kleines Mädchen in Gummistiefeln gießt Pflanze

Mittelstand: das Rückgrat der deutschen Wirtschaft

Mittelständler werden oft unterschätzt, dabei kommt man kaum an ihnen vorbei.

Als ›Rückgrat der deutschen Wirtschaft‹ wird der Mittelstand oft bezeichnet

Zusätzlich zu seiner großen volkswirtschaftlichen Bedeutung bescheinigte das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) mittelständischen Unternehmen erst vor Kurzem eine bessere Krisenresistenz. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die den Mittelstand ausmachen, haben sich in Zeiten der Wirtschaftskrise als ›Stabilitätsanker‹ der Beschäftigung erwiesen.

Tatsächlich wuchs die Mitarbeiterzahl der KMUs in den Jahren von 2001 bis 2009 um mehr als 13 Prozent

Sogar in den wirtschaftsschwachen Jahren 2008 und 2009 wuchs die Belegschaft noch um 2,9 Prozent. Großunternehmen kommen da deutlich schlechter weg: Sie bauten in den beiden Krisenjahren 2,3 Prozent ihrer Belegschaft ab.

Kontinuität könnte folglich ein Argument sein, das Absolventen von der Attraktivität mittelständischer Unternehmen als Arbeitgeber überzeugt. Zu den Eigenschaften, die Studierende dem Mittelstand zuschreiben, gehören allerdings auch ein familiäreres Betriebsklima, größere Anerkennung der Leistungen, mehr Freiräume und nicht zuletzt mehr Verantwortung. Trifft das denn auch wirklich zu? Bei Christoph Hirsch auf jeden Fall. Hirsch ist betrieblicher Datenschutzbeauftragter und Mitarbeiter Compliance bei der Teambank AG Nürnberg.

»Meines Erachtens hat man im Mittelstand vielmehr die Chance, verschiedene Themen kennenzulernen. Man kann sich auch nicht verstecken oder Verantwortung abgeben. Aber das ist genau das, was ich attraktiv an meiner Arbeit finde. Die Kollegen kennen mich, wissen, was ich tue, und schätzen meine Arbeit«, bestätigt der 31-Jährige.

Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann studierte er Wirtschaftsrecht an der Universität Siegen, da er zwar weiter im wirtschaftlichen Bereich bleiben, sich aber auch ›breiter‹ aufstellen wollte, um an einer Schnittstelle in einem Unternehmen arbeiten zu können. Bei der Teambank AG, die bekannt für ihren Konsumentenkredit ›easyCredit‹ ist, hat er inzwischen genau so eine Position inne und ist mit sämtlichen Fachbereichen – vom Marketing über den Einkauf bis zum Risikomanagement – in Kontakt.

»In meiner Sonderfunktion als betrieblicher Datenschutzbeauftragter berate ich Fachbereiche in der Frage, wie sie ihre Ideen umsetzen und gleichzeitig den Schutz von Kunden- und Mitarbeiterdaten gewährleisten können. Als Mitarbeiter in der Compliance-Abteilung beobachte ich die aktuellen Rechtsentwicklungen«, beschreibt Hirsch.

Hierbei gilt es, betriebswirtschaftlich sinnvolle Lösungen zu finden und die Rechtsvorschriften einzuhalten. Durch seine beratende Tätigkeit hat Hirsch die Möglichkeit, das gesamte Unternehmen kennenzulernen, was bei einem Konzern deutlich schwieriger wäre. Zugleich musste er keine festgelegte Einarbeitung durchlaufen, sondern wurde gleich integriert.

»Während meiner Anfänge bei der Teambank hatte ich die Chance, den Aufbau der Abteilung, in der ich nun tätig bin, maßgeblich mitzugestalten«, erinnert er sich.

Seine Erfahrung zeigt, dass Berufseinsteiger bei mittelständischen Unternehmen schnell Verantwortung übernehmen und viele Fachbereiche kennenlernen können.

zitat birte kristin kuhlenbeck

Schnittstellenpositionen beziehungsweise Aufgaben, die sich über verschiedene Fachbereiche erstrecken, sind ganz typisch für Jobs in kleinen und mittleren Unternehmen. Das konnte auch Birthe Kristin Kuhlenbeck feststellen und für sich nutzen. Die 25-Jährige ist Projektmanagerin für Personalthemen bei der buw Unternehmensgruppe, einem Kommunikationsdienstleistungs- und Beratungsunternehmen für Kundenmanagement.

»Das heißt, ich führe Projekte, die ihren Schwerpunkt im Personalbereich haben, von der systematischen Planung über die Steuerung und Kontrolle bis hin zum Abschluss, durch«, erklärt Kuhlenbeck, die neben ihrer Arbeit bei buw an der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Münster dual BWL studiert hat.

Ihr derzeitiges Hauptprojekt ist die Einführung eines Lernmanagementsystems für die gesamte Unternehmensgruppe. Außerdem arbeitet sie im Inhouse Consulting an Themen, die für die Unternehmensentwicklung relevant sind.

»Das Projektmanagement umfasst mehrere fachliche Bereiche, zum Beispiel den Einkauf von Dienstleistungen, das Controlling, die Finanzplanung, das Marketing und last but not least die IT. Im Inhouse Consulting sind dabei der Überblick und Einbezug aller Fachbereiche relevant«, erläutert sie ihr Tätigkeitsfeld.

Für buw hat sie sich auch wegen der flachen Hierarchien entschieden. Unter anderem durch die Unternehmensstruktur wurde ihr die Chance gegeben, sich zu beweisen und sich in viele Bereiche einzubringen.

»In den letzten Jahren habe ich mehr und mehr festgestellt, dass die Unternehmenskultur mit ihren gelebten Werten ein wichtiger Faktor bei der Wahl des Arbeitgebers ist. Das war mir bei der Berufswahl weniger bewusst«, erzählt sie.

Während Hirsch und Kuhlenbeck sich um viele verschiedene Aufgabenbereiche kümmern, kann sich Philipp Wiemes größtenteils auf einen Bereich konzentrieren und da zu einem Experten heranwachsen. Der 27-Jährige ist nach einem sechsmonatigen Praktikum nun seit Kurzem fest bei der juwi Holding AG als Manager Projektfinanzierung angestellt. Die juwi Holding bietet Projektentwicklung, Produkte und Dienstleistungen rund um erneuerbare Energien an. Wiemes kümmert sich also um die Finanzierung von Energie-Projekten, derzeit hauptsächlich im Bereich Windenergie. Er spricht mit Investoren und Banken, verhandelt über Finanzierungskonditionen und kümmert sich um die Wirtschaftlichkeitsberechnung der Projekte. Außerdem arbeitet er mit der Rechtsabteilung die Verträge aus. Seine Kenntnisse aus dem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Ulm kann er dabei gut gebrauchen. Die gängigen Vorurteile gegenüber KMUs sind natürlich auch ihm schon zu Ohren gekommen. Von schlechten Aufstiegs- und Weiterentwicklungsmöglichkeiten, angestaubten Arbeitsweisen und wenigen Innovationen ist da die Rede. Doch diese Stereotypen konnten die drei Nachwuchsführungskräfte wohl widerlegen.  Natürlich gibt es dennoch Argumente, die für oder auch gegen ein KMU sprechen. Trotzdem sind die Unternehmen aus diesem Bereich so unterschiedlich und vielfältig, dass nicht jedes Kriterium auf jedes Unternehmen zutrifft. So haben etwa auch kleinere Unternehmen häufig Niederlassungen im Ausland, zu denen Mitarbeiter entsendet werden können, wenn sie das möchten. Bedenken, bei einem Mittelständler zu arbeiten hatte Wiemes indes nicht:

»Ich habe mir von vorneherein gedacht, dass die Vor- und Nachteile, die ein mittelständisches Unternehmen hat, wahrscheinlich von den den Vor- und Nachteilen eines Großunternehmens aufgewogen werden«, berichtet er. Sein Fazit ist: »Letztlich sollte das Hauptkriterium sein, dass man den Job machen möchte.«


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