Textilbranche: Wo du als Ökonom Karriere machst

»Plötzlich wird man nicht mehr durch den persönlichen Geschmack alleine beeinflusst«, erzählt Carolin Egbring und erklärt, wie sich persönliche Interessen, berufliche Brille und fachliches Wissen für sie in ihrer Tätigkeit als Junior Managerin Sales Online bei Marc O’Polo ergänzen. Heute hat sie ihr Modeinteresse mit in den Beruf integriert:

»In meinem Job geht es darum, Kunden aus dem E-Commerce und Katalogsegment Bekleidung unserer Marke zu verkaufen, die dieser dann – online oder in Form eines Katalogs – an die jeweiligen Kunden weiterverkauft.«

Dies sei die einfache Beschreibung, denn ihr Aufgabengebiet erstreckt sich von Auswertungen über Trendanalysen und Kundenbetreuung bis hin zu Orderempfehlungen und Verkaufstätigkeiten. Egbring, die einen Bachelor of Engineering in ›Bekleidung, Technik und Management‹ mitbringt, hat sich früh für den Textilbereich interessiert und schon während der Schul- und Studienzeit Praktika in unterschiedlichen Unternehmen in diesem Bereich absolviert. 

Foto: Fräulein.Palindrom / Quelle: PHOTOCASE
BWLer in der Textilbranche

Consultant Brand Marketing bei s. Oliver

Dieses frühe Interesse an der Mode- beziehungsweise Textilbranche bringt auch Lena Dutz mit, die nach ihrem BWL-Studium als Consultant Brand Marketing bei s. Oliver tätig ist. Die 28-Jährige hat während ihres Studiums vielseitige Erfahrungen in der Modebranche gesammelt und war bereits zwei Jahre im Management Consulting zuständig. Eine ihrer Hauptaufgaben ist es, flexibel zu reagieren:

»Das Konsumentenverhalten ändert sich heutzutage rasant, Medien sind schnelllebiger und vieles funktioniert in anderen Ländern anders als im deutschen Markt. In diesem Kontext müssen wir Kommunikationskonzepte kurzfristig anpassen und verändern.«

Nein, einen normalen Arbeitstag gäbe es nicht, erklärt Dutz. Dies sei im Brand Marketing in der Modeindustrie in einem Unternehmen, das zwölf Kollektionen im Jahr pro Sublabel lanciert, nicht möglich. Allerdings gehört es zu einer ihrer Hauptaufgaben, »s.Oliver als Marke zu emotionalisieren und der Zielgruppe entsprechend zu kommunizieren«.

Kampagnenkonzepte müssen erstellt, Maßnahmen und Kommunikationsmittel geplant und über verschiedene Vertriebskanäle im Rahmen einer 360-Grad-Kommunikation umgesetzt werden.

Dabei gemütlich ein einzelnes Konzept Schritt für Schritt abzuarbeiten, davon sollte man sich allerdings verabschieden, denn viele Projekte und Prozesse laufen parallel. »Während man an der Planung einer neuen Kampagne arbeitet, befindet sich die andere in der Hochphase der Umsetzung oder es kommen zusätzliche kurzfristige Marketing-Aktionen hinzu«, schickt Dutz voraus.

Traineeship nach dem MBA

Die Schnelllebigkeit der Branche prägen auch den Arbeitsalltag von Elena Wiebe, die nach ihrem Master of Business Administration mittels eines Traineeprogramms mit dem Schwerpunkt ›International Sales‹ bei Brax als Junior Country Sales Managerin für die Länder Niederlande, Belgien, Luxemburg, Österreich und Middle East eingestiegen ist. Die 30-Jährige analysiert die Artikel und entwickelt geeignete Maßnahmen zur Umsatzsteigerung:

»Teilweise fahre ich zu den Kunden und Agenturen aus meinem Ländergebiet und betreue diese vor Ort. Intern tausche ich mich viel mit den Produktmanagern aus und gebe Hinweise zu den Kollektionsbesonderheiten für die verschiedenen Länder«, beschreibt Wiebe, die während ihrer Einarbeitungszeit sehr vom Unternehmen unterstützt wurde.

Vom individuellen Integrationsprozess und dem Kennenlernen der bis zu 20 ausgewählten Abteilungen im Unternehmen über verbindliche Feedbacktermine mit dem Vorgesetzten hin zur Unterstützung durch einen Paten.

Diese individuelle Personalbetreuung liegt unter anderem in der Hand von Wiebes Kollegin Sarah Wittig, die als Junior Personalreferentin gemäß der Unternehmensmaxime den Mitarbeiter als Individuum sieht – mit der glücklichen Konsequenz, dass sie in ihrem Job wenigen standardisierten Aufgaben gegenübersteht: »Ich brauche die Abwechlung, das Lebendige und die Vielfalt«, erklärt die 27-Jährige.

»Die wichtigsten Aufgaben sind vor allem das Recruiting auf verschiedenen Kanälen, der Kontakt zu den Bewerbern sowie die Organisation und Durchführung von Vorstellungsgesprächen und Neueinstellungen.

Außerdem organisiere und begleite ich die zahlreichen Job-Messen, an denen wir teilnehmen, und das weitreichende Angebot an Seminaren für unsere Mitarbeiter. Somit bearbeite ich eine Vielzahl von verantwortungsvollen Aufgaben aus dem Bereich der Personalbetreuung- und entwicklung«

Worauf sich Interessenten bei einem Einstieg einstellen müssen beziehungsweise dürfen, kann sie daher ganz genau sagen: flexibel und offen für Neues sollen sie sein. Es sei aber auch sinnvoll, wissbegierig zu bleiben und den Spaß an der Arbeit nicht zu verlieren, unabhängig von den vielen Teilbereichen der Textilbranche. Wer sich wie Carolin Egbring von Marc O’Polo für den Vertrieb entscheidet, sollte Motivation, Offenheit und strukturiertes Arbeiten mitbringen – und natürlich ein gewisses Modeverständnis. Sonst noch was?

»Nach dem Studium hat man diverse Ideen, die man umsetzen möchte, die sich jedoch in der Arbeitswelt nicht so einfach verwirklichen lassen. Ich habe gelernt, dass man an diesen Ideen festhalten und konstruktiv an einer Realisierung arbeiten sollte. Die Mühe zahlt sich häufig aus.«

 

Text: Evelyn Eberl

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Lena Dutz, s.Oliver

»Marketing dreht sich nicht nur um die schönen Bilder, die im Rahmen einer Kampagne zu sehen sind. Wir erarbeiten 360-Grad-Kommunikationskonzepte, die sehr komplex sein können.«

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