Mann hängt an einem Fels in einem Zelt

Arbeiten bei Banken: Wirtschaftswissenschaftler meistern den Vertrieb

Die Finanzdienstleistungsbranche erfordert Ehrgeiz, Belastbarkeit und Vertrauen:

Mit dem Arbeiten bei Banken verbinden die meisten von uns Zahlen, Kalkulationen und ein etwas steifes Image – kurzum: Die Branche der Finanzdienstleistungen gilt weithin als eintönig. Wenn man Mitarbeiter von Banken zu ihrer Arbeit befragt, hört man aber Worte wie abwechslungsreich, dynamisch und interessant. Besonders im Bereich Sales und Vertrieb scheinen die Aufgaben weit entfernt vom drögen Image. Schließlich geht es darum unterschiedlichsten Kunden – vom Privatmann bis hin zum Unternehmer mit 5.000 Mitarbeitern – die Finanzdienstleistungen schmackhaft zu machen.

Linda Khuu schätzt hierbei besonders die Möglichkeit, sich immer individuell auf den Kunden einzustellen und eine Vertrauensbasis aufzubauen. Die Geschäftskundenberaterin bei der Deutschen Bank nimmt sich gerne Zeit, um ihre Kunden, vor allem Vertreter produzierender Firmen und Einzelhandelsunternehmen, in persönlichen Gesprächen kennenzulernen – gerne auch vor Ort im Unternehmen, denn bei einem Besuch in den eigenen Räumen ist der Kunde häufig offener. Schließlich sind die Finanzen eines Unternehmens ein sensibles Thema mit vertraulichen Informationen, die nicht zwischen Tür und Angel besprochen werden können.

In den Kunden hineinversetzen

Eine Analyse der Zahlen, Daten und Fakten des Unternehmens gehört auch dazu, um ein Gesamtbild zu erstellen, um die Ziele klar feststecken und eine gemeinsame Lösung finden zu können. Das können beispielsweise die Finanzierung einer bestimmten Maschine sein oder Angelegenheiten bezüglich Zahlungsverkehr oder betriebliche Altersvorsorge. Es gibt Anliegen, die in zehn Minuten abgearbeitet sind, bei komplexeren fragt die Betriebswirtin gerne auch Kollegen um Rat. Schließlich »geht es nicht darum Anfragen schnell abzuarbeiten, sondern sich in das Anliegen des Kunden hineinzuversetzen und die bestmögliche Lösung für ihn zu finden«, fügt die 22-Jährige hinzu.

Der Kunde scheint das Zentrum allen Handelns im Vertrieb zu sein, so sind Marcel Hubert und sein Team stets bemüht Produkte zu verbessern und zu erweitern. Ein Projekt ist dem Leiter der Fachgebiete Post- und Ergänzungsprodukte bei der Postbank besonders in Erinnerung geblieben: die Implementierung eines neuen Bausparverkaufsprozesses in die bestehende Kundenberatungssoftware. Seine Aufgaben reichten hierbei von der Grobkonzeption des Prozesses über die Erarbeitung des Designs, dem Change- und Fehlermanagement bis hin zur Gestaltung einer Road Show, um die Akzeptanz und Bekanntheit des Prozesses zu fördern. Nachhaltig beeindruckt hat den Betriebswirt die Tragweite des Projektes:

»Das, was ich am Schreibtisch konzipiert hatte, wurde zum Alltag der Filialmitarbeiter in unseren über 1.100 Finanzcentern.«

Projektarbeit und Tagesgeschäft

Neben größeren Projekten fällt natürlich das Tagesgeschäft an – Produkt-, Vertrags- und Qualitätsmanagement, die konzeptionelle Erarbeitung von zukunftsfähigen Geschäftsmodellen und die Implementierung von Marketingaktionen sind nur einige der vielfältigen Aufgaben des 27-Jährigen. Dabei gilt es den Überblick nicht zu verlieren, flexibel zu reagieren, strukturiert zu arbeiten und wichtige Entscheidungen in kürzester Zeit zu treffen. Hierfür ist es besonders wichtig, das Unternehmen sowie die Zusammenhänge und Schnittstellen zwischen einzelnen Abteilungen, Prozessen und Produkten zu verstehen, fügt Hubert hinzu.

Reibungslose Kommunikation im Unternehmen ist daher essenziell. Zudem kann man von Kontakten mit Kollegen aus anderen Bereichen und dem damit verbundenen Wissen nur profitieren, ist Marco Pietsch sicher. Der Vertriebsbereichsleiter bei der PSD Bank Nord eG ist in verschiedene strategische Projekte eingebunden, bei denen er als Projektleiter fungiert oder seine Meinung aus Vertriebssicht einbringt.

Denn bei seinem Aufgabenbereich dreht sich alles um den Vertrieb: Das beinhaltet unter anderem die Umsetzung von strategischen und konzeptionellen Maßnahmen und die Begleitung von Werbemaßnahmen und Vertriebscontrolling. Im Moment arbeitet der Wirtschaftswissenschaftler an der Optimierung der Kundenkommunikation mit. Hierbei geht es um die bedarfsgerechte Bündelung der Kommunikationskanäle und die Modernisierung der Kommunikationsmittel.


»Wer Lust hat im Team an Lösungen mitzuarbeiten und dabei, bei monetär guten Möglichkeiten, fürs Leben zu lernen, ist in der Bankdienstleistung und dem Vertrieb genau richtig.«

Marcel Hubert, Leiter Fachgebiet Post- und Ergänzungsprodukte bei der Deutschen Postbank


Dynamische Branche: Neuerungen, Entwicklungen

Es gilt stets auf Neuerungen und Entwicklungen zu reagieren, was den Bankensektor zu einem schnelllebigen sowie wettbewerbsintensiven Umfeld macht und zu einer hohen Veränderungsgeschwindigkeit des Marktes führt. Gerade die Dynamik fasziniert Luca Vulmahn an seiner Arbeit im Bereich automobile Finanzdienstleistungen bei der Santander Consumer Bank. Als Vertriebsreferent im Bereich Kfz fungiert der 29-Jährige als persönlicher Assistent des Bereichsleiters und als Bindeglied zwischen den Vertriebsleitern im Außendienst und der Unternehmenszentrale. Seine Hauptaufgabe ist die Unterstützung und Begleitung von Vertriebsprojekten wie zum Beispiel die 2014 vollzogene Vertriebsreform.

Ziel war es, »den Kunden, in unserem Fall die Kfz-Händlerpartner, noch stärker in den Fokus zu rücken und eine noch engere Betreuung zu gewährleisten«, fasst Vulmahn zusammen. Das war ein großer Erfolg für das gesamte Team, schließlich ist der Erfolg eines Unternehmens primär von einem ideal zusammengestellten Team abhängig, in das sich jeder mit seinen Stärken einbringen kann. Vulmahn sieht vor allem Ehrgeiz und Belastbarkeit als wichtige Eigenschaften für die Arbeit im Vertrieb – und natürlich Zahlenverständnis, betriebswirtschaftliches Grundverständnis und in seinem Fall auch Affinität zu Autos. Gerade im Kontakt mit Kunden sollte man zudem authentisch auftreten und ganz einfach Spaß am Umgang und an der Interaktion mit verschiedenen Menschen haben. Denn nur wenn die Mitarbeiter mit Begeisterung ihre Aufgaben erfüllen, kann das zum Erfolg führen, ist sich Pietsch von der PSD Bank Nord sicher.

Linda Khuu von der Deutschen Bank legt diese Begeisterung in jedes ihrer Worte über ihre Arbeit. Besonders, dass sie so viele verschiedene Menschen kennenlernt und so viel dabei lernen kann, fasziniert die Beraterin: »Für jemanden, der offen ist und Spaß am Kundenkontakt hat, ist das ideal.« Pietsch rät jedoch allen Absolventen vor der Jobsuche, sich über die eigenen Stärken im Klaren zu sein, um in der Vertriebswelt den passenden Arbeitsplatz zu finden. Denn der Vertrieb in Banken bietet ein vielschichtiges Umfeld mit herausfordernden Aufgaben.


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