Schuh der auf Banane tritt

Karriere als Risikomanager

Unternehmerisches Handeln bedeutet, Risiken einzugehen. Risikomanager passen auf.

Im Immobiliensektor oder in der Automobilbranche, in Controllingabteilungen, Ratingagenturen oder in Banken und Versicherungen – alle Tätigkeiten, die auf die Erschließung von Chancen und den Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens abzielen, sind mit bestimmten Risiken verbunden. Schließlich ist ja nicht gesagt, dass immer alles glatt geht! Zu ihrem eigenen finanziellen Wohl und dem ihrer Stakeholder sind viele Unternehmen daher auf Sicherheit bedacht, finanzielle Wagnisse werden möglichst umschifft.

Das funktioniert allerdings nur, wenn unternehmerische Risiken rechtzeitig identifiziert und ihre Eintrittswahrscheinlichkeit und Auswirkungen analysiert und bewertet werden. Da sich einige Firmen vor dieser Aufgabe ab und an gedrückt haben – Risiken sind eben keine angenehme Sache – gibt es das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (Kontrag). Durch das Kontrag wurde 1998 ein Absatz (§91 abs. 2) ins Aktiengesetz eingefügt, um deutsche, börsennotierte Unternehmen zu verpflichten, ein Risikomanagement-System einzurichten und sich so ihren bestehenden und drohenden unternehmerischen Risiken zu stellen.

Mit jenen Risiken umzugehen, um so das finanzielle Wohl des Unternehmens zu sichern, ist Aufgabe eigens zuständiger Risikomanager

Welche Risiken es für jedes Unternehmen genau zu betrachten und abzuwehren gilt, hängt von der jeweiligen Branche ab. »In der Finanzindustrie liegt das Augenmerk natürlich auf den klassischen Finanzrisiken, während in Industriebetrieben eher technische oder operationelle Risiken im Fokus stehen, zum Beispiel die Sicherung der Lieferkette oder strategische Marktveränderungen. Daneben rücken branchenübergreifend auch mehr und mehr die sogenannten ›weichen Gefahrenpotenziale‹ wie Reputationsschäden, Auswirkungen der demografischen Entwicklung und rechtliche oder regulatorische Risiken in den Mittelpunkt«, weiß Dr. Roland Franz Erben, Vorstandsvorsitzender der Risk Management Association (RMA).

Risiken einschätzen und daraus Kreditentscheidungen ableiten, Kreditvorlagen erstellen oder Objektrecherchen und ihre Beschaffungsprüfung durchführen – das sind nur einige Aspekte, die zum Aufgabengebiet des Risikomanagers gehören. Dimitrios Dimitrakopoulos, Head of Risk Management beim Leasingsanbieter und Autovermieter Sixt, gibt einen Einblick in seinen Alltag: »Bei Sixt ist das gesamte Risikomanagement enorm breit gefächert. in den beiden Geschäftsbereichen Leasing und Autovermietung im In- und Ausland gehört unter anderem das operative Kreditrisikomanagement zu den Tätigkeiten eines Risikomanagers. Die Aufgabe von Kreditanalysten ist es hier, Kunden und Geschäfte mit Kreditrisiken zu analysieren, zu bewerten und innerhalb der risikopolitischen Vorgaben zu steuern und laufend zu überwachen. Als Risikomanager bei Sixt liegt der Schwerpunkt der Tätigkeit darüber hinaus auf Analyse, Bewertung und Reporting der relevanten Risiken auf Portfolio-Ebene. Die Sixt Leasing AG unterliegt als Finanzdienstleistungsinstitut der Aufsicht nach dem Gesetz über das Kreditwesen. Dazu gehört auch die selbstständige Weiterentwicklung der angewendeten Methoden und eingesetzten Verfahren und Prozesse.« Klingt nach einer Menge Zahlenjonglieren! Wer sich für den Beruf des Risikomanagers interessiert, sollte daher auf jeden Fall wirtschaftswissenschaftliches Interesse und ein Faible für allerlei Kennzahlen besitzen. Sixt beispielsweise ist ständig auf der Suche nach

»Absolventen mit wirtschaftswissenschaftlichem Studium mit Schwerpunkt Risikomanagement, Bankwesen, Finanzen oder Controlling«.

Dr. Roland Franz Erben rät aber auch Absolventen anderer Fachrichtungen, beispielsweise Naturwissenschaftlern, Psychologen oder Juristen, den Einstieg ins Risikomanagement in Betracht zu ziehen, »Risikomanagement ist schließlich immer interdisziplinär ausgerichtet«. Für ihn ist das Risikomanagement eine einzigartige Möglichkeit, einen guten Einblick ins neue Unternehmen zu erhalten:

»Risikomanagement ist eine klassische Querschnittsfunktion, die sich durch das ganze Unternehmen zieht. Insofern handelt es sich beim Risikomanagement um einen idealen Einstiegsbereich, den man am besten als Trainee kennenlernt.«

Erben bedauert es, dass »eine fundierte Ausbildung im Risikomanagement bisher nur an sehr wenigen Hochschulen geleistet wird« und hält daher umfangreiche unternehmensinterne Weiterbildungsprogramme für unentbehrlich. ›Learning-by-doing‹ heißt das Motto, im Risikomanagement ist schließlich ein sehr breites Spektrum an Fragestellungen abzudecken: juristische oder organisationstheoretische aspekte, mathematische oder statistische Probleme bei der Risikomodellierung, naturwissenschaftliche Gefahrenanalysen, psychologische Aspekte der Risikowahrnehmung und zum Schluss die IT-technische Abbildung der Prozesse.

Das alles geschieht natürlich softwaregestützt

Daher ist klar, dass der sichere Umgang mit MS-Office, Rating Tools und Datenbanken zum Know-how eines jeden angehenden Risikomanagers gehört. Trotzdem ist es im Risikomanagement überhaupt nicht angesagt, sich nur und ausschließlich hinter Computerbildschirm und Zahlenbergen zu verschanzen. Kommunikationsstärke, Engagement und Eigenmotivation sind genauso erforderlich wie die Bereitschaft, unternehmerisch zu handeln, Verantwortung zu übernehmen und, wie Dr. Erben betont, »über den Tellerrand hinauszudenken«. Eventuelle Risiken, die in den einzelnen Geschäftsbereichen drohen, wollen schließlich beizeiten und mit Nachdruck kommuniziert werden. Bewerber, die hinter jeden Punkt auf der Anforderungsliste einen dicken Haken setzen können, werden von Unternehmen mit offenen Armen empfangen. Die Möglichkeiten, für eine Weile ins Ausland zu gehen, sind im Risikomanagement ebenfalls gegeben, wie Dr. Erben, der selbst Betriebswirtschaftslehre studiert hat, erklärt:

»Risikomanagement tangiert jeden Bereich eines Unternehmens, jede Abteilung und jede Niederlassung. Insofern hat ein Risikomanager per se viel im Ausland zu tun.«

Dort, wie auch hierzulande, steigt seit der Finanz- und Eurokrise die Nachfrage nach Risikomanagern stark an. Diese Tendenz bestätigt auch die Studie ›Krise. Risiko. Management‹ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. Sie besagt, dass rund 60 Prozent der deutschen Unternehmen ihr Risikomanagement in Zukunft anpassen und verstärken möchten. Besonderes Augenmerk soll auf der stärkeren Verknüpfung der einzelnen Arbeitsschritte im Risikomanagement und der Bereiche liegen, in denen Risiken auftreten können. Dazu kommt, dass immer wieder neue Risiken entstehen, denen es sich zu stellen gilt. Dimitrios Dimitrakopoulos von Sixt sieht das genauso und ermutigt Absolventen, ins Risikomanagement zu gehen.

»Die Themenvielfalt und die Tatsache, dass es im Risikomanagement überhaupt keinen Stillstand gibt, finde ich besonders spannend. Alles entwickelt sich in einem hohen Tempo weiter«, schwärmt der Diplom-Volkswirt.

Rosige Aussichten für angehende Risikomanager also – die Risiken für die eigene Karriere sind nämlich gering.

 


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