Comic: verliebtes Pärchen auf Bank

Frauen im Consulting: Warum nur wenige Karriere machen!

Am Anfang ist die Anziehungskraft da, doch der Reiz verfliegt. Nur wenige Frauen schaffen in der Beratung den Aufstieg – Unternehmen wollen das ändern

Anspruchsvolle Aufgaben und Projekte, sich in wechselnde Themengebiete ein- und mit neuen Kollegen sowie Kunden zusammenarbeiten und nicht zuletzt natürlich als Vielflieger um die Welt zu jetten – so stellt man sich das Arbeitsleben als Consultant oder Wirtschaftsprüfer vor. »Jedes Projekt ist anders«, sagt Rita Marie Roland, Expertin für Immobilientransaktionen bei PwC, »bietet besondere Einblicke in verschiedene Unternehmen und stellt uns immer wieder vor eine spannende Herausforderung. Es ist ein gutes Gefühl, wenn meine Beratung unserem Mandanten hilft, besser zu werden.«

Frauen im Consulting: Familie oder Karriere?

Für Berufseinsteiger mag das verlockend klingen, doch nach ein paar Jahren, wenn eben auch die ersten Gedanken an Kinder aufkommen, haben besonders Frauen oft das Gefühl sie müssten eine ›Entweder-oder-Wahl‹ treffen: Familie oder Karriere. Dann erscheinen die Arbeitsbedingungen von Consulting und Wirtschaftsprüfung ›familienunfreundlicher‹ als die anderer Branchen. »Die oftmals im Consulting-Beruf notwendige und sehr ausgeprägte Reisetätigkeit«, bestätigt Klaus Reiners, Pressesprecher des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU), »macht es Frauen bei einer eher klassischen Rollenverteilung in der Partnerschaft schwer, berufliche und familiäre Ansprüche zu vereinbaren. Hinzu kommt, dass die Klienten in der Regel davon ausgehen und wünschen, dass die Unternehmensberater ihre Projektzeit innerhalb der Arbeitswoche überwiegend beim Klienten verbringen.«
 

Consulting als Männerdomäne - noch!

Zusätzlich haftet Consulting und Wirtschaftsprüfung der Ruf als ›Männerdomänen‹ hartnäckig an. Die Führungsstrukturen in diesen Branchen seien – besonders bei den großen und international ausgerichteten Beratungshäusern – bislang stark männlich geprägt. »Der Anteil von Frauen im Consulting fällt je nach Unternehmensposition sehr unterschiedlich aus. Gemäß der BDU-Marktstudie ›Facts & Figures zum Beratermarkt 2013/14‹ hat im Jahr 2013 der prozentuale Anteil von Junior Beraterinnen bei großen Beratungsgesellschaften 31 Prozent betragen, bei mittelgroßen 28 und bei kleineren 43 Prozent«, sagt Reiners. Auf der Hierarchieebene ›Senior Berater‹ zeigt die Studie schon einen Rückgang an weiblichen Mitarbeitern:

Bei großen Unternehmen ist der Wert auf 26 Prozent gesunken, bei mittelgroßen auf 22 und bei kleineren auf 36 Prozent. Geht man noch einmal eine Ebene höher zur Unternehmensleitung fallen die Werte deutlich ab. Bei großen Beratungsgesellschaften sind lediglich vier Prozent der Mitarbeiter auf dieser Führungsebene weiblich, bei mittelgroßen 15 Prozent und bei kleineren immerhin noch 27. Die Studie zeigt, dass es nicht einfach ist, sich als Frau in einer Führungsposition zu etablieren. »Positive Beispiele werden hier Stück für Stück für Veränderungen sorgen«, ist Reiners dennoch überzeugt.

 

Frauen im Consulting: erfolgreiche Beispiele

Ein solches Beispiel ist Rita Marie Roland, die nicht nur immer noch von ihrem Job als Consultant begeistert ist, sondern als Teamleiterin Banken und Immobilieninvestoren bei Immobilientransaktionen und -restrukturierungen berät. Als ›Exotin‹ in der Branche fühlt sie sich nicht. »Die Zeit, in der vor allem Männer in die Beratung gegangen sind, ist lange vorbei«, sagt die Wirtschaftsingenieurin mit technischer Fachrichtung Bauingenieurwesen. In ihrem Team arbeiten genauso viele Frauen wie Männer, jedoch hat die 33-Jährige auf Mandantenseite meistens mit Männern zu tun.

»Da ist es besonders wichtig, dass ich selbstbewusst auftrete«, ergänzt sie. Auch Natalie Fauser kann sich vorstellen, dass für viele Menschen noch immer Männer als das ›starke Geschlecht‹ gelten und sie in der Branche als dominanter und somit kompetenter wirken. Die 26-Jährige ist Trainee im Programm AuditPlus bei EY und hat in ihrer täglichen Arbeit auch schon oft das Gegenteil erlebt. Eine Anstellung in der Wirtschaftsprüfung hat sie nach ihrem Abschluss in BWL – Industrie und Dienstleistungsmanagement an der DHBW Stuttgart gewählt, weil sie ihre Affinität für Zahlen optimal ausleben kann und sie die steile Lernkurve gereizt hat. Die flexiblen Arbeitszeiten und die Auswahl aus verschiedenen Arbeitszeitmodellen empfindet sie sogar als Vorteil: »So ist es auch möglich, Familie und Beruf optimal zu vereinen, ohne auf eine Karriere verzichten zu müssen.«
 

Absolventinnen interessieren sich für Consulting

Das Interesse an Consulting und Wirtschaftsprüfung ist auf Seiten der Absolventinnen also da, Reiners vom BDU sieht aber auch noch einen weitere Entwicklung, die Frauen ins Consulting ziehen und der Branche den Ruf einer Männerdomäne damit entziehen könnte. »Die Vielfalt der fachlichen und persönlichen Qualifikationen ist merklich gewachsen, heute finden sich im Consulting vermehrt Kandidaten mit natur- und geisteswissenschaftlichen Abschlüssen. Der Wandel ist spürbar«, so der 55-Jährige. Auch sei die Frauenförderung zunehmend ins Bewusstsein der Unternehmen gerückt und die Unterstützung reiche von Teilzeitmodellen über Kinderbetreuung bis hin zu speziellen Mentoringprogrammen.

Auch bei PwC gibt es neben Weiterbildungs- und Mentorenprogrammen ein exklusives Frauen-Netzwerk. »Durch den Austausch untereinander, persönliche Kontakte zu weiblichen Führungspersönlichkeiten und ausgesuchten Trainings oder Veranstaltungen, unterstützt das Unternehmen Frauen besonders in ihrer Karriere. Wir können im Prinzip arbeiten wann und wo wir wollen – soweit es die Aufgaben zulassen. Das hilft im Alltag sehr und kommt natürlich auch meinen männlichen Kollegen zugute.« Ähnlich sieht es bei EY aus: Spezielle Karrieremessen sowie Programme wie ›Women at Consulting‹, Partnershadowing für Managerinnen und Seniormanagerinnen sowie das Navigator Programm für Damen, die Führungspositionen übernehmen, helfen dem Unternehmen Frauen von sich zu überzeugen und zu fördern.
 

Diversity: Frauen im Consulting

Für EY nimmt ›Diversity & Inclusiveness‹ einen immer wichtigeren Stellenwert in der Unternehmenskultur ein und soll die Anzahl an Frauen in Führungspositionen erhöhen. Fauser betont allerdings auch, dass in ihren Augen das Consulting und die Wirtschaftsprüfung keine Männerdomänen sind. »Meines Erachtens stellt die Beraterbranche im Gegensatz zu anderen Branchen keineswegs ein Hindernis für Frauen, die Karriere machen wollen, dar. Im Gegenteil: Wer Persönlichkeit hat, eine tolle Performance und Ehrgeiz mitbringt und sich durchsetzen kann, steht auch in der Beraterbranche keinem Mann hintenan«, sagt sie. Von vermeintlich hinderlichen Strukturen sollten sich Frauen nicht abschrecken lassen. Denn auch in der Branche zählen allein Qualifikation und gute Arbeit.


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