unsplash / Austin Distel

Consulting & Wirtschaftsprüfung: So wirst du erfolgreich

Zwei Consultants, zwei Wirtschaftsprüfer und ein studentischer Unternehmensberater stellen dir ihre Jobs vor: Welche Fähigkeiten besonders wichtig sind und wie sie als Externe mit der Belegschaft umgehen

91.000 Studierende zählte der Studiengang Wirtschaftswissenschaften im vergangenen Jahr, das ergibt einen Anstieg von etwa 30.000 Studenten innerhalb von zehn Jahren. Nach dem erfolgreichen Studium können die Absolventen nicht nur in Management oder Logistik einsteigen, sondern auch die Beratungsbranche erobern. Wir haben für dich den Check gemacht: Was macht die beiden Berufe Consultant und Wirtschaftsprüfer aus und wie kann Student schon während des Studiums erste praktische Erfahrungen sammeln? 

Excel, mein Begleiter

Florian Bär ist Wirtschaftsprüfer und Associate Partner bei Rödl & Partner. Dort begann er nach seinem erfolgreichen BWL-Studium als Prüfungsassistent. Seine Hauptaufgaben heute sind die Durchführung von gesetzlichen und freiwilligen Jahresabschlussprüfungen. Die Kanzlei hat sich dabei auf die Prüfung von Stadtwerken und Energieversorgungsunternehmen spezialisiert. »Für den Einstieg ist es hilfreich, ein gewisses Faible für Zahlen und Buchführung mitzubringen«, sagt er. Auch Durchhaltevermögen sei gefragt, denn wenn bei vorher festgelegten Terminen für die Abgabe der Prüfungsberichte beim Mandanten unerwartet Verzögerungen bei der Prüfung aufkommen, kann es durchaus passieren, dass es am Ende etwas hektisch wird. Diese Termine lassen sich nämlich oftmals aufgrund feststehender Ladungsfristen nicht so einfach verschieben. Alexander Coir, der als Senior Manager Audit für KPMG tätig ist, kennt die Anforderungen: Neben einer Affinität für Zahlen sind für ihn die Fähigkeit, in einem Team arbeiten zu können und der Wille sich ständig weiterzuentwickeln, Neues zu lernen und Zusammenhänge zu erkennen wichtig. Und er hebt hervor: »Excel ist unser ständiger Begleiter. Es schadet also nicht, sich hier gut auszukennen«.

Kommunikation ist Trumpf

Melena Wupper, Senior Manager bei Monitor Deloitte, einer Strategieeinheit von Deloitte, ist nach ihrem BWL-Studium und einem Praktikum im Unternehmen direkt ins Consulting eingestiegen – mittlerweile unterstützt sie Pharmaunternehmen bei deren Wachstum. Sie stellt fest: »Mein Job besteht zu einem großen Teil aus Kommunikation, denn es benötigt, neben fachlichem Wissen, das richtige Gespür dafür, mit verschiedensten Persönlichkeiten und in den unterschiedlichsten Situationen am effektivsten zu kommunizieren.« Auch ihr Kollege Roman Esseln, Berater Business Intelligence bei Mayato, stimmt ihr zu: Interessenten sollten ein hohes Maß an Sozialkompetenzen mitbringen. Die Bandbreite ist dabei völlig offen, denn von einfachen Small Talks, bis hin zu komplexen Meetings und teilweise sogar Mediatortätigkeiten sei alles möglich. »Die Person muss auf jeden Fall kommunikativ und aufgeschlossen sein und offen auf Menschen zugehen können«, so Esseln.

Studentische Netzwerker

An dem Punkt, sich für die Arbeitswelt vorzubereiten, befindet sich gerade Paul Kaiser. Er studiert im zweiten Mastersemester Management & Technology mit Schwerpunkt Informatik. Neben dem Studium ist er Berater bei der Studentischen Unternehmensberatung Academy Consult in München. Warum er das macht? Aufgrund der Kombination aus steilen Lernkurven, hervorragenden Optionen für die Karriere und einem großen Netzwerk an beruflichen wie privaten Kontakten. »In kaum einem anderen Umfeld können Studenten Führungsverantwortung auf diesem Niveau und in diesem Umfang übernehmen«, ist sich Kaiser sicher. 2017 haben Kaiser und andere Mitglieder sogar ›The Consulting Academy‹ in Johannesburg und Nairobi gegründet. Skepsis bekommen die Studenten bei externen Beratungstätigkeiten trotz einer Erfahrung von mehr als 350 Projekten und Kunden wie Microsoft, Allianz oder Daimler häufig zu spüren: »Zu Beginn haben Unternehmen oft Vorbehalte gegenüber unserer scheinbar mangelnden Erfahrung – jedoch können wir diese Bedenken meist schnell ausräumen«, erzählt der junge Berater.

Ärger mit der Belegschaft – wenn auch sehr selten – ist selbst im Consulting kein Fremdwort. »In der Regel werden wir sehr gut aufgenommen, weil wir aufgrund eines Problems gerufen werden«, so Esseln. Problematisch könne es aber werden, wenn das Projekt nur von der Geschäftsführung initiiert werde: »Dann kann es durchaus vorkommen, dass eine Abteilung denkt, sie wird übergangen und arbeitet im schlimmsten Fall gegen uns«. Die Lösung für Wupper sei, von Beginn an alle Beteiligten abzuholen, im angemessenen Rahmen einzubinden und Motivation und Ängste des Einzelnen zu verstehen.  

Für die Wirtschaftsprüfer Florian Bär und Alexander Coir gibt es diese Hürde nicht. »Die Belegschaft reagiert in der Regel entspannt auf uns«, weiß Coir zu berichten. Da Prüfungen jährlich stattfinden, seien Prüfer und Prozedere schon bekannt. »Bei manchen ist zu spüren, dass sie froh sind, wenn wir gehen und ihnen keiner mehr über die Schulter schaut«, verrät Bär. 

The same procedure?

Aber wo bleibt der Spaß, wenn sich jede Prüfung und jede Beratung aneinanderreihen und ähneln? »Eine typische Unternehmensberatung gibt es nicht«, resümiert Esseln. Zwar gebe es wiederkehrende Abläufe, wie Workshops oder Meilenstein-Besprechungen, aber je nach Bedürfnis und Business Case des Kunden, die sehr unterschiedlich sein können, müsse die Beratung sehr speziell und flexibel angepasst werden. So gebe es manchmal beim Kunden Projekte, die vom Budget her sehr eng gestrickt sind. Auch Coir gibt zu bedenken: »Die Herausforderungen sind verschieden und es gibt auch immer wieder neue und komplexe Bilanzierungssachverhalte, die es zu lösen gilt«. Sein Kollege, Florian Bär, stimmt dem zu: »Die Digitalisierung wirbelt gerade die ganze Branche durcheinander. Bereits heute extrahieren wir Datenmengen eines Jahres und suchen automatisiert nach Auffälligkeiten und möglichen Fehlern.«

Bei Academy Consult beginnt die Abwechslung bereits direkt nach der Anfrage eines Klienten: Sind die ersten Modalitäten geklärt, wird mittels eines Bewerbungsverfahrens ein Beraterteam aus den eigenen Reihen besetzt. »Dieses erarbeitet ein Angebot an den Kunden, bearbeitet in stetigem Kontakt das Projekt und präsentiert abschließend die Ergebnisse«, erklärt Kaiser.

Melena Wupper von Deloitte erklärt: »Strategieberatung und Data Analytics werden enger zusammenrücken, Datenanalyse wird schneller und mehr Möglichkeiten bieten«. Aber sie hebt hervor, dass die emotionale Komponente ihres Jobs immer wichtiger werde. Daher gilt für sie das Motto: »You do not succeed by only winning minds, you succeed by winning hearts«.


Anzeige

Anzeige