Duales Studium Tourismusmanagement
Duales Studium Tourismusmanagement privat

Wiwis im Tourismus: Mach doch mal Urlaub!

Verkauft werden dem Kunden Emotionen, Erholung und Entspannung. Wirtschaftswissenschaftler schauen auf die Zahlen hinter dem Tourismus-Erlebnis

 

Petra Schütt ist Bereichsleiterin für den Vertrieb im Innendienst bei L’TUR. Das Last-Minute-Tourismusunternehmen, Nummer eins in Europa, unterhält neben einem eigenen Call-Center und einem üppig ausgebauten Online-Portal auch mehr als 140 Filialen in Innenstadtlage und an Flughäfen. Schütt hat den Überblick über die Business-Kennziffern, Umsätze und Rendite jedes einzelnen Shops. Sie sorgt dafür, dass in der Zentrale konzipierte Sonderaktionen dem Kunden vor Ort kommuniziert werden. Und dass in den Verkaufsgesprächen Emotionen für jeweils aktuelle Tourismus-Destinationen geweckt werden.

Dass studierte Wirtschaftswissenschaftler wie Schütt einen Job im Tourismus finden ist eine eher aktuelle Entwicklung. Lange Zeit galt der Tourismus als Branche für Ausbildungsberufe.

»Hotelier, Reinigungspersonal, Fremdenführer - das sind alles Berufe für die man nicht studieren muss«, sagt Professor Christian Buer, Experte für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Heilbronn.

Doch in den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren habe der Tourismus einen Wandel erfahren. Globalisierung, und Kostensenkung im Flugverkehr haben den Wettbewerb und Konkurrenzdruck in der Branche verschärft.

»Das ist alles schneller und komplexer geworden«, betont Buer. »Tourismusunternehmen suchen vermehrt Akademiker, weil sie Zusammenhänge oft schneller erfassen und selbstständiger arbeiten.«

Unter den Akademikern wiederum sind die Wirtschaftswissenschaftler besonders gefragt, denn natürlich gilt es, auf dem hart umkämpften Markt zu bestehen.

Wer erzielt gute Umsätze, und warum? Das ist die Frage, die Petra Schütt die meiste Zeit in ihrem Beruf umtreibt. Sowohl in Meetings mit der Geschäftsleitung als auch mit den verschiedenen Fachabteilungen von L’TUR analysiert sie die Key Perfomance Indicator (KPI) der Filialen und versucht, Korrelationen mit anderen Faktoren herzustellen. KPIs sind Kennzahlen, die die Effektivität eines Unternehmens oder auch eines Teilbereichs bewerten. Warum ist eine Filiale besonders erfolgreich? Hat das womöglich mit einer besonderen Kundenansprache zu tun, mit cleverer Promotion, oder mit einer bestimmten Lage?

»Wir sind ein Full-Service-Franchise«, erklärt die 46 Jahre alte Wirtschaftswissenschaftlerin. »Das bedeutet, wir stellen einem Franchise-Nehmer das Ladenlokal, die Innenausstattung, Werbematerialien und Schulungen zur Verfügung.«

Um den Shop-Mitarbeitern umfangreiche Hintergrundinformationen für die Beratungsgespräche mit den Kunden an die Hand zu geben, hat L’TUR zudem eine interne Schulungseinheit entwickelt. Schütt:

„Mit der Mischung aus Präsenz- und Online-Veranstaltungen wollen wir Wissens-Häppchen vermitteln, die gezielt auf die speziellen Bedürfnisse in den Shops zugeschnitten sind.“


Nicht nur im Finanzwesen und Controlling, sondern auch im Personalmanagement werden Wirtschaftswissenschaftler gesucht. Myriam Frauenrath ist bei der Robinson Club GmbH verantwortlich für das Personalwesen. Das hundertprozentige Tochterunternehmen des Reisekonzerns TUI betreibt 24 Club-Hotels mit All-Inclusive- und Vollpension-Angeboten auf der ganzen Welt, jedes für sich quasi ein eigener Kosmos – mit unterschiedlichsten Berufsbildern:

»Wir stellen Clubleiter ein, Social-Media-Experten und auch Sozialassistenten«, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin.

Wie für eine Personalerin üblich, muss sie einen Überblick haben über die einzelnen Tätigkeiten, die es in ihrem Unternehmen auszuüben gibt und ein Gefühl dafür entwickeln, welcher Bewerber wofür geeignet ist. Dennoch ist Frauenrath davon überzeugt, dass ihr Arbeitgeber sich von denen anderer Personaler unterscheidet. Immer wieder führt sie Mitarbeitergespräche vor Ort in einem der Clubs, liegt dann hinterher mit den Kollegen noch im Liegestuhl in der Sonne oder gönnt sich einen beherzten Sprung in den Pool.

»Nur weil wir im Tourismus arbeiten, bedeutet das zwar nicht, dass sich jeder Arbeitstag wie Urlaub anfühlt«, gibt Frauenrath zu bedenken, allerdings: »Wenn du ständig mit den Themen Freizeit und Erholung konfrontiert bist, wirkt sich das auch auf eine Unternehmenskultur aus.«

Wer im Tourismus arbeite, sei automatisch in einer positiven Grundstimmung.

Vor ihrem Wirtschaftswissenschafts-Studium hat Frauenrath eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau bei TUI absolviert. Erst nachdem sie ein paar Jahre Berufserfahrung gesammelt hat, hat sie sich zum Studium entschlossen. Für Wirtschaftswissenschaftler, die im Tourismus arbeiten, ist dieser Weg nicht unüblich. Denn Arbeitgeber legen Wert darauf, dass sich eine Leidenschaft für die Themen Reisen und Urlaub zu entwickeln. Berufschancen gibt es auf jeden Fall - nicht nur bei den Großen der Branche.

»Immer mehr Urlauber wollen keine Pauschalreisen mehr«, beobachtet Professor Buer. »Die wünschen sich individuelle authentische Erlebnisse und legen vielleicht auch noch Wert auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit.«

Ein Nischenanbieter, dem es gelingt diese Gegensätze zu vereinbaren, könnte die Branche ganz schön aufmischen.


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