im Allgäu oder München. Ihren Einstieg finden viele allerdings auch über eine duale Ausbildung, die die touristische Praxis von ersten Tag an vermittelt. Die breiten Weiterbildungsmöglichkeiten im Betrieb eröffnen so ebenfalls Karrierechancen.

»Die Reisebranche bietet im Vergleich zu anderen Industrien besonders vielfältige Chancen, sich weiter zu qualifizieren. Das funktioniert nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland sehr gut. Schließlich ist gerade die Tourismusbranche weltweit vernetzt«, erklärt Professor Brysch vom DRV.

Nicole von Stockert vom BTW ist allerdings überzeugt, dass Tourismus und Mobilität auch in Zukunft viele Nachwuchskräfte faszinieren wird. Außerdem sei die Tourismusbranche eine echte Wachstumsbranche, die neben spannenden Inhalten auch mittel- bis langfristig ziemlich sichere Beschäftigungschancen bietet. Wirtschaftswissenschaftler, die sich für eine Tätigkeit in diesem Bereich entscheiden, können sich auf viel Abwechslung einstellen. Bleibt noch die Frage, was gehaltsmäßig dabei rumkommt. Gemäß Personalmarkt.de verdienen 25 Prozent der Einsteiger weniger als 23.708 Euro brutto jährlich, während das obere Quartil jährlich mehr als 33.638 Euro brutto auf dem Gehaltszettel erblicken kann. 

Natürlich gibt es für Wirtschaftswissenschaftlern Einstiegsmöglichkeiten, die am Ende des Monats mehr Geld präsentieren. Dafür hat man bei einem Job in der Tourismusbranche nicht nur die Möglichkeit, in aller Herren Länder zu arbeiten, sondern auch die, sich auf der Sympathieskala ganz nach oben zu schießen. Schließlich dürfen die Touristen dort Urlaub machen, wo andere arbeiten. 


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