Schüssel mit bunten Knöpfen

Arbeitsfeld Consulting: Vielfalt pur

Es gibt nur eines, was alle Berater eint: das hohe Gehalt. Ihre Arbeitsfelder könnten aber verschiedener nicht sein - ein Überblick.

Consultants sitzen im Meeting oder im Flieger, schlafen in Hotelbetten und laufen auf Hochtouren.

So viel zum Klischee der Unternehmensberater. Tatsächlich ist der Beruf oft mit einer Menge Arbeit verbunden: Da gilt es Analysen durchzuführen, Strategien zu entwickeln, Konzepte mit Kunden umzusetzen – und das innerhalb ehrgeiziger Fristen.

Dass die Tätigkeit als Berater (oder Consultant) trotz des dicken Arbeitspensums für viele attraktiv ist, mag auch am Gehalt liegen: Einsteiger verdienen nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) im Jahr durchschnittlich zwischen 38.000 und 55.000 Euro, Berater mit drei bis vier Jahren Berufserfahrung kommen auf satte 80.000 bis 100.000 Euro.

»Neben den Gehaltsaussichten sprechen insbesondere die Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten für den Beruf: Man hat in der Regel ein breites Aufgabenspektrum und kommt früh in Kontakt mit dem Top-Management«, sagt Dr. Walter Jochmann, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Kienbaum Management Consultants. »Projekte werden meist vor Ort beim Kunden durchgeführt. Das schafft Abwechslung, da man mit Beraterkollegen im Team zusammenarbeiten und sich gleichzeitig mit der Klientenseite vernetzen kann.«

Inhaltlich geht es bei großen Unternehmensberatungen vielfach um die strategische, organisatorische und personalwirtschaftliche Beratung

Etwa für den Fall, dass sich die Händlerorganisation eines Automobilherstellers im Bereich Personalarbeit weltweit neu aufstellen will. Oder wenn eine Bank vor der Entscheidung steht, ihren IT-Bereich auszulagern. Denkbares Beispiel ist auch die Einführung eines Programms, das alle Unternehmensprozesse in Hinblick auf Kundenbedürfnisse, Qualität und Effizienz optimieren soll (›Operational Excellence Programm‹). Bei der Umsetzung solcher Projekte können auch schon junge Berater mitwirken. Ulrich Blum beispielsweise ist seit einem Jahr Junior Consultant bei Kienbaum und hat bereits die Integrationsphase nach dem Zusammenschluss zweier Stahlunternehmen zu einer operativen Holding begleitet. Hierdurch sollte die Wettbewerbsfähigkeit der beiden Konzerne sichergestellt werden. Für einige Bereiche der Teilunternehmen stand dabei zur Diskussion, ob eine Zusammenführung in der Holding oder eine Ausgliederung in eine Dienstleistungstochter sinnvoll ist. Der Schwerpunkt von Ulrich Blums Tätigkeit lag zu Projektbeginn in der Analyse der Ist-Situation der Unternehmensbereiche. Hierbei standen Organisation, Prozesse sowie Aufgaben- und Tätigkeitsfelder im Fokus.

»Ich war für die Erfassung dieser Ist-Situation im Kundeninterview und für die Auswertung der Ergebnisse verantwortlich. Meine Arbeit diente dazu, Vergleiche zwischen den Abteilungen der beiden Konzerne anzustellen«, sagt der 29-Jährige.

Für die daraufhin zusammengefassten Aktivitäten wurden zwei Dienstleistungsunternehmen gegründet. In dieser Phase stellten die Berater sicher, dass die Überleitung der Abteilungen in die neuen Gesellschaften funktionierte.

»Zudem habe ich das Controlling für die zwei Tochtergesellschaften erarbeitet«, so Ulrich Blum. »Hierfür habe ich zusammen mit dem Konzerncontrolling branchentypische Kennzahlen recherchiert und mit dem Kunden ein Kennzahlensystem sowie ein Controlling-Layout entworfen. Mit den hierbei entwickelten Benchmarks kann der Kunde nun seine eigenen Leistungen mit den durchschnittlichen Marktleistungen vergleichen.«

Weniger um Wettbewerbsfähigkeit als um angestrebte Zustände in der Gesellschaft geht es bei den Klienten der BMS Consulting GmbH: Dies sind in erster Linie Ministerien, Stiftungen, Verbände, Kirchen und andere Non-Profit-Organisationen.

»Das recht abstrakte Ziel des Gemeinwohls macht es für öffentliche Institutionen schwer zu benennen, welchen gesellschaftlichen Zustand sie wie und in welcher Zeit beeinflussen möchten«, erklärt BMS-Geschäftsführer Dr. Thomas Mosiek.

Entsprechend groß ist die Herausforderung für die Consultants, die jeweils passenden Maßnahmen zu ermitteln und im Spannungsfeld von Politik, Verwaltung und Bürgerwünschen beraterisch umzusetzen. Das Unternehmen wurde vor zehn Jahren als Spin-off der Universität Münster gegründet und bietet neben Beratungsleistungen auch webbasierte Softwarelösungen. So wurden die Berater vor einigen Jahren beauftragt, ein internetbasiertes Verfahren zu entwickeln, über das alle Kindergärten in Nordrhein-Westfalen ihre Fördergelder für die Betriebskosten von Kindertagesstätten beantragen können. Hierdurch sollten Verwaltungsprozesse effizienter und transparenter gestaltet und die Belegungen monatsgenau ausgewertet werden. Ein anderes Projekt beinhaltete die Überwachung von Lenk- und Ruhezeiten von Kraftfahrern. Fragestellungen waren unter anderem: Was bringt es der Gesellschaft, wenn aufgrund besserer Kontrollen weniger Kraftfahrer Unfälle verursachen? Oder: Welche Kosten lassen sich sparen, wenn Kraftfahrer durch gezielte Maßnahmen nicht mehr in der Spitzengruppe der Berufsunfähigkeitsstatistik erscheinen würden?

»Jede Behörde sollte derartige Fragen für sich beantworten können, um die gesellschaftliche Akzeptanz von Verwaltungs- und Politikhandeln zu fördern«, sagt Mosiek.

Teile solcher Projekte betreut Torsten Wruck: Er ist nach seinem BWL-Studium vor zweieinhalb Jahren als Berater bei BMS Consulting eingestiegen.

»Neben der konzeptionellen Entwicklung von Managementberichten werte ich Daten aus und erstelle ein jährliches Berichtswesen zur Steuerung von staatlichen Förderprogrammen. Darüber hinaus war ich schon in verschiedene Organisationsuntersuchungen, Benchmarkingprojekte und Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen eingebunden.«

Parallel dazu absolviert der 30-Jährige mit Unterstützung seines Arbeitgebers ein Promotionsstudium, das er mit einer Doktorarbeit zum Thema Förderprogrammcontrolling abschließen will. »Die Verbindung von praktischer Beratung und einer Promotion ist faszinierend, aber zeitlich auch eine Herausforderung«, meint Torsten Wruck. 

Sich auf ein Kundensegment wie den öffentlichen Sektor zu fokussieren, ist eine Möglichkeit

Eine andere ist die Spezialisierung auf ein Thema, das für Kunden interessant ist oder werden könnte. Die promara consulting GmbH etwa macht den Dauerbrenner Nachhaltigkeit zu ihrem Kernbereich.

»Führende Unternehmen haben erkannt, dass Nachhaltigkeit keine Frage eines rein philanthropisch motivierten Engagements ist, sondern auch einen klaren wirtschaftlichen Nutzen beinhaltet«, sagt Geschäftsführerin Dr. Manuela Drews.

Die Beratung von promara consulting zielt darauf ab, jene Nachhaltigkeitsthemen zu identifizieren, durch die Unternehmen sich im Wettbewerb positionieren, Innovationen vorantreiben und in Interaktion mit Kunden, Mitarbeitern und anderen Interessensgruppen treten können. Konkret geht es darum, das Nachhaltigkeitsmanagement einer Firma in Hinblick auf die Wasserknappheit an bestimmten Produktionsstandorten zu verbessern. Ebenso steht der Umgang von Unternehmen mit ihren CO2-Emissionen immer wieder auf der Agenda. Mit einem solchen Projekt betraut ist Benjamin Bahr: Schon nach wenigen Monaten als ›vollwertiger‹ Consultant ist er für die Zusammenführung und Kommunikation der bisher erreichten Projektergebnisse mit den jeweiligen Unternehmensbereichen und Ländern zuständig. Er hat sich schon in seinem Studium für Nachhaltigkeitsprojekte engagiert. Nun entspricht auch seine Beratertätigkeit den persönlichen Überzeugungen:

»Mit meiner Arbeit kann ich zum Erfolg des Klienten und gleichzeitig zur nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft beitragen.«


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