Karriere im Inhouse Consulting – Beratung im Unternehmen

Näher dran: Inhouse Consultants, die Insider unter den Beratern, werden bei Unternehmen immer beliebter

 

drei farbige Ringe eingehakt, in einem steht "Inhouse Consultant", in den anderen beiden "Team"
ginger / Quelle: Photocase.de

Berater im eigenen Haus – ›Inhouse Consulting hat sich als qualitativ hochwertige Alternative zu externen Unternehmensberatungen etabliert‹, ist auf der Website der Initiative ›dichter dran‹, einem Zusammenschluss mehrerer Inhouse-Consulting-Einheiten, zu lesen. Zahlreiche Unternehmen haben in den vergangenen Jahren konzerneigene Inhouse-Consulting-Abteilungen gegründet – entweder als selbständige Tochtergesellschaften oder in Form von Konzern-Serviceabteilungen. Manche beraten nur die Kunden im eigenen Haus, andere sind auch als externe Berater für Fremdunternehmen tätig. Laut einer Studie der European Business School (EBS) aus dem Jahr 2009 – der bislang einzigen Studie zum Inhouse-Consulting-Markt in Deutschland – verfügten zum Zeitpunkt der Erhebung zwei Drittel der Dax-30-Unternehmen aus den verschiedensten Branchen über eine eigenständige Inhouse-Consulting-Unit. Der überwiegende Teil wurde erst nach 2001 gegründet, das Ganze ist also noch ein recht junger Markt.

Inhouse Consulting in der Finanzdienstleistung

Tillmann Heiß ist einer dieser Consultants, die Kollegen innerhalb des eigenen Unternehmens beraten. Der 27-Jährige absolvierte ein duales Studium bei der KfW Bank und der Frankfurt School of Finance & Management und durchlief dabei verschiedene Stationen in der Bank. »Während meines Masterstudiums machte mich ein Kommilitone auf eine freie Stelle im Inhouse Consulting aufmerksam«, erzählt Tillmann Heiß, der sich als Junior Projektmanager bewarb und mittlerweile zum Projektmanager aufgestiegen ist. »Während meines dualen Studiums konnte ich mir ein gutes Netzwerk im Unternehmen aufbauen, was mir nun bei meiner Arbeit als Consultant hilft.«

Der Einstieg als Inhouse Consulter: Von administrativen Aufgaben bis zur wachsenden Verantwortung

In seinen ersten Monaten beschäftigte sich der Junior Projektmanager vor allem mit administrativen Aufgaben: Excel-Sheets und Powerpoint-Präsentationen erstellen, Interviews protokollieren, Termine vorbereiten. Mit der Zeit wuchsen die Aufgaben und die Verantwortung, heute leitet er bereits eigene Projekte oder Teilprojekte, oder er vertritt den Projektleiter. »Ich analysiere Daten, führe die Interviews mit unseren Kunden und finde Problemlösungen.« Tillmann Heiß nennt ein Beispielprojekt, an dem er beteiligt war: »Da die Bank im Laufe der Zeit stark gewachsen ist, mussten Strukturen angepasst werden. Wir haben uns die Effektivität und Effizienz aller Unternehmensbereiche angeschaut und Vorschläge für Verbesserungen entwickelt.« Die Ergebnisse gingen an den Vorstand, die Umsetzung erfolgte in Workshops mit den Mitarbeitern. Der Vorteil von internen Beratern: »Wir suchen im Sinne unseres Unternehmens nach nachhaltigen Lösungen und haben es bei unseren Vorschlägen mitunter leichter als externe Berater«, meint der Projektmanager.

Der Vorteil des Inhouse Consulting

Einen weiteren Vorteil der internen Beratung nennt Roland Wrede, Personalleiter und COO bei DHL Consulting: »Wir wissen enorm viel zu Konzernpolitik, Abstimmungswegen und Experten, die wir ansprechen können.« Die Consultants bieten intern Managementberatung an – also Hilfe etwa bei Strategieentwicklungen –, für externe Kunden übernehmen sie die strategische Supply-Chain-Beratung. »Intern befinden wir uns im Spannungsbogen, zum einen Veränderungen herbeizuführen und zum anderen kollegial mit unserem Kunden verbunden zu sein«, erklärt Roland Wrede. Im Gegensatz zur Arbeit bei einer externen Unternehmensberatung fällt intern weniger Reisetätigkeit an. »Wir arbeiten zwar auch viel, aber insgesamt ist eine bessere Work-Life-Balance möglich.«

Inhouse Consulting im direkten Wettbewerb mit externen Anbietern

Als Profitcenter steht DHL Consulting in direktem Wettbewerb mit externen Beratungen – sowohl bei der Auftragsvergabe als auch bei der Nachwuchsrekrutierung. »Wir suchen Absolventen mit Bachelor- oder Masterabschluss sowie mit Praktika in strategischen Projekten, etwa bei einer Unternehmensberatung oder in der Konzernentwicklung«, so der Personalleiter. Zudem müssen Bewerber überzeugend sein und Dinge kritisch hinterfragen. Der Einstieg erfolgt als Associate Consultant oder Consultant, weitere Karrierestufen sind Senior Consultant, Project Manager und Partner. Hinzu kommt als Besonderheit der Inhouse-Beratung die Möglichkeit, in den Konzern zu wechseln. »Diese Chance nutzt die große Mehrheit derer, die uns verlasssen – wobei wir die Consultants auch aktiv dabei unterstützen, bei uns im Consulting Karriere zu machen«, betont Roland Wrede.  

Der Wechsel in den Konzern als Inhouse Consultant ist eine Möglichkeit

Ähnlich sieht es bei Innogy Consulting aus, der Inhouse-Beratungs-Tochter des Energieversorgers innogy. »Aus Konzernsicht bilden wir den Managementnachwuchs für das Unternehmen aus«, erklärt Mirco Glunz, Partner und Recruitingverantwortlicher. Gestartet als interne Unternehmensberatung arbeiten die Berater seit zwei Jahren auch für externe Kunden – zum Beispiel für Energieversorger in Dubai, die ihr Land komplett auf erneuerbare Energien umstellen wollen.

»Unser intern größtes Projekt war bisher unser Börsengang im vergangenen Jahr. Hier haben wir zahlreiche konzeptionelle und Projektmanagementaufgaben übernommen“,

berichtet Mirco Glunz. Ein anderes Projekt beschäftigte sich mit der Digitalisierung von Vertriebsprozessen.

»Man ist als Inhouse Consultant zwar auf eine Branche fokussiert, hat aber trotzdem mit den unterschiedlichsten Themen zu tun«,

sagt der Recruitingverantwortliche. Die Herausforderung sei es, neutral zu beraten, auch wenn es sich bei den Kunden um Kollegen handelt. Entsprechend erwartet er von Bewerbern viel Empathie und Teamfähigkeit – auch in der Zusammenarbeit mit den Kunden. Außerdem sind ihm Interesse an Energiethemen sowie Auslandserfahrungen für internationale Projekteinsätze wichtig.

»Die Fachrichtung ist weniger von Bedeutung. Vielmehr müssen die Absolventen gelernt haben, analytisch zu denken«, sagt Mirco Glunz.

 

Vieles ist bei internen und externen Unternehmensberatungen sicherlich ähnlich, anderes wiederum unterscheidet sich siginfikant. Wer Spaß hat an der Beratung hat und sich für seine Kunden einsetzen will, ist in der Consulting-Branche auf jeden Fall gut aufgehoben – Inhouse ebenso wie extern.


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