Karriere als Wirtschaftswissenschaftler beim Discounter

Kleine Preise, große Karriere? Bei Discountern warten nicht nur Schnäppchen, sondern auch ein buntes Sortiment an Einstiegsmöglichkeiten

Regale einräumen, an der Kasse sitzen und auch mal einen Becher Joghurt aufwischen, den ein Kunde fallen ließ – so stellt man sich die Arbeit in einem Discounter vor. Vielleicht kennst du das Arbeitsleben im Einzelhandel ja bereits aus deinem Studentenjob und glaubst, es in deinem späteren Büroalltag zu vermissen. Warum also nicht die beiden Welten vermischen und das Beste aus jeder rausholen? Genau das ist als Absolvent bei einem Discounter möglich.

Abgrenzung: Discounter vs. Einzelhandelsgeschäft

Doch warum eigentlich diese Abgrenzung zu einem herkömmlichen Einzelhandelsgeschäft und was bedeutet Discounter eigentlich? »Der Begriff ›Discount‹ kommt aus dem Englischen«, erklärt Sebastian Schulz, seit April Category Analyst bei Penny Markt, »und bedeutet so viel wie Preisnachlass. Bei Discountern handelt es sich also um Einkaufsstätten, bei denen Gebrauchs- und Verbrauchsgüter, insbesondere des täglichen Bedarfs, zu besonders günstigen Preisen angeboten werden.«

Anja Knobloch, Abteilungsleiterin Personalentwicklung bei Kik, ergänzt als Prinzip des Discounthandels die Kunst des Weglassens: »Durch Mengenbündelung, Direktimporte, eine effiziente Logistik, eine zentrale und schlanke Verwaltung sowie durch Filialen, deren Gestaltung der optimalen Warenpräsentation verpflichtet ist, realisieren wir Kostenvorteile, die wir über günstige Preise an unsere Kunden weitergeben.«

Discounter: Kleine Preise, große Karriere! Foto: complize/Quelle: PHOTOCASE
Discounter: Kleine Preise, große Karriere!

Arbeiten beim Discounter: stetig im Wandel

Sebastian Schulz reizt an seiner Tätigkeit bei einem Discounter vor allem, dass diese seit Jahren stark im Wandel sind. Zum einen ändern sich die Ansprüche der Kunden schnell, zum anderen steigen selbige aber auch, die Bereitschaft höhere Preise zu bezahlen hingegen nicht. Begriffe wie Kundennutzen, Strategie, Komplexität, Herausforderungen, Verantwortung, Mut und Leidenschaft sind in seinem Arbeitsleben nicht nur Theorie, sondern täglich gefragt.

Im Category Management (CM)/Einkauf unterstützt der 28-Jährige Führungskräfte bei der operativen und strategischen Entscheidungsfindung, was hierbei unter anderem die Sortimentsgestaltung, Preisfindung oder auch die Lieferantenverhandlung betrifft. »Der Fokus meiner Arbeit liegt in der Identifikation von Artikel- und Warengruppenpotenzialen und in der Erarbeitung umsetzungsorientierter Empfehlungen«, beschreibt der Betriebswirt. Für diese Empfehlungen analysiert er Abverkaufs-, Bestands-, Profitabilitäts- sowie Marktforschungs- und Kundendaten, um damit Kundenverhalten und wirtschaftliche Auswirkungen transparent zu machen.

Ein Arbeitstag beim Discounter Penny

Sein Arbeitstag beginnt damit, dass sich Schulz mit Hilfe von Reportings einen Überblick über die Performance von Penny verschafft. Anschließend erstellt er selbst Berichte und Ad-hoc-Auswertungen und bespricht die Ergebnisse mit Kollegen aus dem Einkauf. »Da ich mich immer noch in der Einarbeitungsphase befinde, habe ich auch die Möglichkeit, Einblicke in die Arbeit meiner Kollegen zu erhalten und zum Beispiel an Kategorie-Basis-Analysen und Verkostungen teilgenommen«, sagt der Absolvent der TU Dresden.

Besonders herausfordernd an seinem Job sei, dass man sich ständig auf neue Situationen einstellen, sich in umfangreiche Projekte einarbeiten und bei den vielen, unterschiedlichen Aufgaben gut organisieren muss. Die meiste Zeit verbringt er zwar im Büro, es gibt aber auch Phasen, in denen er ›vor Ort‹ in einer Penny-Filiale ist. »Die möchte ich nicht missen, da man dadurch einen guten Überblick über das Sortiment und die Umsetzungsmöglichkeiten von Strategien bekommt«, sagt Schulz.

Berufseinsteiger müssten sich besonders auf die ›Hands-on‹-Mentalität einstellen, findet Lena O., die nach ihrem Statistik-Studium an der TU Dortmund im Einkaufscontrolling/Warensteuerung beim Textil-Discounter Kik eingestiegen ist. »In meinem Arbeitsalltag beschäftige ich mich unter anderem mit der Verteilung von Ware nach ganz Europa. Zum einen sind Erstverteilungen dabei, aber auch häufig die Nachsteuerung der Ware. Zudem bin ich mit einer Kollegin für die Überprüfung der rückgeführten E-Commerce Ware zuständig«, beschreibt die 26-Jährige. Auch ihre Statistik-Kenntnisse aus dem Studium kann sie gezielt mit einbringen und erstellt Clusterverfahren und Regressionsanalysen.

Karriere beim Discounter: Klare, strategische Positionierung!

Der Einzelhandel hat Lena O. schon immer interessiert und sie wollte Strukturen und Prozesse kennenlernen. Für einen Discounter hat sie sich aufgrund der klaren, strategischen Positionierung entschieden und weil sie die Möglichkeit hat, ihr Wissen zu statistischen Optimierungsverfahren einzubringen. »Ich kann hier die operativen wirtschaftlichen Abläufe des Unternehmens kennenlernen und es ist für mich immer wieder spannend, diese Prozesse mit Hilfe mathematischer Verfahren zu verbessern«, sagt sie. Dass Discounter wegen ihrer Kostenorientierung an Mitarbeiterleistungen wie Weiterbildung, Gehalt oder Entwicklungsmöglichkeiten sparen würden, kann sie nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil sei den Verantwortlichen bewusst, dass die Mitarbeiter wesentlich zum Unternehmenserfolg beitragen. Auch Sebastian Schulz kann die Vorurteile gegenüber Discountern entkräften und betont, dass von schlechter Bezahlung, geringer Produktqualität oder schlechter Arbeitsatmosphäre bei Penny keine Rede sein kann.

Wer sich selbst davon überzeugen möchte, kann als Praktikant das Arbeitsleben in einem Discounter kennenlernen. Praktische Erfahrungen sind generell notwendig, wenn man im Einzelhandel Fuß fassen möchte. Lena O. hat nach ihrem Studium den Direkteinstieg gewählt, »darüber hinaus besteht die Möglichkeit, über ein Traineeprogramm erste Berufserfahrung zu sammeln und somit die Weichen für die berufliche Zukunft zu stellen«, resümiert Kik-Personalerin Anja Knobloch. Auch bei Penny Markt sind erste Erfahrungen durch Praktika gefragt und auch ein Auslandsaufenthalt ist gern gesehen. »Hat man die Bewerbungsrunde geschafft, wartet ein abwechslungsreicher Job. Jahr für Jahr hat man mit seinem Vorgesetzten Entwicklungsgespräche und kann sich entsprechend seiner Potenziale weiterentwickeln«, sagt Schulz. Neben den vorgestellten Tätigkeiten im Category Management und dem Einkaufscontrolling bieten Discounter natürlich auch Einstiegsmöglichkeiten im Marketing, Logistik, Human Resources, Rechnungswesen, Strategie und Vertrieb. So wie in der Filiale selbst, sollte auch hier für jeden Geschmack etwas dabei sein.

Text: Kristine Bischof

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Fakten zu Discountern:

Knapp 4,1 Millionen Menschen gaben 2013 an, ihre Bekleidung hauptsächlich bei Discountern zu kaufen.


2013 erwirtschaftete Penny einen Umsatz von brutto rund 7,4 Milliarden Euro und stand damit nach Aldi, Lidl und Netto auf Rang vier. In Österreich kam Penny auf einen geschätzten Bruttoaußenumsatz von rund 876 Millionen Euro.


Die Deutschen kaufen ihre Lebensmittel am liebsten bei Discountern: 2013 setzten die Lebensmittel-Discounter gut 64 Milliarden Euro um – so viel wie keine andere Betriebsform.


4.251 Filialen betrieb die Aldi-Gruppe 2013 in Deutschland und besetzt damit den ersten Platz auf der Liste als führender Discounter (Quelle: Statista).