Consulting: Trends, Spezialisierungen und die Zukunft der Unternehmensberatung. Ein Interview mit Frank Braun

Welche Trends die Branche bewegen, wann Spezialisierungen Sinn machen und wie sich Unternehmen in Zukunft ihre Consultants suchen werden, verrät Frank Braun

Lächelnder Mann in Anzug s/w
Frank Braun Anna Logue

Frank Braun ist Berater für Unternehmensberater und Marketingleiter des Software- und Beratungsunternehmens CSB System. Er befasst sich seit mehr als fünfzehn Jahren mit dem Consultingmarkt. Als Autor schreibt er regelmäßig über den Beratermarkt, unter anderem auf seinem Blog.

Herr Braun, welche sind die drei wichtigsten Trends der Consultingbranche?

Der wichtigste Trend ist eindeutig die Digitalisierung. Sie beeinflusst die Branche schon seit Jahrzehnten maßgeblich und diese Entwicklung wird sich noch weiter verstärken. Ein zweiter Megatrend ist, dass die Berater nicht mehr nur Strategien ausarbeiten, sondern auch die Prozessveränderungen im Unternehmen sowie die Implementierung in der IT begleiten. Mit diesen beiden großen Trends geht schließlich ein dritter einher: die Kommodisierung. Die Ware ›Consulting‹ wird austauschbar. Consultants sind nicht mehr nur die Strategieberater für die Geschäftsleitung. Externe Berater arbeiten heute in vielen operativen Projekten sehr eng mit Mitarbeitern des Kunden zusammen. Dieser Trend hat massive Auswirkungen auf den Markt: Er wächst stärker und folglich steigt auch der Bedarf an Nachwuchsberatern.

Das klingt nach einer guten Nachricht. Welche Spezialisierungen sind denn bei jungen Beratern besonders gerne gesehen?

In der Tat ist es so, dass der Bedarf an Nachwuchskräften so hoch ist, dass die Spezialisierung nur eine untergeordnete Rolle spielt. Am Anfang ist zwar noch ein hoher Konkurrenzdruck unter den Bewerbern für die Consultingfirmen vorhanden. Sobald junge Berater aber zwei bis drei Jahre im Unternehmen verbracht haben, sind sie sehr gut ausgebildet – bei den größeren Beratungshäusern dank spezieller Ausbildungsprogramme, bei den kleineren aufgrund der schnellen, intensiven Einbindung in Projekte. Mit einem solchen Erfahrungsschatz aus den ersten zwei bis drei Jahren im Berufsleben sind angehende Consultants unabhängig von ihrer Spezialisierung gefragte Mitarbeiter. Denn was viel mehr zählt als die thematische Ausrichtung sind die soften Aspekte: Die Kandidaten sollten demnach eine hohe Reisebereitschaft aufweisen und die geistige Flexiblität mitbringen, sich immer wieder auf verschiedene Unternehmen, Projekte und Kontaktpersonen einzustellen.

Müssen sich Berater also heute gar nicht mehr spezialisieren?

Es kommt darauf an, wie sie arbeiten möchten. Die Unternehmen, also die Arbeitgeber, unterscheiden sich durch ihre Ausrichtung. Die großen Managementberater und Wirtschaftsprüfer sind über Jahrzehnte gewachsen, positionieren sich stark über Strategieberatung und suchen vor allem Generalisten. Die kleineren Unternehmen haben sich dagegen mit ihrer Gründung meist eine Nische gesucht und sind damit auf Spezialisten angewiesen. Absolventen mit starkem thematischen Wissen und dem Wunsch, sich weiter darauf zu fokussieren, sollten sich deshalb am besten bei letzteren bewerben.

Ist es möglich, dass der Consultingmarkt angesichts des großen Angebots an Beratungsunternehmen bald stagnieren wird?

Im Gegenteil! Der Beratungsmarkt wächst generell sehr stark. Und ich glaube, dass der Bedarf an Consultants durchweg auf einem hohen Level bleibt, solange der Veränderungsdruck hoch ist und Firmen nur mithilfe externer Berater schnell auf neue Gegebenheiten reagieren können.

Werden die großen, alteingesessenen Beratungshäuser von den neueren, spezialisierten bedroht?

Von Bedrohung würde ich nicht sprechen. Bei einem so stark wachsenden Markt geht es vielmehr um die Frage, welches Unternehmen stärker wachsen kann. Sehr spannend sind dabei wettbewerbstechnische Fragestellungen, die jetzt ganz neu aufkommen, nämlich: Hole ich mir als ratsuchendes Unternehmen die einzelnen Ressourcen von einer klassischen Unternehmensberatung? Oder nutze ich lieber Marktplätze, Netzwerke von Consultants oder entsprechende Mittler von Beratern? Firmen gehen also zunehmend der Frage nach, ob sie wirklich auf eine klassische Unternehmensberatung angewiesen sind oder besser fahren, wenn sie sich ihre Berater selbst zusammenstellen.

Die Generation Y legt viel Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance. Wie kommen Beratungsunternehmen dem nach?

Natürlich wird im Consulting niemand einem geregelten Nine-to-five-Job nachgehen, das ist in der Projektarbeit unrealistisch. Dennoch haben Beratungen auf die Ansprüche ihrer Bewerber reagiert und flexiblere Arbeitsmodelle geschaffen. Schließlich wollen sie die heiß umworbenen erfahrenen Consultants zu sich locken.


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