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Inhouse Consulting vs. externe Beratung

Als interner oder externer Berater arbeiten – viele Absolventen stellen sich diese Frage erst gar nicht. Doch es lohnt sich, die Unterschiede zu kennen

Inhouse Consulting Markt

Für einen Großteil der Absolventen, die eine Consulting-Karriere anstreben, steht früh fest, dass sie den Einstieg in ein externes Beratungshaus finden möchten. Sie wollen also als Experten von außen in ein Unternehmen kommen und es bei der Problemlösung unterstützen.

Vorteile einer externen Beratung

Johanna Katharina Scheerbarth hat sich nach einem Praktikum bei A.T. Kearney dazu entschlossen, in diesem Unternehmen den Grundstein für ihre Karriere zu legen.

»Ich habe mich für den Einstieg in die externe Beratung entschieden, da ich mir den Freiraum lassen wollte, verschiedene Industrien, Kunden und auch Projektteams kennenzulernen und mich somit nicht von Anfang an festlegen zu müssen«,

sagt die Associate.

Sie hat den Eindruck, dass sie bei einer externen Unternehmensberatung Einblicke in viele Industrien bekommt und sich mit ganz unterschiedlichen Problemstellungen beschäftigen kann. Bei internen Beratungen hingegen sei doch ein stärkerer Branchenfokus zu sehen. Die Consultingarbeit von außen findet Scheerbarth sehr dynamisch: vergleichsweise kurze Projekte und immer neue Kunden und Herausforderungen. Die Folge sei eine steilere und diversere Lernkurve als in der internen Beratung.

Der Job als externer Berater erfordert Flexibilität und Spontanität

Auch Maximilian Storp, Consultant bei Deloitte, schätzt die Möglichkeit, verschiedene Unternehmen innerhalb einer Branche kennenzulernen. Das Arbeitspensum kann dabei je nach Projektphase stark schwanken, auch sehr spontane Planungsänderungen sind keine Seltenheit. Storp arbeitet zwischen 40 und maximal 65 Stunden pro Woche. Der Job als externer Berater erfordert daher ein hohes Maß an Flexibilität und Spontanität.

Was macht hingegen Inhouse Consulting aus?

Interne Berater gehen ebenfalls fordernden Aufgaben nach und haben eine branchenüblich hohe Arbeitszeit, die je nach Projektphase variiert. Insgesamt müssen sie jedoch weniger aus dem Koffer leben. Während externe Berater in der Regel vier Tage pro Woche beim Kunden sind und in Hotels übernachten, findet zum Beispiel ein Großteil der Beratungsprojekte von Audi Consulting am Hauptsitz des Unternehmens in Ingolstadt statt.

»Ich persönlich genieße es, nicht jede Woche verreisen zu müssen«,

gibt Consultant Dr. Susanne Scherer zu.

»So bleibt neben vielen spannenden Aufgaben und Projekten auch Zeit für private Hobbies.«

Inhouse Consulting bei Audi

Die ausgewogenere Work-Life-Balance ist nicht der einzige Vorteil, den Scherer in der internen Beratung sieht. So betont die Beraterin, dass sie direkt an den Kernthemen des Unternehmens arbeitet und die Möglichkeit hat, die Zukunft des Konzerns aktiv mitzugestalten. Ihre Kunden sind dabei gleichzeitig ihre Kollegen. Also sitzen bei internen Projekten alle in einem Boot und arbeiten gemeinsam daran, das Unternehmen auf die künftigen Herausforderungen auszurichten. Der gemeinsame Nenner ist dabei stets: die Faszination für das Automobil.

Inhouse Consulting Deutsche Bahn

Mathias Gerner, Principal bei DB Management Consulting hebt ebenfalls die Beziehung der Berater zu ihren Kunden als positiv hervor.

»Als Teil der Deutschen Bahn genießen sie ein deutlich höheres Vertrauen bei den Kollegen«,

verrät Gerner.

Dies erlaubt auch eine höhere Selbstständigkeit der Consultants im Umgang mit verschiedenen Ansprechpartnern.

»So können insbesondere junge Kollegen sehr früh ›alleine‹ laufen«,

sagt er.

Aufgrund der engen, persönlichen Verzahnung zwischen den Partnern und den Top-Entscheidungsträgern haben Inhouse Consultants einen besseren Zugang zur oberen Managementebene als externe Berater.

Deutsche Post DHL Inhouse Consulting: Hohes Wissen über die Branche

Diesen Umstand weiß auch Tim Tetzlaff von DHL Consulting zu schätzen. Er hat mit der Zeit nicht nur viel Wissen über die Branche akquiriert, sondern auch über die internen Prozesse im Unternehmen. Das bedeutet, dass Berater sofort wissen, wen sie wofür anfragen können.

»Wenn wir ein neues Projekt anfangen und Daten sammeln müssen, haben wir oft schon nach einer Woche eine Informationslage, die für Externe wesentlich schwerer zu erreichen wäre. Das macht uns sehr effizient«,

erklärt Tetzlaff.

Und noch etwas gefällt ihm an der internen Perspektive: Er sieht, wie seine Ideen langfristig umgesetzt werden und den Unternehmenserfolg beeinflussen. Das spornt an.

Möglichkeit einer Unternehmenskarriere als interner Berater

Für viele zählt ein zusätzlicher Punkt: internen Beratern steht auch eine Unternehmenskarriere offen. Bei DB Management Consulting führt der nächste Entwicklungsschritt nach drei bis fünf Jahren sogar klassischerweise in den DB Konzern mit dem Ziel, Verantwortung im Rahmen einer Führungsposition zu übernehmen.

Inhouse Consulting oder extern

Am Ende des Tages ist letztlich keine Perspektive – weder die interne noch die externe – die per se ›bessere‹. Für die Zufriedenheit im Job ist es jedoch entscheidend, dass sich Einsteiger fragen, worauf sie bei ihrer beruflichen Tätigkeit Wert legen. Aufgrund persönlicher Ziele und Interessen können sie dann den für sie passenden Arbeitgeber wählen.

Welchen Vorteil sehen Sie in der Arbeit als externer Berater?

»Externes Consulting bietet die Möglichkeit, innerhalb einer Branche verschiedene Unternehmen kennenzulernen. Durch die Zusammenarbeit mit mehreren Kunden kann ich mir als externer Berater ein ganzheitliches Verständnis für die Branche und deren Spieler aufbauen, was bei Kunden sehr geschätzt wird.«

Maximilian Storp,Consultant bei Deloitte

Inhouse Consulting: Welche Anforderungen?

»Inhouse-Berater sollten Lust haben, sich ein Netzwerk im eigenen Unternehmen aufzubauen und zu pflegen – sowohl für die erfolgreiche Projektarbeit als auch für eine mögliche Karriere im Konzern. Daneben sollten sie es schätzen, Veränderungen über einen langen Zeitraum zu begleiten und auch nach Projektende in Reichweite der Kunden zu sein.«

Tim Tetzlaff, Senior Consultant bei DHL Consulting

Was empfehlen Sie Absolventen für den Einstieg ins Consulting?

»Ein Praktikum hilft bei der Entscheidung für einen zukünftigen Job ungemein, denn Studierende und Absolventen können so herausfinden, ob ihre Erwartungen erfüllt werden. Ein Praktikum ist meines Erachtens der beste Weg, um die Arbeit, das Unternehmen, dessen Kultur sowie die zukünftigen Kollegen auf Herz und Nieren zu prüfen.«

Johanna Katharina Scheerbarth, Associate bei A.T. Kearney

Welchen Aspekt schätzen Sie an der internen Beratung?

»Ich finde es schön, mitverfolgen zu können, wie unsere Beratungsprojekte im Unternehmen umgesetzt werden. Unser Ziel ist es, nicht nur konzeptionell zu beraten und Impulse zu geben, sondern auch zu sehen, welche langfristigen Ergebnisse bleiben.«

Dr. Susanne Scherer, Consultant bei Audi Consulting


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