Einkaufswägen in einer Reihe
(c) Michael Gaida / pixabay

Konsumgüterindustrie: Einblicke für Wiwi-Absolventen

Jetzt aber schnell: Die Dynamik der Konsumgüterindustrie ist ihre größte Herausforderung – und ihr größter Reiz. Ein Blick in die Branche, in der sich alles um Lebensmittel, Kosmetika, Reinigungsmittel und alles, was sonst noch konsumiert wird, dreht

Das Wirtschaftsleben, heißt es gerne, wird immer und immer schneller. Falsch ist diese Beobachtung nicht, ausnahmslos auf jeden Aspekt der globalen Wirtschaft trifft sie aber auch nicht zu. Nehmen wir zum Beispiel Staudämme. Staudämme werden weder in Wühlkisten verramscht noch aus einer spontanen Laune heraus gekauft. Ihr Bau wird über viele Jahre hinweg geplant, sie endlich zu errichten dauert dann meist noch einmal so lange. Andere Warengüter hingegen werden tatsächlich sehr schnell gehandelt, sie wechseln rasch im Verkaufsregal, werden oft und mit einer gewissen Routine gekauft. Wir kennen sie als Fast Moving Consumer Goods (FMCG), zu ihnen zählen Lebensmittel, Kosmetika, Reinigungsmittel und einiges andere mehr.

Es ist eine besondere Warengruppe, und das nicht nur, weil mit ihnen tagtägliche Bedürfnisse befriedigt werden. Ihre schnelle Rotation bringt auch ganz besondere Anforderungen an alle mit sich, deren Beruf sich um Produktion, Marketing oder Verkauf von FMCG dreht. Das weiß auch Ralf Dreischärf, 26-jähriger Key Account Manager bei Procter & Gamble (P&G): »Das Geschäft mit Konsumgütern ist besonders schnelllebig, in meiner täglichen Arbeit muss ich deshalb innerhalb kürzester Zeit auf Marktgegebenheiten reagieren.« Er müsse gedankenschnell sein, in kurzer Zeit Ideen zu Plänen reifen lassen können. »Trotz dieses Drucks muss die Qualität der Arbeit stimmen, was in meinen Augen die besondere Herausforderung der FMCG-Branche darstellt.«

Rundumblick

Ralf Dreischärf ist studierter Betriebswirt, seine Bachelor- und Masterstudien hat er, mit Auslandssemestern in Singapur und den USA, an der WHU in Vallendar absolviert. »Von meinen persönlichen Interessen« habe er sich bei der Studienwahl leiten lassen, sagt er, später führten ihn seine Interessen zum Konsumgüterkonzern Procter & Gamble. »2012 habe ich ein Praktikum im Vertriebsbereich bei P&G absolviert«, erzählt Dreischärf, »das hat mir so gut gefallen, dass ich mit P&G in Kontakt blieb und letztendlich 2014 fest eingestiegen bin.«

Für die deutsche Niederlassung von P&G betreut Dreischärf ein großes deutsches Handelsunternehmen in den Kategorien Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel, zu ihnen zählen Marken wie Ariel, Meister Proper und Lenor. »Meine Aufgabe ist es, das Geschäft des Kunden so zu entwickeln, dass Konsumenten, der Kunde und P&G davon profitieren«, sagt er. Um Angebote für die von ihm betreuten Kategorien entwickeln zu können, muss der 26-Jährige die Wünsche der Verbraucher kennen, aber auch Strategien und Ziele des Handelsunternehmens. Man könnte es als Rundumblick bezeichnen, als die Fähigkeit, verschiedene Dinge im Auge zu behalten. Und genau das muss auch Bernadette Ritscherle können.

Sortimentsgestaltung

Die Junior Brand Managerin arbeitet für Reckitt Benckiser (RB), von Mannheim aus engagiert sie sich im Marketing für Nahrungsergänzungsmittel. »Man betreut eine Marke rundherum«, sagt Ritscherle. Das heißt in ihrem Fall: Sie arbeitet an TV-Spots mit, konzipiert Flyer, brütet mit ihren Kollegen über Produkt- und Sortimentsgestaltung, erstellt Marktanalysen und versucht, das von ihr betreute Nahrungsergänzungsmittel bei Ärzten und Apothekern bekannt zu machen. Gerade letzteres sei bei einem noch nicht etablierten Präparat wichtig, denn schließlich seien es Ärzte und Apotheker, die ihren Patienten und Kunden bei einer erkannten Unterversorgung ein solches Mittel ans Herz legen würden.

»Es ist viel«, sagt Ritscherle über ihre Arbeit, aber der 26-Jährigen ist das nur recht. Auch privat erledigt sie gerne verschiedene Dinge gleichzeitig, ihr »gefallen die vielen verschiedenen Stimuli unheimlich gut«. In der schnellen FMCG-Branche wisse man nie, was der Tag bringe, versichert Ritscherle, sie sei fordernd, aber eben auch außerordentlich dynamisch. »Der Markt ist schnell«, sagt Ritscherle, »deshalb müssen wir es auch sein.«

Dass das nicht jedem liegt, ist der Masterabsolventin der Mailänder Wirtschaftsuniversität Luigi Bocconi bewusst. »Man sollte testen, ob das Geschäft einem liegt«, rät sie deshalb allen Studierenden. Es helfe einerseits, Missverständnisse zu vermeiden, und andererseits, den Sprung von der Hochschule ins Berufsleben so sanft wie möglich zu gestalten. Ritscherle selbst hat zuvor in die Branche hineingeschnuppert, »wahnsinnig viele Praktika« habe sie gemacht, sagt sie. »Ich wusste deshalb schon lange vor meinem Abschluss, dass FMCG genau das richtige für mich sind.«

Hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten

»Ich kann jedem, der sich für die Branche interessiert, nur empfehlen, möglichst viele Firmen kennenzulernen«, bestätigt Ralf Dreischärf. »Praktika sind dafür natürlich ideal, aber auch Gespräche mit Mitarbeitern sind immer hilfreich.« Dass ein Einstieg in die Konsumgüterbranche lohnt, steht für ihn und Ritscherle außer Zweifel. »Die Entwicklungsmöglichkeiten sind hervorragend«, verspricht Ritscherle, sei es in einem bestimmten Bereich oder in einer internationalen Laufbahn.

Den britischen Markt hat sie bei RB vor ihrem Wechsel auf ihre jetzige Position bereits kennenlernen dürfen, eine gewisse internationale Orientierung ist beim global operierenden Konzern ohnehin gern gesehen. Auch Dreischärf betont den hohen Wert von Diversity, internationale Erfahrungen seien beim nicht weniger globalen Unternehmen P&G »ein wichtiger Faktor, um erfolgreich zu sein«.

Und da wäre noch etwas, etwas beinah Idealistisches: »Konsumgüter berühren jeden Tag das Leben von Millionen Menschen«, sagt Ralf Dreischärf, »und auch wenn diese Berührungspunkte oft nur flüchtig sind, tragen sie in der Summe doch dazu bei, unser Leben angenehmer zu machen.«


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