@bkotynski|Unsplash

Versteckte Chancen bei Familienunternehmen

Viele Familienunternehmen agieren im ­Verborgenen: Auf Nischenmärkten abseits vom Endverbraucher. Doch gerade sie sind spannende Arbeitgeber

 

 

Familienunternehmen dominieren den Arbeitsmarkt – nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Allein hierzulande machen inhabergeführte und familienkontrollierte Unternehmen knapp 91 Prozent aller Unternehmen aus. Dabei sind sie unglaublich vielfältig: vom Kleinstbetrieb mit zwei Mitarbeitern über den klassischen Mittelständler mit 250 Angestellten bis hin zur großen Firma, bei der mehrere Tausend Menschen beschäftigt sind. Es gibt beispielsweise über 170 Familienunternehmen in Deutschland, die mehr als eine Milliarde Euro jährlich umsetzen. Viele sind eher unscheinbar – in Nischen aktiv, aber dort Weltmarktführer – sogenannte Hidden Champions.

 

»Als international agierendes Unternehmen bieten wir Auslandsaufenthalte an all unseren Standorten in 17 Ländern weltweit. Hier durchlaufen Studierende keinen zentralen Bewerbungsprozess – es gilt vielmehr, die Kollegen vor Ort zu überzeugen.«
 

Diese Unternehmen haben oft Schwierigkeiten, geeigneten Nachwuchs zu finden. Denn ihr Unternehmenssitz befindet sich häufig abseits der Metropolen. Das muss für Arbeitnehmer jedoch nicht zwingend ein Nachteil sein: Die Mieten und Lebenshaltungskosten sind in ländlichen Regionen oft um ein Vielfaches geringer und die Natur bietet abwechslungsreiche Freizeitmöglichkeiten – gerade im Hinblick auf die Familienplanung sind das gute Voraussetzungen. Eine Überlegung kann hier auch sein, zunächst eine Zeit für das Unternehmen ins Ausland zu gehen. Denn auch Familienunternehmen haben oft Standorte im Ausland und darüber hinaus jede Menge internationale Kunden.

 

»In jährlichen Mitarbeitergesprächen erkennen wir, wer Potenzial für eine Führungs- oder Fachkarriere zeigt. Diese Talente fördern wir individuell in speziellen Programmen, um sie auf die Übernahme weiterer Verantwortung vorzubereiten.«
 

 

Ein typisches Vorurteil von Absolventen ist zudem das vermeintlich gering ausfallende Gehalt. Stefan Heidbreder, Geschäftsführer bei der Stiftung Familienunternehmen, klärt auf: »Selbst wenn das Grundgehalt bei Familienunternehmen zu Beginn der Karriere etwas geringer ist, gleicht sich dieser Nachteil in wenigen Jahren aus.« Grund dafür seien die häufig deutlich zügigeren Beförderungen in den Familienunternehmen. Die Verdienstunterschiede fallen ohnehin meist nicht so gravierend aus. Außerdem ist das Leben in den ländlichen Gebieten erschwinglicher als in Großstädten, weshalb am Ende des Monats oft mehr vom Gehalt übrig bleibt.

 

»Trotz der ›vornehmen Zurückhaltung‹ der sogenannten Hidden Champions können manchmal gerade diese Unternehmen besonders interessant sein.«
 

Auch wenn Familienunternehmen nicht mit Top-Gehältern locken, können sie mit komfortablen Zusatzleistungen punkten. Bei Haribo gibt es etwa ein süßes Extra: Mitarbeiter erhalten nicht nur Personalrabatt in den Fabrikverkäufen, sondern können am Arbeitsplatz kostenlos Haribo-Produkte essen. Miele wiederum unterstützt mit einer eigenen Kita am Hauptsitz sowie einem Familienservice die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das zeigt: Auch wenn Familienunternehmen und gerade die Hidden Champions vielleicht nicht den größten Prestigegewinn versprechen und eher versteckt agieren, sind sie interessante Arbeitgeber für Absolventen der Wirtschaftswissenschaften.

 


Anzeige

Anzeige