Gummigebiss mit Nuss zwischen den Zähnen
Der Weg zum Wirtschaftsprüfer: Eine harte Nuss Beate-Helena/Quelle:PHOTOCASE

Kein Ponyhof: Wirtschaftsprüfer werden ist nicht leicht

Der Weg zum Wirtschaftsprüfer ist kein Sonntagsspaziergang, aber auch nicht unüberwindbar. Und: Die Plackerei lohnt

Puh, das ist sportlich: Sieben Klausuren á sechs Stunden innerhalb von nur drei Wochen. Davon zwei in wirtschaftlichem Prüfungswesen, zwei in BWL und VWL, zwei in Steuer- und eine in Wirtschaftsrecht machen ein Examen für angehende Wirtschaftsprüfer. Im Jahr 2014 schafften es 57,2 Prozent der Prüflinge auf Anhieb, etwa ein Sechstel erreichte die Ergänzungsprüfung, immerhin. Bedeutet, sie mussten nicht alles, sondern nur bestimmte Teile der Prüfung wiederholen. Noch mal auf Null und zurück an den Schreibtisch hieß es hingegen für knapp ein Drittel aller Anwärter. Doch die Mühe lohnt allemal.
 

Gute Gründe, sich als angehender Wirtschaftsprüfer reinzuhängen

 

Verschenkt wird sie nicht, die begehrte Berufung zum Wirtschaftsprüfer. Ein Hexenwerk ist das Bestehen trotzdem nicht – nur eben äußerst aufwendig. Rein rational gesehen, sprechen einige gute Gründe dafür, es mit Angstschweiß und Nervenkrieg, den Tributen der Vorbereitungszeit, auf sich zu nehmen – trotz der Gefahr, dass es am Ende doch nicht klappt.

 

»Wir raten jedem, der sich für den Wirtschaftsprüferberuf interessiert, so früh wie möglich ein Praktikum in der Wirtschaftsprüfung zu machen. Nur so lässt sich herausfinden, ob dieser Beruf auch gefällt.« Gerhard Ziegler, Präsident der Wirtschaftsprüferkammer, Berlin

 

Am Ende winkt der Honigtopf

Die Zeit, die man mit Büffeln am heimischen Schreibtisch und folglich nicht mit sozialen Kontakten oder am Stadtstrand verbringt, zahlt sich bei Erfolg später aus. Für den Kontostand sowieso – Berufseinsteiger verdienen ein Brutto-Jahresgehalt zwischen 36.000 und 39.000 Euro, ein satter Anstieg ist meist absehbar. Aber auch darüber hinaus winken spannende Fälle und Arbeitsplatzsicherheit. Davon ist auch der Präsident der Wirtschaftsprüferkammer, Gerhard Ziegler, überzeugt: »Lehrjahre sind nun einmal keine Herrenjahre. Das trifft sicher auch auf die Ausbildung zum Wirtschaftsprüfer zu, aber Aufwand und Mühen werden allemal belohnt. Für einen fertig ausgebildeten Wirtschaftsprüfer bestehen gute Karriere- und Verdienstchancen sowie die Aussicht auf einen spannenden und abwechslungsreichen Job. Allein die demografische Entwicklung führt dazu, dass die Nachfrage auf dem Markt in den nächsten Jahren weiter ansteigen wird.«

›Durchgefallen‹ ist für Wirtschaftsprüfer-Anwärter nicht das Ende

Das drohende Prüfungsergebnis ›durchgefallen‹ ist bitter – aber weder Schande noch Sackgasse ohne Ausweg. Denn erstens kann man das Examen bei der Wirtschaftsprüferkammer bis zu zwei Mal wiederholen, und zweitens ist ein gescheiterter Versuch später nicht mehr nachvollziehbar – ob die Prüfung im ersten Versuch oder bei der Wiederholung bestanden wird, wird nicht dokumentiert. Ganz billig sind die zweiten und dritten Anläufe allerdings nicht: Ein weiterer Vollversuch kostet 3.500 Euro, eine Ergänzungsprüfung liegt bei 1.500 Euro.

 

Doppelbelastung: Arbeit und Prüfungsvorbereitung 

Die größte Hürde des Wirtschaftsprüferexamens sei die Vorbereitung neben dem Beruf, erklärt Andreas Swinka, Geschäftsführer und Gesellschafter der WPG Revision Nord in Hamburg. »Der Vorteil ist aber, dass man bestimmte Gebiete ausklammern kann: Beispielsweise entfallen Steuerklausuren, wenn man schon Steuerberater ist und für BWL-Studierende besteht außerdem die Möglichkeit, sich Studienleistungen anerkennen zu lassen. Das ermöglicht ebenfalls ein verkürztes Wirtschaftsprüfungsexamen durch den Wegfall des BWL-Teils der Prüfung. Mit anderen Worten, man kann durch die richtige Studienwahl das Wirtschafsprüferexamen schon rechtzeitig entscheidend beeinflussen.« 
 

Es lockt die Vielfalt

Swinka selbst hat die Profession quasi von der Pike auf gelernt. Nach einer Lehre als Steuerfachangestellter hatte er Blut geleckt und absolvierte ein BWL-Studium an der Uni Hamburg. Schwerpunkte: Betriebswirtschaftliche Steuerlehre sowie Revisions- und Treuhandwesen. Neben dem Studium arbeitete er sich in seinem Ausbildungsunternehmen bis zum Prüfungsassistenten hoch. Die Steuerberaterprüfung und schließlich das Wirtschaftsprüferexamen folgten Schlag auf Schlag. Nach über 17 Jahren Berufsausbildung und etlichen Jahren Berufserfahrung ist Swinka immer noch begeistert: »Eintönig ist der Beruf nun wirklich nicht. Als Wirtschaftsprüfer lernst du eine Vielzahl von Branchen kennen und hast ständig mit verschiedensten Menschen zu tun. Häufig bist du ja nicht nur als Prüfer unterwegs, sondern nimmst auch als Berater an Gestaltungen und umfangreichen Beratungsaufträgen teil.«

Junge Wilde können von der Erfahrung alter Hasen im Metier der Wirtschaftsprüfung profitieren

Der Reiz des Berufs geht sicherlich auch mit der Verantwortung einher, die ein Wirtschaftsprüfer automatisch mit seinen Mandaten übertragen bekommt. Gerade als Berufseinsteiger eine ungewohnte Situation. Katrin Engelke, Partnerin der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Seinige & Partner, hat die Erfahrung gemacht, dass Berufseinsteiger jedoch meist nicht auf sich allein gestellt sind: »In der Regel ist man im Team unterwegs.« Ein guter Wirtschaftsprüfer kommt ohne ein gewisses Gespür für Menschen nicht aus. Das weiß auch Katrin Engelke: »Als Wirtschaftsprüfer ist es nicht nur für Berufseinsteiger eine spannende Herausforderung, die unterschiedlichen Bedürfnisse und Wünsche der Mandanten zu erkennen.« Neben der ›Prüfernase‹ gehört ein sorgfältiger, gewissenhafter und neutraler Arbeitsstil zum Gesamtpaket dazu – genauso wie die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen. Das passiert eigentlich fast schon automatisch, bei den vielen verschiedenen Branchen und Menschen, die Wirtschaftsprüfern in ihrer Laufbahn begegnen.


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