Layout: schwarze Männchen, drei in Lichtkegeln

»Auslese«: Wer ist eigentlich diese Elite?

Was verstehen Hochschulen eigentlich unter Elite? Und wer gehört dazu?

Die Frage nach der Definition von Elite ist ebenso alt wie der Begriff selbst. Den Ursprung des Worts finden wir im Lateinischen: ›eligere‹ bedeutet ›auslesen‹. Daher ist die Erklärung, dass es sich bei Elite um die Auslese überdurchschnittlich qualifizierter Personen handelt, naheliegend. Doch was qualifiziert diese Menschen? Ist es das Geld, die Bildung, die politische Stellung? Es gibt verschiedene Vorstellungen des Elitebegriffs. Spricht man jedoch über Hochschulen, ist wohl der Bildungselitebegriff der passendste. Doch selbst der lässt sich keineswegs eindeutig definieren. Das Eliteverständnis variiert schlichtweg – auch bei den Hochschulen.

Prof. Dr. Dirk Zupancic, Präsident der German Graduate School of Management and Law (GGS), beschreibt sein Eliteverständnis wie folgt: »Die Elite ist für mich eine Gruppe von außergewöhnlichen Personen, die sich durch ihr Engagement, ihren Intellekt, ihre Kompetenzen, aber auch durch ihre Visionen deutlich vom Durchschnitt der Menschen abhebt.« Elitehochschulen seien daher eine Zusammenkunft führender Köpfe, die visionär nach vorne blicken, forschungsstark sind und mit dem Mut zum Querdenken neue Standards setzen. Dabei zeichne eine solche Hochschule aus, dass sie in jeder Situation für alle Beteiligten nach bestmöglichen Lösungen sucht und keine dogmatischen Prinzipien verfolgt. »Ich bin kein Freund von Eliteuniversitäten, die sich ausschließlich durch Leistung in Form eines bestimmten Notenschnitts oder durch finanzielle Hürden als Zugangsvoraussetzung definieren«, fügt Zupancic hinzu. An der GGS wird daher neben den intellektuellen Fähigkeiten sehr viel Wert auf Kultur und Persönlichkeit gelegt. Die Hochschule selbst vermeidet den Begriff ›Elite‹ bewusst, zum einen, weil der Begriff mit negativen Vorstellungen verknüpft sei, zum anderen, da es vielmehr um bestimmte Werte und Ideale gehe.

Den Begriff ›Elitehochschule‹ müsste man im ersten Schritt definieren, betont Piret Lees, Pressesprecherin des Verbands der Privaten Hochschulen (VPH). Schließlich müsse geklärt werden, ob sich Elite auf die Forschung, das Budget oder die Laufbahnen der Alumni beziehe. Viele denken bei Elitehochschulen an Universitäten wie Oxford oder Harvard. Nimmt man diesen Standard, existieren in Deutschland keine Elitehochschulen, erklärt Lees. Dennoch werden gerade private Hochschulen und Business Schools teilweise als Elitehochschulen bezeichnet – nicht immer mit positiven Hintergedanken. In diesen Fällen bezieht sich der Begriff Elite auf finanzielle Mittel, da sehr hohe Studiengebühren verlangt werden. Der Irrglaube, dass nur die finanzielle Elite sich ein Studium an diesen Hochschulen leisten kann, lässt sich jedoch schnell widerlegen. »Kein Bewerber wird aufgrund fehlender finanzieller Mittel ausgeschlossen«, betont Lees vom VPH. Die Hochschulen bieten neben Stipendien auch die Möglichkeit des umgekehrten Generationenvertrags an, so dass verschiedene Finanzierungsmodelle bestehen. An der GGS beispielsweise erhält jeder Interessent, der den Auswahltag bestanden hat und dann an der Hochschule studiert, ein Stipendium der Dieter Schwarz Stiftung, das einen Teil der Studiengebühren trägt. »Wir definieren Elite über Leistung und Charaktereigenschaften, nicht über einen sozioökonomischen Status – wir würden uns selbst aber nicht als Elite bezeichnen«, fügt Professor Zupancic hinzu.

Einige deutsche Hochschulen dürfen sich ganz offiziell mit dem Titel Elite schmücken. Genauer gesagt sind das staatliche Hochschulen, die im Rahmen der Exzellenzinitiative der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Wissenschaftsrats für ihre herausragende Forschung unterstützt werden. Dazu zählen beispielsweise die Universität Regensburg, die Hochschule Geisenheim und die Universität zu Lübeck. Bei diesen Hochschulen würde wohl kaum jemand auf die Idee kommen, von Elite zu sprechen – ohne die Qualität der Hochschulen bewerten zu wollen. Und auch die Hochschulen selbst gehen auf ihren Webseiten nicht damit hausieren. Die Studenten werden sich zudem nicht als Elite bezeichnen, ist sich Lees vom VPH sicher. Studenten wählen eine Hochschule in der Regel nicht aus, um zur Elite zu gehören, sondern um eine gute Ausbildung zu erhalten. »Die Qualität sollte im Fokus stehen, egal ob eine Hochschule privat oder staatlich ist«, betont Lees. Für die Expertin ist eine Hochschule dann besonders gut, wenn sie sich um ihre Studenten kümmert und ihnen zuhört. Kleine Gruppen gehören hierbei ebenso dazu wie persönlicher Kontakt.

Es stellt sich die Frage, wie sinnvoll die Eliteförderung in Deutschland eigentlich ist? »Deutschland ist auf Spitzenleistungen in Wirtschaft und Wissenschaft angewiesen, um nicht den internationalen Anschluss zu verlieren«, erklärt Zupancic von der GGS. Er findet Spitzenförderung daher sehr wichtig: Die sehr Guten und die Besten müssen durchaus anders gefördert werden, um ihr volles Potenzial zu nutzen. Gleichzeitig müsse Bildung jedoch grundsätzlich für alle offen sein. Ein offenes Bildungssystem ist ein wichtiges Gut, um überhaupt die Möglichkeit zu bieten, eine Bildungselite auszubilden. Denn diese sollte weder von finanzieller noch von politische Elite abhängen.

Wie auch immer man persönlich Elite definiert, jeder sollte sich des besonderen Status bewusst sein, den man mit diesem viel diskutierten Begriff vergibt. Professor Zupancic von der GGS rät daher: »Das Streben nach Elite darf ein Ziel sein, aber Elite sollte niemals ein Status sein, auf dem man sich ausruht. Denn ›wahre‹ Elite zeigt sich anhand von Werten und Charakter und muss täglich unter Beweis gestellt werden.«


Anzeige

Anzeige