Kind hilft anderem Kleinkind Halfpipe hinauf

Karriere als Inhouse Consultant

Nicht jedes Unternehmen vertraut auf externe Beratung. Warum auch, wenn es doch Inhouse Consultants gibt?

Wenn es in einem Unternehmen mal hakt, das Geschäft eher humpelt als läuft, dann hat die Stunde der Berater geschlagen

Auch wenn ein wichtiges Projekt – ganz gleich was es auch sei – umgesetzt oder Geschäftsprozesse umstrukturiert werden sollen, holen sich Firmen gerne den qualifizierten Rat von Consultants ein. Oft übernehmen externe Unternehmensberatungen diese Aufgabe.

Aus guten Gründen, denn: Nicht nur kann oder möchte sich ein großer Teil der Betriebe eine eigene Beratungseinheit nicht leisten, Experten von außen sind außerdem unbefangen. Sie werfen dem Ideal nach einen neutralen und unbefangenen Blick auf ihren Aufraggeber – und beratschlagen dann, wie mit einer bestimmten Situation bestmöglich umgegangen werden kann.

Inhouse Consultants in Unternehmen

Viele Unternehmen vertrauen Beratungsaufgaben sogenannten Inhouse Consultants an, und auch das hat gute Gründe:

»Unsere Kunden sind gleichzeitig unsere Kollegen. Das schafft eine vertrauensvolle und angenehme Arbeitsatmosphäre«, erklärt zum Beispiel Dustin Faust, der als Analyst in der Practice Personenverkehr bei DB Management Consulting angestellt ist, der internen Managementberatung der Deutschen Bahn. »Eine weitere Besonderheit ist, dass wir die Ergebnisse unserer Arbeit im Konzern mitverfolgen können. Oft begleiten wir die Geschäftsfelder bis zur erfolgreichen Umsetzung der erarbeiteten Konzepte und sichern so ihren nachhaltigen Erfolg.«

Das sieht auch Dana Seminerio so. Seit 2012 ist die 24-Jährige als Consultant bei Bayer Business Consulting, und sie sagt, dass man über die interne Unternehmensberatung »spezifische Expertise über das Konzerngeschäft« aufbaut. Wissen also, das im Unternehmen bleibt. Wissen, das sie bei anderen Gelegenheiten anwenden oder auch an ihre Kollegen weitergeben kann – und Wissen, das, wie wir später sehen werden, sich für Seminerio und die anderen Inhouse Consultants noch in ganz anderer Hinsicht einmal als sehr nützlich erweisen kann. Aber bleiben wir zunächst bei Bayer Business Consulting und Dana Seminerio. Weil betriebswirtschaftliche Fragestellungen sie reizten, ihr ein klassisches BWL-Studium aber zu trocken erschien, entschied sich Seminerio für »eine internationale Studienrichtung, um viel Zeit im Ausland zu verbringen und auch umfangreiche Praxisphasen in mehreren Ländern zu integrieren«. Ihre Wahl fiel auf Internationales Management, das Seminerio  an der ESB Business School in Reutlingen und der Università Cattolica del Sacro Cuore im italienischen Piacenza studierte. In dieser Zeit reifte die Entscheidung, nach dem Studium als Consultant arbeiten zu wollen: »Projektarbeit und beratungsnahe Tätigkeiten«, erzählt Seminerio, »haben mir immer am meisten Spaß gemacht. So kam ich auch dazu in der studentischen Unternehmensberatung ›ESB Student Consulting‹ mitzuarbeiten, die ich schließlich auch geleitet und mitgestaltet habe.« Es sind die Abwechslung und die ständig neuen Herausforderungen, sagt Seminerio, die sie besonders am Beraterberuf reizten, und es ist ein für sie glücklicher Umstand, dass sie heute nicht nur als Consultant tätig ist, sondern ihr Weg sie auch zu einem Unternehmen führte, das mit Mitarbeitern aus aller Welt auch ihrem internationalen Interesse entspricht.

Einen ganz ähnlichen, weil internationalen Hintergrund hat Dustin Faust. Drei Jahre lang besuchte der 26-Jährige zunächst die International School of Management in Dortmund, wo er internationale BWL studierte – ein Auslandssemester in den USA inklusive. »Ich finde es sehr spannend, verschiedene Sprachen zu lernen und meinen Horizont kulturell zu erweitern«, erklärt Faust seine Motivation. Verschiedene Kulturen wiederum, das lehrten Faust seine diversen Praktika bei externen Consultingunternehmen, lernen auch Berater bei ihrer tagtäglichen Arbeit kennen. Nach einem Masterstudium an der Universität Masstricht bewarb sich Faust deshalb als Consultant, wenn auch bei der Inhouse Consulting Unit der Deutschen Bahn. Mit Erfolg. Heute gehören Research-Tätigkeiten, Daten- und Prozessanalysen und vor allem die Kommunikation mit seinen Kunden – die ja auch seine Kollegen sind – zu Fausts ständigen Hauptaufgaben. Die Projekte und Themen allerdings wechseln, was für den Analysten den eigentlichen Reiz seiner Arbeit ausmacht: »Durch die Projektarbeit ergeben sich ständig neue Herausforderungen, die einen großen Lerneffekt mit sich bringen und die persönliche und fachliche Entwicklung vorantreiben.«

Lernen kann der 26-Jährige dabei auch von seinen Kollegen, gerade weil sie oftmals keine wirtschaftswissenschaftlichen, sondern »sozialwissenschaftliche und auch naturwissenschaftliche Werdegänge haben« und dadurch ihre ganz eigene Perspektive auf die zu lösenden Probleme haben. Betriebswirtschaftliches Know-how bleibt zwar – wie für jede Beratungstätigkeit – unabdingbar, doch ist es mitunter gerade das in anderen als nur wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen antrainierte Denken, das einem Projekt den entscheidenden Dreh geben kann. So sehr ein BWL-Studium unter Consultants auch die Regel sein mag: Ein Abschluss in Molekularbiologie und eine Beratertätigkeit schließen sich deshalb noch lange nicht aus.

Niemand wüsste das besser als Thorsten Subtil. Subtil ist 31 Jahre alt, seine Alma Mater ist die Goethe-Universität in Frankfurt am Main. In der Bankenstadt studierte Subtil aber zunächst kein BWL, sondern, »aufgrund meines naturwissenschaftlichen Interesses«, eben Biologie mit der Fachrichtung Molekularbiologie.  Bereits 2008 schloss er ab, es folgten eine Promotion über alternative Biokraftstoffe und parallel dazu ein BWL-Weiterbildungsstudium. Beides zusammen ebnete ihm den Weg für seine heutige Tätigkeit, die es ihm erlaubt, »naturwissenschaftliche Kenntnisse in betriebswirtschaftlichen Zusammenhängen anzuwenden«. Wo er das kann? Beim Pharmaunternehmen Merck, wo Subtil derzeit als Trainee das ›Graduate Development Program (GRADE)‹ absolviert. Anders als Dana Seminerio und Dustin Faust durchläuft Subtil also noch ein zweijähriges Ausbildungsprogramm, an dessen Ende er eine anspruchsvolle Position bei Merck besetzen soll. Doch davon abgesehen unterscheiden sich die Tätigkeitsprofile kaum. Auch Subtil weiß um die besondere Stellung eines Inhouse Consultants. Den Spagat zwischen einem kundenorientierten und unabhängigen Berater auf der einen und dem Kollegen auf der anderen Seite zu meistern, findet der Nachwuchsberater sogar »nicht immer ganz einfach«. Und auch Subtil ist mit einer Reihe verschiedener Projekte betraut, deren Vielfalt er als größtes Plus seiner Tätigkeit herausstreicht.

Als besonders vorteilhaft erweist sich für ihn dabei, beides zu können, Naturwissenschaft und BWL:

 

»Mein Biologiestudium und die Promotion bilden gerade für ein Pharma-, Chemie- und Life-Science-Unternehmen wie Merck eine sehr gute Basis, Zusammenhänge auch aus naturwissenschaftlicher Sicht bewerten zu können.«

Als hilfreich empfindet Subtil seine Vorbildung, zwingend notwendig ist sie in seinen Augen aber nicht. »Neben der Fähigkeit, komplexe Aufgaben in kurzer Zeit strukturiert und lösungsorientiert zu bearbeiten«, sind es rhetorische Stärken, ein überzeugendes Auftreten und kundenorientiertes Verhalten, die ein Inhouse Consultant mitbringen muss. Und es ist ja nicht so, dass die Biologie die Vermittlung dieser Fähigkeiten exklusiv für sich gepachtet hätte.

Sich zu organisieren und Dinge in die Hand zu nehmen, hat nämlich auch Jeannine Sütterlin gelernt. Sütterlin, die heute als Beraterin im Allianz Inhouse Consulting tätig ist, sagt, dass kein Consultant einen bestimmten Studiengang absolviert haben muss. Was in ihren Augen zählt, sind neben den erwähnten Fähigkeiten Beratungserfahrung, Spaß am Umgang mit Menschen und »eine ordentliche Portion Unternehmergeist«. Die 30-Jährige selbst blickt zurück auf ein BWL-Studium mit der Spezialisierung auf ›Unternehmensgründung und Entrepreneurship‹, das sie an der Uni Erlangen-Nürnberg begann und nach einigen Jahren mit der Promotion an der LMU München krönte. »Parallel zur Dissertation habe ich am LMU Entrepreneurship Center als Projektmanagerin gearbeitet«, berichtet Sütterlin, die dort bereits mit einigen Start-ups zusammenarbeitete. Es reizte sie aber, »die andere Seite kennenzulernen«. Über eine klassische Stellenausschreibung erfolgte im November 2011 der Einstieg bei der Allianz Deutschland AG, die zu dieser Zeit gerade ihre interne Beratungseinheit aufbaute. Sütterlin landete genau dort – und schwärmt heute:

»Nirgendwo sonst kann man so viele verschiedene Personengruppen und Projekte in kürzester Zeit erleben und gleichzeitig so viel Neues lernen.«

Ihr buntes Projektspektrum reicht von der Strategieentwicklung bis hin zur Prozessoptimierung. Stets arbeiten Sütterlin und ihre Kollegen dabei eng mit »Vorständen und Entscheidern zusammen«, was jedoch keineswegs bedeutet, dass das Inhouse Consulting hierarchisch strukturiert wäre, im Gegenteil: In ihrer Einheit sind die Hierarchien sehr flach.

»Die Zusammenarbeit im Team«, freut sich Sütterlin, »ist einfach und unkompliziert: Die Türen der Kollegen stehen bei Fragen immer offen und ich konnte gleich selbstständig arbeiten.«

Neben der Lösung komplexer Problemstellungen schätzt Sütterlin dabei »insbesondere die menschliche Interaktion«, mit den eigenen Kollegen wie mit den internen Kunden aus den unterschiedlichsten Ressorts.

An diesem Punkt greifen wir den Faden wieder auf, den wir am Beginn dieses Artikel zu spinnen begonnen haben. Inhouse Consultants lernen, mit den Worten Jeannine Sütterlins, im Laufe ihrer Karriere »das gesamte Unternehmen mit all seinen Facetten kennen« – wer umgekehrt die Beratungseinheit der Allianz kennenlernen will, kann dies übrigens bei einem ganztägigen Case Study Workshop tun, der am 14. November in der »exklusiven Atmosphäre« der Allianz Loge der Allianz Arena München stattfinden wird.

Doch zurück zu den Consultants

Sie eignen sich ein differenziertes Methodenwissen an und knüpfen in einer vergleichbar kurzen Zeit ein unternehmensweites Netzwerk – und das sind, wieder mit Sütterlin, »wichtige Bausteine für spätere Aufgaben und Karriere­perspektiven«. Das ist längst nicht nur bei der Alllianz so. »Mehr als 90 Prozent der Beraterinnen und Berater bei DB Management Consulting«, weiß etwa Dustin Faust, «wechseln nach drei oder mehr Jahren Projektarbeit in eine attraktive Führungsposition im Konzern.« Und auch Dana Seminerio findet, dass ein interner Berater nach ein paar Jahren »fachlich und persönlich optimal qualifiziert ist für eine verantwortungsvolle Position im Unternehmen«. Auch, weil er sich durch die Zusammenarbeit mit Mitgliedern des hochrangigen Managements immer wieder Dinge abschauen oder selbst ins Gespräch bringen kann. Inhouse Consulting wird so zu einem Sprungbrett, das dich viel mehr nach oben befördern kann als nur vom Junior zum Senior Consultant. Es ist nur eine Frage der guten Arbeit. »Kredibilität, Zuverlässigkeit und Kundennähe sind dabei unerlässlich«, betont Seminerio. »Um das zu erreichen, ist es sehr wichtig, gut zuzuhören, sich in das Umfeld und die Situation des Kunden hineinzuversetzen und die richtigen Fragen zu stellen.« Gelingt es einem Consultant dann noch, ein Problem schnell effektiv zu lösen, ist der Weg nach oben offen.

Übrigens: Interne und externe Berater unterscheiden sich nicht nur dadurch, dass erstere zu ihren Kunden ein in aller Regel kollegiales Verhältnis haben.

»Hinzu kommt, dass die Arbeitszeiten deutlich besser geregelt sind als in der externen Beratung«, erzählt Dustin Faust.

Während unter externen Beratern Arbeitszeiten von zehn, zwölf oder sogar 14 Stunden am Tag und über 60 Stunden in der Woche nicht eben selten sind, ist das im Inhouse Consulting anders. »Das Wochenende gehört mir, meinen Freunden und der Familie«, versichert Faust. Auch bei Bayer ist es ein flexibles Arbeitsumfeld, das zur positiven Atmosphäre beiträgt:

»Im Vergleich zu externen Beratern hat man deutlich mehr Freizeit«, sagt Dana Seminerio, «zusätzlich kann man Arbeitsort und -zeit sehr flexibel gestalten und zum Beispiel auch mal Home Office machen«.

Fassen wir zusammen: Inhouse Consulting ist ein abwechslungsreicher Beratungsberuf unter Kollegen, mit Perspektive nach oben, natürlich mit Stressphasen und doch ohne übertriebene Schinderei. Gelinde gesagt: Es gibt Schlechteres.


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