Kaffee und gefülltes Crossaint auf Tablett
Kaffeepause mit dem Chef boing / Quelle: Photocase.com

Mittelständische Beratungsunternehmen: Vorteile für Absolventen

Mittelständische Spezialberatungen sind nicht nur familiär, sondern haben auch andere Vorteile für Berufsanfänger

Bei einem der ganz großen Consulter arbeiten – davon träumen viele Absolventen aus Studiengängen mit wirtschaftswissenschaftlichem Bezug. Sicher: McKinsey, Boston Consulting oder Roland Berger machen was her im Lebenslauf. Die ›Big Three‹ der deutschen Unternehmensberatungsbranche stehen für internationale Projekte und Umsätze im dreistelligen Millionenbereich. Die Mehrzahl der Unternehmensberater aber backt kleinere Brötchen und spezialisiert sich häufig auf bestimmte Beratungsbereiche. Und das muss alles andere als schlecht sein.

Mittelständische Beratungsunternehmen: ExperConsult / Dortmund

Helge Conrad zum Beispiel arbeitet sehr gerne beim mittelständischen Berater ExperConsult in Dortmund. Der 27-jährige Essener hat Stadt- und Raumplanung studiert und berät Landkreise, Kommunen, aber auch Ministerien im Bereich Wirtschaftsförderung.

Hier gibt es nicht zuletzt wegen der demographischen Entwicklung jede Menge zu tun. Projektberater Conrad erstellt Fachkräftemonitorings, analysiert die Wirtschaftsbranchen vor Ort, optimiert Verwaltungsprozesse und gibt Handlungsempfehlungen. Diese Tätigkeit als ›Problemlöser‹ macht ihm großen Spaß. Schon seit vier Jahren arbeitet er für das Unternehmen, das 30 Mitarbeiter hat und im letzten Jahr einen Umsatz von 1,9 Millionen Euro erzielen konnte.

Auf den Gehaltszettel lässt sich niemand gerne schauen – auch nicht in der Consultingbranche. »Natürlich verdiene ich nicht so viel wie Freunde, die bei großen Beratern arbeiten. Dafür habe ich aber auch keine 14-Stunden-Tage«, erklärt Conrad. Studenten und Absolventen würde er immer zu einem kleineren Consulter als Arbeitgeber raten und führt die Vorteile an, die er seit 2010 genießt:

  • kurzer Dienstweg zum Chef, der nebenan sitzt
  • familiäres Verhältnis zu den Kollegen
  • Nähe zum Kunden
  • die Möglichkeit, ein Projekt wirklich von Anfang bis Ende zu begleiten

Auch mit den Aufstiegsmöglichkeiten ist Conrad zufrieden. »Prinzipiell könnte ich Geschäftsführer werden«, erzählt der Berater lachend. Zumindest hat einer seiner Geschäftsführer diesen Weg gemacht – er hat so wie Conrad als Praktikant und studentischer Mitarbeiter beim Unternehmen angefangen.

Mittelständische Beratungsunternehmen: Feedbackpeople Managementberatung / Greven

Nicole Seifert hat den Weg zur Geschäftsführerin schon gemacht. Sie ist 38, Psychologin und Coach und hat vor knapp zwei Jahren ihr eigenes Unternehmen Feedbackpeople Managementberatung GmbH im nordrhein-westfälischen Greven gegründet. Das Unternehmen ist eine spezialisierte Beratung für die Bereiche Führungskräfteauswahl und Führungskräftequalifizierung.

Die Kunden kommen unter anderem aus der Industrie, der Automobil- oder der Finanzdienstleistungsbranche. Auch hier dürfen junge Consultants schnell Verantwortung in Projekten übernehmen und raus zum Kunden, das heißt zum Beispiel Assessment-Center durchführen. Die spannende Frage ist: Wonach sucht die Personalexpertin selbst ihre Mitarbeiter aus? »Sie müssen nett sein, smart, analytisch, eine hohe Kontaktstärke, Eigeninitiative und Begeisterungsfähigkeit mitbringen. Und sie müssen ins Team passen.«

Seiferts Team umfasst 15 Mitarbeiter, drei sind Trainees. Sie pflegt zu ihren Kollegen, wie sie überzeugend erzählt, »ein ganz familiär-freundschaftliches Verhältnis«. Das empfindet sie als extrem wichtig in einem Beratungsfeld, das eine hohe Wochenarbeitszeit – nämlich bis zu 60 Stunden – und viel Reisetätigkeit zum Kunden voraussetzt.

»Wir erwarten viel von unseren Mitarbeitern, deswegen wollen wir ein Stück zu Hause anbieten durch die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen. Nur dann kann man mit Herzblut und Leidenschaft bei der Sache sein.«

Wenn es um konzeptionelle Dinge geht, ermöglicht Nicole Seifert ihren Mitarbeitern im Home-Office zu arbeiten. Die zweifache Mutter würde sich diese Flexibilität auch von anderen Firmen wünschen. Verdienen lässt sich offensichtlich gut bei einem mittelständischen Personalberater wie Feedbackpeople. Zu einem Fixum von 45.000 Euro Jahresgehalt kommt eine variable Vergütung, je nachdem, wie viele Trainings oder Assessment-Center der Mitarbeiter durchführt. Laut Seifert könnte man als Consultant unter 30 Jahren sogar auf ein sechsstelliges Jahresgehalt kommen.
 

Mittelständische Beratungsunternehmen: Camelot Management Consultants

Im Vergleich zu den Firmen von Seifert und Conrad ist die Camelot Management Consultants AG ein großer Arbeitgeber. 250 Mitarbeiter sind bei dem Spezialisten für Lieferkettenberatung für die Branchen Pharma, Chemie und Konsumgüter tätig. Camelot gehört laut der letzten Lünendonk-Liste 2012, also dem Marktbarometer der Branche, zu den Top 10 der deutschen mittelständischen Unternehmensberater mit einem Gesamtumsatz von über 54 Millionen Euro. Zu den Kunden zählen viele Global Player wie BASF oder Bayer, die Unternehmenssprache ist Englisch.

Doch auch hier schreibt man sich auf die Fahnen: Der einzelne Mitarbeiter soll viel mehr sein als ein kleines Rädchen im Getriebe und nicht auf einen engen Arbeitsbereich festgelegt.

»Niemand wird bei uns auf reines Number-Crunching oder Folienmalen beschränkt«, sagt Recruiting-Verantwortlicher Markus Lackermann und führt weitere Vorteile an, die es seiner Meinung nach so nur bei einem Mittelständler wie Camelot gibt.

Zum Beispiel den raschen Kundenkontakt. »Wir werfen natürlich niemanden ins kalte Wasser. Wir arbeiten immer in Teams. Dadurch lernen unsere neuen Mitarbeiter unglaublich schnell.« Außerdem durchlaufen zum Beispiel die Junior Consultants im ersten Jahr bestimmte Standardtrainings, die durch individuelle Trainingsmaßnahmen ergänzt werden, je nachdem wohin sich der Mitarbeiter persönlich entwickeln will. Die Wochenarbeitszeit kann bis zu 60 Stunden betragen, dafür ist das Wochenende in aller Regel für das Privatleben reserviert.

Auf das kollegiale Miteinander und den Spaß an der Arbeit legt Recruiting-Verantwortlicher Lackermann großen Wert, denn das bringt auch der Firma große Vorteile:
»Wir halten es für sehr wichtig, dass sich unsere Consultants untereinander kennen und wissen, was der andere kann. Außerdem entstehen durch den interdisziplinären Austausch, der in der Lieferkettenberatung extrem wichtig ist, neue, innovative Ideen.«

Der Austausch findet daneben bei regelmäßigen ›Company- und Team-Events‹ statt. Da Camelot seine spezialisierten Berater möglichst halten möchte, bietet man auch flexiblere Arbeitszeitmodelle an, zum Beispiel für Frauen, die wieder in den Beruf einsteigen möchten.
 

Mittelständische Beratungsunternehmen: inverto

Ähnlich sieht das bei der inverto AG aus, die sich auf die Bereiche Einkauf und Supply Chain Management spezialisiert hat. »Wir bieten unseren Mitarbeitern dieselben Benefits wie die großen Beratungshäuser, etwa einen geförderten Master, MBA oder PhD-Abschluss, die Möglichkeit für einen Leave oder Unterstützung bei der Kinderbetreuung für unsere Berater«, berichtet Recruiterin Ines Breuer.

Zudem zeige sich ein Trend, dass sich Spezialberatungen nicht selten im Wettbewerb gegen die großen Beratungshäuser durchsetzen, wenn es um Beratungsmandate in den inverto-Fachgebieten Einkauf und Supply Chain Management geht.

»Gerade bei klar abgegrenzten Beratungsaufträgen fühlen sich auch die großen Kunden bei einem Spezialisten besser aufgehoben als bei einer großen Strategieberatung. Bei uns kommt noch eine ganz wesentliche Besonderheit hinzu: Wir arbeiten umsetzungsorientiert. Das heißt, wir liefern unseren Kunden umgesetzte Ergebnisse und beenden unsere Beratungstätigkeit erst, wenn unser Konzept Realität geworden ist. Auch das findet man bei großen Häusern in der Form nicht«, erklärt Breuer, die weitere Vorteile für Mitarbeiter von Spezialisten aufzählt:

»Die Kollegen – auch der Auslandsstandorte – kennen sich und tauschen sich aus. Wir haben keine Ellenbogenmentalität, sondern eine sehr teamorientierte Kultur. Die drei Gründer arbeiten aktiv im Kerngeschäft mit, Neueinsteiger können von erfahrenen Kollegen direkt lernen und übernehmen schnell Verantwortung.« Die Beispiele aus diesen Beratungsfirmen zeigen: Der Einstieg bei einem Mittelständler kann für die persönliche Entwicklung deutlich mehr bringen als der Start bei einem Branchenriesen. Und: Karriere lässt sich dort auch machen.


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