Branchencheck: Berufseinstieg im Consulting

Unterschiedliche Unternehmen kennenlernen und rumkommen – das ist die Welt der Unternehmensberater

Bunte Heftklammern auf Blatt Papier mit Taschenrechner und Stift

Pivot-Tabelle, Charge-Back-Modell und Cashflow. Die Unternehmensberatung gehört in die Welt der Wirtschaftswissenschaftler. Natürlich benötigt man als Consultant ausgeprägte BWL-Kenntnisse, doch wie heißt es so schön? Die Mischung macht’s! Immerhin kann es nur von Vorteil sein, unterschiedliches Fachwissen in die Projektarbeit einzubringen. Kollegen mit verschiedenen fachlichen Hintergründen ergänzen sich gegenseitig. Daher werden die Teams auch ganz individuell zusammengestellt, um dem Kunden die bestmögliche Beratung zu bieten. Consultingunternehmen setzen daher auch auf Absolventen der verschiedensten Disziplinen, selbst wenn diese noch so exotisch sind.

Consulting bietet vielseitige Berufsmöglichkeiten

Jonas Haentjes wollte nach seinem Medizinstudium einen Einblick in eine völlig andere Branche gewinnen und hat sich für ein Praktikum bei Roland Berger beworben.


»Mir hat die Beratertätigkeit gleich so gut gefallen, dass ich zu dem Schluss kam, nicht wieder zurück in die Klinik zu gehen«, berichtet der 28-Jährige.

 

Seinen Beratungsschwerpunkt hat er auf Projekte in der Pharma- und Medizintechnikindustrie gelegt, da er hierbei seine medizinischen Kenntnisse und sein Verständnis für die unterschiedlichen Gesundheitssysteme optimal einsetzen kann. »Das fachliche Wissen hilft mir auch oft während informeller Gespräche mit dem Kunden, um ihm auf Augenhöhe begegnen zu können«, betont Haentjes. Aktuell arbeitet er mit einem Pharmazeuten und einem Mediziner zusammen, genau die richtige Kombination für die Beratung eines international tätigen Pharmaunternehmens, das sein Supply Management optimieren möchte.

Natürlich sind bei der Arbeit auch BWL-Kenntnisse gefragt. Mit Bilanzen oder Kosten-und-Verlust-Rechnungen sollte man vertraut sein. Interesse für diese Themen sollte ein Berater mitbringen. Haentjes, der inzwischen Senior Consultant ist, hat sich während seines Studiums mit Geschäftsberichten befasst und sich die Grundlagen erarbeitet, um diese Berichte zu verstehen. In der Anfangsphase hat er dennoch einen Unterschied zu den Kollegen mit betriebswirtschaftlichem Studium gemerkt. »Beispielsweise musste ich während meines Studiums kaum Präsentationen erarbeiten und insgesamt nur zwei Vorträge halten«, beschreibt der Absolvent der Uni Hannover. Doch wie alle Neueinsteiger bei Roland Berger, die über keinen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund verfügen, wurde er mit speziellen Trainings auf seine Beratertätigkeit vorbereitet und konnte so in seinen Job schnell hineinwachsen.
 

Consultingbranche setzt auf Absolventen verschiedener Fachrichtungen

Wie ein Mediziner sein Expertenwissen einbringen kann, klingt einleuchtend. Aber wie ist das bei einem Theologen? Jan Thomas Otte hat in Heidelberg Evangelische Theorie studiert, da das Studium vielseitig ist und auch die Disziplinen Sprachen, Geschichte, Psychologie, Philosophie und Ethik abdeckt. Konkretes Fachwissen für den Job als Consultant hat er sich dabei nicht angeeignet, aber er hat gelernt, wie wissenschaftliches Arbeiten funktioniert, strukturiert und nachvollziehbar zu denken sowie Argumentationsketten für bestimmte Probleme zu entwickeln.

 

»Theologie hilft mir über diese Methoden hinaus, niemals den Blick für das Ganze zu verlieren«, so Otte.

 

Nach einem Recruiting-Event einer Strategieberatung dachte er zum ersten Mal über einen Einstieg in die Wirtschaft nach und hat an dem Onlinekurs ›Betriebswirtschaftslehre für Geisteswissenschaftler‹ der Uni Augsburg teilgenommen. Nach einem weiteren Event, diesmal von Accenture, hat er ein Jobangebot erhalten – ohne offizielle Bewerbung auf eine Stellenausschreibung.

Inzwischen ist er Berater im Bereich ›Talent & Organisation‹ mit Schwerpunkt Personal- und Organisationsentwicklung in der Managementberatung von Accenture. In diesem Bereich ist er einer sogenannten ›Offering Group‹ zugeordnet, eine Art Arbeitsgruppe, und befasst sich über die Projektarbeit hinaus mit neuen Themen.

 

»Ich arbeite zum Beispiel daran, wie Unternehmen die Potenziale sozialer Netzwerke noch besser für sich nutzen können oder wie es Unternehmen gelingt, Nachhaltigkeit stärker in ihre Kultur zu integrieren«, beschreibt der 29-Jährige.

Consulting: vielversprechende Einstiegchancen für Naturwissenschaftler

Neben Medizinern und Theologen sind auch Naturwissenschaftler in der Unternehmensberatung gefragt. Wiebke Plenkers ist nach ihrem Physikstudium als Beraterin bei Siemens Management Consulting (SMC) eingestiegen und unterstützt seitdem den Siemens-Konzern – weltweit und stets beim Kunden vor Ort – in strategischen Fragestellungen. Quereinsteigern rät sie, am Anfang unbedingt Fragen zu stellen, so simpel diese auch sein mögen.

 

»Oft ergeben sich aus der Diskussion über ein scheinbar offensichtliches Thema ganz neue Handlungsmöglichkeiten«, verrät die 27-Jährige. »Als Naturwissenschaftler ist man meist gewöhnt, vom Detail ausgehend Probleme anzugehen. Als Beraterin bin ich Generalist und muss sowohl Details als auch das große Ganze verstehen«, beschreibt Plenkers.

 

In der Beratung kann sie außerdem an ganz unterschiedlichen Fragestellungen arbeiten und diese miteinander verknüpfen. Nach wie vor ist sie von ihrem Job begeistert, denn die Strategieberatung bei SMC hat es ihr ermöglicht, »in kürzester Zeit einen tiefen Einblick in einen multinationalen Konzern zu erhalten und konkret an seiner langfristigen Ausrichtung mitzuwirken«. Bis heute lernt sie jeden Tag Neues und knüpft viele Kontakte. »Am wichtigsten ist aber, dass mir meine Arbeit einfach Spaß macht und das liegt insbesondere am Team. Unser Motto lautet: ›Nobody is perfect, but a team can be!‹.« 


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