Karriere als Wirtschaftsprüfer

Nur keine Vorurteile. Hinter Wirtschaftsprüfung steckt viel mehr als trockene Zahlen und Tage im dunklen Kämmerchen.

Frau sitzt am Arbeitsplatz und telefoniert
Karriere als Wirtschaftsprüfer mathias the dread / Quelle:PHOTOCASE

Das Examen zum Wirtschaftsprüfer gilt als eine der härtesten Prüfungen, die Deutschland zu bieten hat. Denn tatsächlich ist Wirtschaftsprüfer weder ein Ausbildungsberuf noch gibt es einen Studiengang, nach dessen Abschluss man sich Wirtschaftsprüfer nennen darf. Die alleinige Befähigung dazu, diese Bezeichnung tragen zu dürfen, ist das erwähnte Examen, das von der Wirtschaftsprüferkammer ausgerichtet wird. Um zum Examen zugelassen zu werden, braucht man einen Master- oder Diplomabschluss und drei Jahre Berufserfahrung als Assistent in einer Prüfungsgesellschaft, Bachelorabsolventen benötigen sogar vier Jahre Berufserfahrung.

Karriere als Wirtschaftsprüfer: Warum es sich lohnt!

Wer also büffelt nach dem Abschluss noch freiwillig für ein Examen, das einem schlaflose Nächte bereiten kann? Tatsächlich gibt es dafür Freiwillige und sie berichten außerdem, warum es sich lohnt. Einer davon ist Oliver Traxinger, seit zwei Jahren ›Professional Audit‹ bei Deloitte und auf dem besten Weg zum Wirtschaftsprüfer. Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann hat der 27-Jährige ›Business Administration and Economics‹ an der Uni Passau studiert und ist vor zwei Jahren in die Prüfungsbranche eingestiegen.

»Durch meine Vorbildung im Finanzbereich und Praktika, zu dem auch ein Praktikum im Asset Management und Vermögensmanagement zählt, lag es für mich auf der Hand, nach dem Studium in diesen Bereich einzusteigen«, berichtet er.


Dass er sich auch in der Wirtschaftsprüfung beworben hat, war eher Zufall. Im Vorstellungsgespräch fand er heraus, dass der Bereich mehr umfasst als die Prüfung von Bilanzen und »trockenen Unternehmensdaten«. »Vielmehr ist es eine Analyse der Unternehmenssituation unter Einbeziehung der wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen im Kontext einer risikoorientierten Bewertung«, erklärt Traxinger. Das und die teilweise Tätigkeit als Berater haben ihn schließlich überzeugt, in der Wirtschaftsprüfung Fuß zu fassen. Den Berufseinstieg empfand er als sehr angenehm. Um den Sprung ins Arbeitsleben zu erleichtern und um einen ersten allgemeinen Überblick über das Prüfungswesen zu erhalten, wurden in den ersten Wochen verschiedene Schulungen angeboten. »Es zeigte sich aber auch, dass man als Neueinsteiger sehr schnell Verantwortung bekommt, was für die persönliche Entwicklung sehr förderlich ist«, berichtet er.

Arbeitsalltag als Wirtschaftsprüfer

Ein Arbeitsalltag ist selbst jetzt, nach zwei Jahren, noch nicht eingekehrt. Seine Tätigkeit empfindet Traxinger nach wie vor als sehr abwechslungsreich, gerade auch, da die eine oder andere Reise damit verbunden ist. »Förderlich ist es zudem, in einer der größten Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaften weltweit zu arbeiten, wodurch der internationale Kontakt nicht zu kurz kommt«, verrät Traxinger. Auch Nicole Spielmann hat bei Rödl & Partner die Möglichkeit, international zu arbeiten und dabei viele verschiedene Unternehmen und Industrien kennenzulernen.

Die  Prüfungs- und Beratungsgesellschaft mit Hauptsitz in Nürnberg ist zwar nicht ganz so groß wie Deloitte, aber dennoch in 40 Ländern vertreten. Bereits während ihres Masterstudiums in ›Finance, Accounting, Controlling and Taxation‹ an der Uni Erlangen-Nürnberg war die 26-Jährige als Praktikantin und später als Werkstudentin bei Rödl & Partner tätig.  Der Übergang in die Festanstellung verlief nahtlos, sie ist als Wirtschaftsprüfungsassistentin angestellt und arbeitet sogar im selben Team wie zu ihrer Studienzeit. Aktuell begleitet sie einen Mandanten bei der Durchführung einer Anleiheemission.

Ihr jeweiliger Tagesablauf ist stark von der Jahreszeit abhängig. »Während der Busy Season verbringt man den Großteil seiner Zeit beim Mandanten und die Arbeitstage sind deutlich länger«, berichtet sie. Das kann manchmal schon in Stress ausarten, daher sollte man auf jeden Fall belastbar sein. Kommunikationsstärke und Verschwiegenheit sind, so gegensätzlich es sich auch anhört, ebenfalls wichtige Eigenschaften. »Fachlich sollte man vertiefte Kenntnisse in der Buchführung, Rechnungslegung und der Abschlussprüfung mitbringen. Wirtschaftsrechts- und Steuerkenntnisse sind ebenfalls von Vorteil«, führt Spielmann aus.


Das fordernde Examen bereitet einen also auf einen anspruchsvollen Job vor, der aber natürlich auch seine guten Seiten hat. So gilt der Beruf des Wirtschaftsprüfers als relativ krisenfest. Mit Konkurrenzkampf und Preisdruck hat die Branche zwar auch zu kämpfen, Konjunkturschwankungen treffen sie aber oft weniger hart als andere, da die Prüfungen für die Unternehmen gesetzlich vorgeschrieben sind. »Wenn die Mandanten bei einer schlechten Konjunktur in eine Schieflage geraten, ist die Prüfung in der Regel anspruchsvoller, da bilanzielle Spielräume ausgereizt beziehungsweise überschritten werden«, erklärt Spielmann. Im Vergleich zu der 26-Jährigen ist Sven Blechschmidt ein ›alter Hase‹.

Er ist zwar erst 36 Jahre, kann aber das Examen zum Wirtschaftsprüfer und Steuerberater (Infos zur Ausbildung zum Steuerberater) sowie langjährige Berufserfahrung vorweisen und arbeitet bei Ecovis. Der Diplom-Betriebswirt hat sich an der Berufsakademie in Dresden bereits im Studium auf die Fachrichtung Steuern und Prüfwesen spezialisiert und nebenbei erste praktische Erfahrung gesammelt. An sein erstes Projekt als Assistent, eine Due Dilligence für einen Produktionsbetrieb, kann sich Blechschmidt nach wie vor bestens erinnern:



»Die Chefin erläuterte kurz und knapp worum es geht und verabschiedete sich mit dem Wunsch, dass doch bitte bis Freitag alles fertig sein soll. Das war meine erste Lektion zum Thema Stress bei der Projektarbeit und selbstständiges Arbeiten.«


Nun hat er das Examen ja schon längst in der Tasche, ist es denn wirklich so schlimm? »Die Prüfung dauert mit Steuerberaterexamen fünf Tage, ohne sieben und erfordert extrem viel Fachwissen über das Handelsgesetzbuch, International Financial Reporting Standards, Jura, BWL sowie Steuerrecht und ist leider gekrönt von einer außergewöhnlich hohen Durchfallrate.« Als Motivation hat er sich gesagt, dass es in Deutschland mehr als 14.000 aktive Wirtschaftsprüfer gibt und die haben es ja schließlich auch geschafft. Spielmann, die das Examen noch vor sich hat, ergänzt: »Vor Herausforderungen sollte sich meiner Meinung nach niemand abschrecken lassen.«


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