Eventmanager: Jobs, Praktika, Berufsbild

Veranstaltungsmanager stehen hinter den gelungenen Abenden mit Knalleffekt und Wohlfühlcharakter

Foto: busdriverjens / Quelle:PHOTOCASE

Wichtig: Leidenschaft

Eine Feier, die keiner so schnell vergisst. Ein Festival, das Newcomer zu Legenden werden lässt. Ein gemütlicher Abend, an dem man alle Sorgen vergessen kann. Veranstaltungsmanager lassen diese Dinge immer wieder Realität werden. »Wir machen das, weil wir’s geil finden«, grinst mich Andreas Klenk an. Er arbeitet als Booker für ein Nürnberger Musikzentrum. Für ihn ist eindeutig, worauf es beim Veranstaltungsmanagement ankommt:

»Die Leidenschaft ist der springende Punkt für die ganze Sache. Wenn ich sage: Ja, ich kann mich acht Tage am Stück so reinknien, dass ich hinterher kaputte Fingernägel und vier Kilo verloren habe, weil ich so wenig geschlafen und gegessen habe und nur gerannt bin. Ich glaube, wenn einem so etwas gefällt, dann weiß man, dass man richtig ist. Man muss sich damit auch mal selber überfordern wollen. Ich glaube, wenn man das alles durchsteht und trotzdem sagt: Ja, ich will das, auch wenn es mal weh getan hat, dann bleiben die richtigen dabei!«

Andreas hat Soziologie und Politikwissenschaft auf Diplom studiert. Nebenbei hat er angefangen, mit anderen ein Festival zu organisieren. Schließlich durfte er sein Hobby zum Beruf machen. Dabei hilft ihm sein ›fachfremdes‹ Studium dennoch:

»Als Soziologe hat man prinzipiell einen Werkzeugkasten für das Verständnis für die entstehenden Probleme, wenn Menschen in Gruppen zusammen auftreten und verschiedene Interessen und Gefühle aufeinanderprallen. Das passiert in dem Job eben auch immer wieder, zwischen Bands und Veranstaltern, dem Publikum, Managern und so weiter. Es ist nützlich, einen rationalen und erklärten Blick auf diese Probleme behalten zu können.«

Herausforderungen, viel Arbeit, aber Spaß

Über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen ist gerade für Menschen aus der Kulturszene wichtig, deshalb haben deren Manager auch eine bunte Mischung verschiedener Ausbildungshintergründe. »Wichtig ist in erster Linie nicht: Habe ich Kulturmanagement studiert, sondern habe ich Kultur gemanagt?«, unterstreicht Andreas. Nur dann merkt man, ob man die Herausforderungen des Berufes lieben kann. Man muss bereit sein, nicht nur befristet einmalig eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen, sondern jeden Tag sehr viel zu arbeiten, nachzuhaken und schon das nächste Event ins Auge zu fassen.

Soziologie hilft Andreas im Nachhinein beim Veranstaltungsmanagement gerade deshalb, weil viel zwischenmenschliches Feingefühl gefragt ist. Bands, Labels, Booker, Locations, Fans – alle wollen befriedigt werden und überall können Probleme durch falsche Kommunikation entstehen. Außerdem muss man wissen, was die eigene Generation, den Zeitgeist gerade bewegt. Dafür betreibt man zwar keine Sozialforschung, aber man hört eben doch mit den wissenschaftlich-trainierten Ohren hin.

Prinzipiell wiederholt sich das Schema des Organisierens, ganz egal, um welche Art von Kunst oder Kultur es sich gerade handelt. Von der eben organisierten Ausstellung im Museum kann man auch für das Management eines Rockkonzerts profitieren. Ein wichtiger Faktor für Andreas ist dabei die Begeisterung für das inhaltliche Ergebnis seiner Arbeit:

»Ich habe mir damals schon gedacht: Konzerte, da habe ich Lust drauf. Ich mag Veranstaltungen mit Bühne, wo es laut ist und irgendwie knallt.«

Erfahrungen sammeln ist das A und O

Sein Kollege Pablo Elsner, gelernter Schneider, hat in der Gastronomie angefangen und immer mehr Verantwortung übertragen bekommen. Mittlerweile sitzt er auch im Büro und hilft bei der Organisation. Viel hat im Veranstaltungsmanagement mit Erfahrung zu tun. Nicht nur, dass man eine Genehmigung braucht, um Gehwege zu überfahren, auch andere Dinge treiben Pablo immer wieder um: »Für das Sommerfest braucht man eine Genehmigung.

Wenn man auf die erstmal warten muss oder sie im Haus verloren geht, weil jemand die Post nicht weiterträgt, ist man aufgeschmissen. Bei den Behörden wird eben kein Auge zugedrückt. Mit allen anderen kann man normalerweise reden. Man vergisst zum Beispiel, die Zapfanlage zu bestellen und in dem Moment ist alles verliehen, weil gerade Bierzeltzeit ist – dann muss man sich schnell eine Alternative überlegen.«

Am Ende hofft man, dass alles klappt und – so man auch vor Ort die Leitung innehat – man nicht mehr so viel rennen muss, weil irgendetwas nicht vorhanden ist. Natürlich passieren jedem am Anfang ein paar größere Fehler. Die kann man vermeiden, wenn man sich mit Leuten austauscht, die bereits Erfahrung gesammelt haben. Pablo hat an sich selbst den Anspruch, es für die Band und alle Beteiligten so angenehm wie möglich zu machen, da er als Künstler auch schon anderes erlebt hat. Wobei oft die Künstler selbst weniger Ansprüche haben als ihre Agenturen.

Der ganze Stress wird dafür auch belohnt: »Das Ergebnis versöhnt einen eigentlich immer wieder: Am Abend ist man dann als Gast oder Abendleitung da und man sieht das Konzert und man bekommt positive Rückmeldungen.« Ein Highlight ist es vor allem dann, wenn man den Nerv treffen konnte und Karten schon im Vorhinein ausverkauft sind.

Eventmanagement: Studium 

Deborah Teichmann hat sich dafür entschieden, Sport-, Event- und Medienmanagement am Campus M21 zu studieren. Sie wollte schon immer im Medienbereich tätig sein: »Fernsehen machen gefällt mir immer noch am meisten. Ich will aber gar nicht vor die Kamera treten, sondern neue Ideen und Entwicklungen begleiten. Ich bin zum Beispiel ein Fan von Jan Böhmermann und dem, was die dahinterstehende Produktionsfirma Bildundtonfabrik macht.« Das ›Neo Magazin Royale‹ ist beim jungen Zielpublikum überaus erfolgreich.

Deborah gefällt, dass sie im Studium in einer relativ kleinen Gruppe eine praktische Ausbildung bekommt: »Wir setzen auch direkt Projekte um, morgen stellen wir zum Beispiel ein Sportevent auf die Beine. Da lernt man, alle Medien und Presseleute zu aktivieren, im Social Media aktiv zu sein, alles zu planen und umzusetzen.« An der Privathochschule wird der Student noch individuell betreut und eingebunden. So kann man sich gezielter schon während des Studiums mit dem auseinandersetzen, was man später beruflich machen möchte.

Klar kommt man grundsätzlich auch mit einem gesunden Menschenverstand in der Branche zurecht und muss einfach seine Erfahrungen sammeln. Es hilft aber, Ansprechpartner zu haben, die das alles bereits erlebt haben und auf die eigenen Fragen eingehen können:

»Unsere Dozenten kommen aus der Wirtschaft und haben sehr viel Ahnung, die sind auch nach der Vorlesung noch da und man kann sie ansprechen. Die erzählen auch lustige Sachen, Fehler, die man sich gar nicht hätte denken können, dass die passieren. Die Dozenten sagen aber auch: Ihr müsst es einfach ausprobieren!«

Illusionen macht sich Deborah nicht, sie weiß, dass Veranstaltungsmanager kein Rockstarleben führen:

»Ich habe mich für eine Branche entschieden, die anstrengend sein kann. Wir dürfen auch nie daran denken, worauf wir selbst Lust haben, sondern woran die Menschen gerade interessiert sind. Wir fragen nach dem, was der Markt gerade will. Es bringt ja nichts, seine Show zu positionieren, wenn das jegliches Zielpublikum am Ende kalt lässt.« 

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