Elitestudenten
Elitestudenten kallejipp/ Quelle:PHOTOCASE

Elitestudenten: Ich bin erste Sahne

Elitestudent, das hört sich doch ziemlich gut an. Aber was heißt das jetzt eigentlich nochmal genau?

»Verkauft den Fernseher!«, antwortet Michael Schmitz auf die Frage, was man anstellen muss, um als Student zur sogenannten Elite zu gehören.

»Will ich der Herde folgen, das minimal Notwendige tun und abends auf der Couch den Tatort gucken? Oder verzichte ich auf den Fernsehabend, gehe zweimal pro Woche Abends Salsa tanzen und melde mich noch für einen Sprachkurs an?«

Mit dem Thema Elitestudenten hat sich der 33-jährige Jungunternehmer intensiv auseinandergesetzt und schließlich ein Buch darüber geschrieben. Sein Credo: Elite kann jeder, man müsse lediglich lernen, Prioritäten zu setzen:

»Von ökonomischen Einschränkungen einmal abgesehen, ist das meines Erachtens nach eine reine Entscheidungsfrage: Die Abende auf dem Sofa zu verbringen, führt langfristig zum Durchschnitt, der andere Weg zu neuen technischen und sozialen Fähigkeiten.«

Ob man sein Privatleben völlig der Optimierung der eigenen Persönlichkeit unterwerfen muss, sei dahingestellt – sicherlich kann auch der Tatort-Abend mit Freunden dazu beitragen, die eigene Sozialkompetenz zu schärfen. Doch ohne Zweifel muss, wer zur Elite gehören will, dazu bereit sein, mehr Stunden und Mühen für das Studium aufzuwenden, als vielleicht durch Creditpoints vorgeschrieben oder unter andere Kommilitonen als unbedingt notwendig abgenickt sind.

Dean´s List auch an den deutschen Universitäten

Über den Willen zur Leistung hinaus bleibt es schwierig, diesen irgendwie seltsam glatten Begriff ›Elitestudent‹ wirklich dingfest zu machen. Sofort kommen einem die Bilder von den großen US-Amerikanern in den Sinn: Stanford, Yale, Harvard – diese Namen haben sich auch im europäischen Großhirn für ihre elitäre Ausbildung eingeprägt. Das mag mitunter wohl auch daran liegen, dass man mit dem Bestenkult dort nicht hinter dem Berg hält: Für jedermann öffentlich einsehbar werden die Jahrgangsbesten pro Semester auf der sogenannten Dean’s List im Netz veröffentlicht. Der Dean ist der Dekan der Fakultät oder der College-Direktor und auf seiner Liste zu landen, ist unter den Studenten heißbegehrt. Wer das schafft, wird nicht nur kollektiv bewundert, sondern erhält nicht selten besondere Förderungen und den Zugang zu attraktiven Kontakten aus der Wirtschaft. Das Prinzip ›Bestenliste‹ hat mittlerweile auch Anhänger in der deutschen Universitätslandschaft gefunden: Die RWTH Aachen, eine der renommiertesten Technischen Universitäten des Landes, hat die Topnoten-Liste seit 2008 im Programm, einmal pro Jahr wird sie von den Fakultäten erstellt.

»Die Dean’s List soll den Fakultäten, aber auch den zentralen Einrichtungen der Hochschule, ermöglichen, ausgezeichnete Studierende früh zu erkennen. Die besten Studierenden können auf diese Weise individuell gefördert und somit gezielt auf zukünftige Tätigkeiten in Forschung und Industrie vorbereitet werden«, erklärt Prof. Dr. Aloys Krieg, Prorektor für Lehre an der RWTH Aachen.

Trotz allem distanziert man sich in Aachen vom Elite-Begriff. Hier tragen die Besten das Siegel ›leistungsstarker Studierender‹.
 

Studentenelite wird nicht nur an Noten festgemacht!

Begriffliche Spitzfindigkeiten hin oder her, sind es denn wirklich nur die Noten, die einen Studenten aus der grauen Masse hervorstechen lassen? Für die Auswahl von Stipendiaten der Begabtenförderung der Studienstiftung des deutschen Volkes sind diese nur eine Komponente. Dr. Annette Julius, Generalsekretärin der Studienstiftung, erklärt, wie das Begabtenförderungswerk zum Thema steht:

»In ›Elite‹ steckt der Gedanke des Auswählens und der Exzellenz – beides trifft auf unsere Stipendiaten ohne Abstriche zu. Dennoch gebraucht die Studienstiftung diesen Begriff bewusst nicht, denn unsere Förderung zielt eben genau nicht auf die Produktion oder gar Reproduktion von Funktionseliten ab. Wir fördern Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, deren Persönlichkeit erwarten lässt, dass sie diese Fähigkeiten und Talente zum Wohl der Allgemeinheit einzusetzen.«

Persönlichkeitsmerkmale wie Eigeninitiative, Tatkraft, Neugier, Kreativität, Empathiefähigkeit, die Fähigkeit, Zweifel zuzulassen und nicht zuletzt die Einsicht in die eigenen Grenzen gehören für die Studienstiftung dabei genauso zu einem potenziellen Stipendiaten wie eine herausragende intellektuelle oder künstlerische Begabung. Noten sind längst nicht alles.

Keine Scheu, die Dinge beim Namen zu nennen, hat hingegen das Elitenetzwerk Bayern – schon im eigenen Namen findet sich die umstrittene Worthülse wieder. Bayerische Hochschulen können sich mit ihren Studiengängen bei der Initiative des Bayerischen Kultusministeriums um das Siegel ›Elitestudiengang‹ für ein exzellentes Lehrangebot mit hoher Betreuungsintensität bewerben:

»Damit bieten wir besonders motivierten und leistungsfähigen Studierenden hervorragende Bedingungen«, erläutert Henning Gießen, stellvertretender Pressesprecher des Ministeriums.


Heißt das nun, dass ein Student im Elitestudiengang an der Eliteuni eingeschrieben sein muss, um tatsächlich zur Ersten Garde des Landes zu zählen? Nun, vielleicht wäre es von Vorteil, sich nicht allzusehr in Begrifflichkeiten zu verstricken. Um sich vom studentischen Allerlei abzuheben, gibt es neben Noten und Elitesiegeln noch viele weitere Möglichkeiten – letztlich hilft es sicher, festzulegen, was man eigentlich selbst als erstrebenswert betrachtet. Sonst ist die Gefahr groß, dass einem im Hamsterrädchen fremder Ansprüche schnell Motivation und Puste ausgehen. 


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