zwei Koffer mit Füßen

Karriere im Tourismus für Wirtschaftswissenschaftler

Sie machen, dass wir wegkommen: Wiwis im Tourismus sorgen dafür, dass die schönste Zeit des Jahres diesen Titel auch verdient hat. Berufsbilder, Einstiegschancen

Tobias Maurin Broil ist oft unterwegs. Er fährt mit dem Bus durch ganz Deutschland und schaut sich um. Dabei gilt sein erster Blick nicht der Landschaft oder den Städten, die vor seinen Augen vorbeiziehen, sondern dem, was der Bus, in dem er gerade sitzt, zu bieten hat – und wie sich auf Grundlage dessen ›sein‹ Bus noch weiterentwickeln lässt beziehungsweise wie man sich vom Mitbewerber noch weiter abgrenzen kann. Broil ist kein Busunternehmer, sondern Senior Expert bei der Deutschen Post und verantwortet als Teamleiter das Produktmanagement beim ADAC Postbus, bei dessen Entwicklung er von Anfang an dabei war.
 

Tourismus: Mitentwicklung vom ADAC-Postbus

Angefangen hat seine Karriere dabei in der Innovationsabteilung der Deutschen Post, wo er an einem Projekt zum Thema Mobilität gearbeitet hat: »Mobilität hat mich schon immer interessiert, weswegen ich während meines Studiums mehrere Praktika im Automotive-Bereich absolviert habe. Es war eher Zufall, dass ich in der Tourismusbranche gelandet bin«, erklärt Broil, der sowohl einen Magister in Politik, BWL und Geschichte als auch das Vordiplom in VWL an der Uni Bonn gemacht hat.

Zusammengenommen hat sich aus diesen Komponenten für Broil eine Tätigkeit formiert, die als Ergebnis den ADAC-Postbus hatte. »Ich war von Anfang an sehr intensiv eingebunden – von der Idee über die Gestaltung und Markteinführungsphase über Markt- und Wettbewerbsanalyse sowie Produktpositionierung hin zu Fahrzeugspezifikationen und Umsetzung von Kundenwünschen«, zählt Broil auf.

Mit einem weißen Blatt Papier haben sie im Jahr 2011 begonnen und zwei Jahre später hatte der Bus seine Jungfernfahrt. Ein wenig Stolz schwingt mit, wenn er erzählt, dass es sehr selten ist, ein Produkt von der ersten Idee bis zur Markteinführung zu begleiten – mit all seinen Herausforderungen. Heute kümmert sich Broil vor allem um das Produktmanagement, immer mit dem Ziel, das Reisen für die Fahrgäste so komfortabel und kurzweilig wie möglich zu gestalten. Beispielsweise welche neuen Filme in das Media Center integriert werden, die sich dann die Fahrgäste bequem per Streaming direkt auf ihrem Endgerät anschauen, welche zusätzlichen Medien noch hinzugefügt werden könnten und wie sich das Snack-Angebot noch erweitern lässt:

»Wir sprechen unter anderem mit Verlagen, ob sie Interesse daran haben, ihre Produkte einzubringen oder ich mache mir Gedanken über Innovationen, die auch kleiner sein können, beispielsweise haben wir einen Piloten gestartet, indem wir unseren Kunden eine Bücherkiste zur Verfügung stellen«, sagt Broil, der als Produktmanager nicht nur an Innovationen denkt, sondern auch im Blick haben muss, dass der ›Rubel rollt‹.


»Urlaub ist mit sehr vielen Emotionen verbunden. Es ist unglaublich spannend, unseren Gästen fernab der Heimat das Gefühl zu geben ›zu Hause‹ zu sein. Dazu leiste ich sehr gerne meinen Beitrag.«

Frank Bönsch, Senior Manager Guest Communication / MyAIDA, AIDA Cruises


Soft Skills sind das Wichtigste

Dass er kein ›reiner Betriebswirtschaftler‹ ist, spielt für ihn weniger eine Rolle als die Leidenschaft, die ihn zu seiner jetzigen Tätigkeit gebracht hat: »Ich hatte zu Beginn meines Studiums kein konkretes Berufsziel und habe ein Studium Generale absolviert. Meine Interessen standen im Mittelpunkt und ich wusste, dass sich daraus das Richtige ergeben wird«, blickt der 30-Jährige zurück und wünscht sich, dass die Studenten von heute keine Scheuklappen tragen, ebenso dass sie den einen oder anderen Blick nach links und rechts wagen. Außerdem seien Soft Skills das Wichtigste überhaupt, so Broil weiter.

Im Berufsleben geht es darum, sich schnell in neue Aufgaben einzufinden, weshalb es wichtig sei, zu lernen, wie man sich und seine Arbeit richtig strukturiert, sich Prioritäten setzt und nicht nur die nächste Klausur sieht.
 

Tourismusbereich: Begeisterung und Servicegedanke

Durchaus von Vorteil ist dabei auch Begeisterung für den Beruf – vor allem im Tourismusbereich, wo Kundenfreundlichkeit sowie der Servicegedanke an erster Stelle stehen sollten – und lange Gesichter und schlechte Laune nichts verloren haben: »Der Gast steht für uns immer im Mittelpunkt. Aus dieser Maxime entwickelt sich eine eigene Dynamik. Man muss sich immer wieder selbst neu erfinden, um die Wünsche des Gastes zu erfüllen«, erklärt Frank Bönsch, Senior Manager Guest Communication/MyAIDA bei AIDA Cruises.

Eine komplexe Angelegenheit sei dies, schließlich soll der perfekte Urlaub nicht nur erholsam sein, sondern vielfältige Eindrücke geben und ganzheitlich mit einem beruhigenden Maß an Sicherheit und hohen Komfort verbunden sein.
 

Arbeiten bei AIDA Cruises

Der 36-Jährige, der BWL an der Hochschule Wismar studiert hat, sammelte seine ersten Berufserfahrungen in einer Unternehmensberatung. Diese praktischen Erfahrungen haben ihm bei seinem Wechsel in die Tourismusbranche geholfen: »Wichtig war vor allem, das Hintergrundwissen und das analytische Verständnis mit sozialen Komponenten zu kombinieren. Im Tourismus muss man die Gäste in den Mittelpunkt der eigenen Überlegungen und Handlungen stellen«, erklärt Bönsch. Einen normalen Arbeitstag gibt es nicht.

Sein Job sei geprägt von vielen verschiedenen Themen, komplexen Projekten und mit operativen Entscheidungen. »Es wechseln sich Meetings mit Schiffsbesuchen und Vorträgen ab, während es im Büro um Abstimmungen mit Kollegen, Mitarbeiterführung, Analysen, Vorbereiten von Entscheidungsvorlagen, Prozessoptimierung und -organisation und Benchmarks geht«, führt er weiter aus. Dabei ist die richtige Kommunikation einer der wichtigsten Punkte: Ohne reden gehe es nicht, schließlich müssen alle kleinen Puzzleteile seiner Arbeit so geordnet sein, dass das große Gesamtbild, der Gast und seine schönste Zeit im Jahr immer im Fokus bleiben.

Dies ist in Anbetracht des steten Wachstums und der gleichzeitigen schnellen Änderung von Umfeld- und Umweltfaktoren nicht immer einfach. Allerdings führen diese Punkte oft zu neuen Betrachtungswinkeln, so Bönsch. Sich darauf einzustellen, offen für Neues zu sein und manchmal auch Altbewährtes über Bord zu werfen, sei nicht umsonst eines der Erfolgsgeheimnisse des Unternehmens.
 

Einstieg im Tourismus: Flexibilität wichtig

Demnach schadet ein gewisses Maß an Flexibilität nichts, ebenso sollten Einsteiger die verschiedenen wirtschaftlichen Zusammenhänge kennen und auch verstehen. Dies sei schließlich etwas anderes als in der Kalkulation und Produktion eines bestimmten Produkts. »Bei uns dreht sich alles um den komplexen Faktor ›Mensch‹ – und da ist ja bekanntlich jeder anders.« Aber den meisten davon ist zumindest eines gleich: In den Urlaub fahren sie alle gerne. Demnach schadet ein gewisses Maß an Flexibilität nichts, ebenso sollten Einsteiger die verschiedenen wirtschaftlichen Zusammenhänge kennen und auch verstehen. Dies sei schließlich etwas anderes als in der Kalkulation und Produktion eines bestimmten Produkts. »Bei uns dreht sich alles um den komplexen Faktor ›Mensch‹ – und da ist ja bekanntlich jeder anders.« Aber den meisten davon ist zumindest eines gleich: In den Urlaub fahren sie alle gerne.


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