Fast Moving Consumer Goods

Prof. Dr. Bernhard Heidel, Hochschule RheinMain (Marketingforscher)
Fast Moving Consumer Goods Bernhard Heidel

Robuster Markt für Schnell-Rotierer

Wirtschaftswissenschaftler, die bei Handel und Herstellern von schnell rotierenden Waren des täglichen Konsums für Gewinne und effiziente Produkt-Ströme sorgen, sind heiß begehrte Fachkräfte auf dem Akademiker-Arbeitsmarkt. Zu den Top-Arbeitgebern gehören Lebensmittel-Giganten wie Nestlé, Procter & Gamble oder Coca-Cola. Doch die Ausweitung des Online-Handels lässt die Anforderungen an den Nachwuchs steigen.

 

Vor rund zehn Jahren startete die Coca-Cola-Company in Atlanta (USA) eine weltweite Werbekampagne um einen verzauberten Flaschenautomat: In TV-Spots, die an verschiedenen Orten des Globus angesiedelt sind, werfen Menschen Geld in einen Coca-Cola-Spender und warten auf die Ausgabe des Erfrischungsgetränkes. Hinter den Kulissen entfaltet sich in wenigen Sekunden ein ganzes Reich an skurrilen Apparaten, seltsamen Wesen und Robotern, die fieberhaft an der Befüllung, Verkronung und Kühlung einer Cola-Flasche arbeiten. Am Ende entnimmt der nichtsahnende Konsument den Durstlöscher und trottet davon.

 

Die Idee, dass hinter einem täglich konsumierten, selbstverständlichen Produkt ein komplexes System an Logistikern steckt, das der Normalverbraucher nicht wahrnimmt, ist so etwas wie der Running Gag eines ganzen Branchensegments: nämlich das der „Fast Moving Consumer Goods“, einer der häufigsten und derzeit attraktivsten Arbeitgeber für Absolventen der Wirtschaftswissenschaften. Die sogenannten „Schnelldrehenden Produkte“ bezeichnen im Handel – im Gegensatz zu den in Fachkreisen auch „Langsamdreher“ genannten Ladenhütern – Artikel, die schnell im Verkaufsregal wechseln und damit „rotieren“, wie Kenner des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) sagen. Darunter fallen Konsumgüter des täglichen Bedarfs wie Nahrungsmittel, Körperpflegeprodukte oder Reinigungsmittel – also Produkte, die Menschen routiniert und ohne lange zu überlegen einkaufen. Die Konsumausgaben in Deutschland im Segment „Fast Moving Consumer Goods“ (FMCG) liegen jährlich bei rund 1,42 Billionen Euro.

 

Die Riesenbranche besteht aus Herstellern, Händlern, vor allem dem Lebensmitteleinzelhandel sowie aus dessen Dienstleistern, wie zum Beispiel IT-Beratung, Logistik und Werbeagenturen. Regelmäßig auf Karrieremessen vertreten und gezielt auf der Suche nach FMCG-Nachwuchs aus WiWi-Kreisen sind die bekannten großen Namen wie Aldi Süd, Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG, Edeka, LIDL, L' Oréal und Procter & Gamble.

 

„Der Bereich FMCG ist für Wirtschaftswissenschaftler einer der größten Arbeitsbereiche“, bestätigt Prof. Dr. Bernhard Heidel, Marketingforscher an der
 Hochschule RheinMain. „Die Jobperspektiven in Deutschland sind nach wie vor gut, vor allem im Vertrieb, aber auch im Marketing, der Logistik oder dem Controlling. Der Bereich FMCG ist robust und hat nicht die Ausschläge nach oben oder nach unten wie das zum Beispiel im Bereich Maschinenbau der Fall ist.“

 

Prof. Dr. Bernhard Herold, der an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe den Studiengang „BWL – Handel“ leitet bestätigt:

 

„Um es ganz einfach auszudrücken: Gegessen wird immer, und in schlechten Zeiten steigen zum Teil sogar die Ausgaben für Kosmetik – nach dem Motto: Man gönnt sich ja sonst nichts. Dies ist natürlich schon mal ein Vorteil für die Jobperspektiven von Wirtschaftswissenschaftlern.“

 

FMCG-Experte Heidel, der Wirtschaftswissenschaftler mit Schwerpunkt Marketing ausbildet, betont jedoch, dass die Anforderungen an die Absolventen steigen.

 

„Sehr gute Englischkenntnisse, zwei bis drei Praktika für Master-Absolventen und mindestens ein bis zwei Praktika für Bachelorabsolventen werden erwartet“, berichtet Heidel, der für das Studienangebot an der Hochschule RheinMain auch mit zahlreichen Unternehmen zusammenarbeitet. „In einzelnen Bereichen werden sehr gute EDV-Kenntnisse sowie Kenntnisse über die Wirkungsweise der sozialen Medien erwartet.“

 

Dies habe mittlerweile dazu geführt, dass nicht alle Absolventen die Kriterien der Arbeitgeber erfüllten. Prof. Dr. Bernhard Herold von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg macht in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass der weltweite Wettkampf der Talente härter wird:

 

„Eine zunehmende Internationalisierung der Unternehmen im Bereich FMCG, oft verbunden mit Konzentrationsprozessen, begünstigt auch eine Internationalisierung beim Personal“, erklärt Herold. „Insbesondere weltweit ausgerichtete Unternehmen werden zur Deckung ihres Bedarfs an Wirtschaftswissenschaftlern ihre Suche zunehmend auch auf ausländische Hochschulen ausdehnen.“

 

Viele Arbeitgeber wünschen sich mehr Praxiserfahrungen im Studium, weshalb mehr und mehr Hochschulen mit handelsorientierten WiWi-Angeboten berufsbegleitende Studienkonzepte entwickeln. Ein Vorreiter dabei ist die Duale Hochschule Baden Württemberg mit einem Modell, das von der Wirtschaft initiiert wurde und sich mit aktuell über 35.000 Studierenden zur größten Hochschuleinrichtung Baden Württembergs entwickelt hat. Das Studium zum Bachelor erstreckt sich über drei Jahre, im Rhythmus von 12 Wochen wechseln sich Praxis- und Theoriephasen ab. Während der Praxisphasen erwerben die Studierenden im Ausbildungsunternehmen betriebliche Fachkenntnisse. Ohne lange Einarbeitungszeiten können sich die Absolventen dann mit dem Berufseinstieg ihrer beruflichen Karriere widmen.

 

„Vor dem Studium gilt es aber, den Auswahlprozess in den Unternehmen erfolgreich zu durchlaufen, um einen Ausbildungsvertrag zu erhalten“, sagt Prof. Herold. „Damit einher geht dann auch eine adäquate Ausbildungsvergütung für die Dauer des gesamten Studiums.

 

Zwei Entwicklungen im Bereich FMCG beobachten Hersteller und Einzelhandel schon seit Jahren mit Argusaugen:

 

„Zum einen das auf dem deutschen Markt besonders ausgeprägte Qualitätsbewusstsein der Konsumenten, das unter anderem immer stärker den Gesundheits-, aber auch Ethikaspekt berücksichtigt“, erläutert FMCD-Experte Herold. „Und die Befriedigung aufgestauter Bedürfnisse in Ländern in denen immer breitere Bevölkerungsschichten zunehmend zu Wohlstand gelangen. Sozialer Aufstieg wird hier häufig mit einer westlichen Lebensweise verbunden.“

 

Nicht nur China stelle deshalb einen Markt mit großem Absatzpotential für den Bereich FMCG dar.

 

Auch im FMCG-Segment ist „Multi-Channel“ und die damit einhergehenden Online-Shops der derzeit beherrschende Trend, da auch im FMCG der Versand über das Internet zunimmt.

 

„Weitere aktuelle Themen sind neue Technologien wie Micropayment, Selfscanning, elektronische Auszeichnung sowie alle Möglichkeiten, den Backoffice-Bereich zu rationalisieren“, weiß Prof. Heidel von der Hochschule RheinMain. Im FMCG laute eine der zentralen Fragestellungen, wie die Austauschbarkeit der Marken verhindert werde. „Händler wie Hersteller stehen vor der Herausforderung, dass das klassische Marketing nicht mehr greift“, sagt Heidel.

 

Daher werde es künftig noch wichtiger werden, die Marken zu schärfen und den Kern so zu entwickeln, dass die Kunden einen besonderen Nutzen erkennen. Und der könnte ja zum Beispiel in dem besonderen Gefühl stecken, das uns ein verzauberter Flaschenautomat gibt...

 

 

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Foto: Pixabay / CCO

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