Lächelnde Frau

Klavier spielende Beraterin - Als Pianistin zu BCG

Von schwarz-weiß zu einem bunten Haufen. Dr. Jessica Distler war Pianistin und ist jetzt Beraterin bei 'The Boston Consulting Group'.

Frau Dr. Distler, wie kamen Sie als Pianistin und promovierte Musikwissenschaftlerin zu BCG?

Ich hatte bereits in der Schule den Wirtschaftsleistungskurs belegt und hätte ich die Aufnahmeprüfung für das Musikstudium nicht bestanden, wäre VWL meine Wahl gewesen. Da ich schon immer beides verbinden wollte, habe ich während meiner Dissertation bei einer Plattenfirma gearbeitet. Letztendlich hat mich mein Bruder darin bestärkt, in die Wirtschaft zu gehen. Ich bin dann über ›Move On‹, dem BCG-Workshop speziell für Frauen, zum Unternehmen gekommen.

Wie waren die ersten Tage im Unternehmen?

Dank des ›Exotentrainings‹ gleich zu Beginn meines Einstiegs, das die Grundlagen für Nicht-Wirtschaftswissenschaftler vermittelt, habe ich direkt an meinem ersten Tag – ohne Schonfrist – mein erstes Projekt bekommen. Natürlich war es anfangs viel, aber bereits am dritten Tag hatte ich das Gefühl, schon seit drei Monaten dabei zu sein. Der Vorteil ist, dass an einem Projekt erfahrene Kollegen und Neueinsteiger zusammenarbeiten. Daher hatte ich bei Fragen immer einen Ansprechpartner.

Von der Kunst zur Beratung – inwieweit gab es vor allem anfangs eine gewisse Hemmschwelle?

Als ich das Studium begonnen habe, war dies anfänglich auch Neuland für mich, da viele Kommilitonen einen viel intensiveren musikalischen hintergrund hatten. Letztendlich war ich trotz der neuen herausforderungen zwar ängstlich, zugleich aber auch neugierig. Von Vorteil war, dass bei ›Move on‹ sehr viele Exoten wie Informatiker, Mediziner und Geisteswissenschaftler teilgenommen haben. Dieser konkrete Kontakt bei der Bearbeitung von Fallstudien hat mich sehr schnell überzeugt. Ich habe mir auch andere Beraterfirmen angesehen, aber ich muss sagen, BCG war für mich die beste Wahl. Ich arbeite nun seit vier Jahren hier und es findet keiner komisch, dass ich Konzertpianistin war – irgendwie ist es normal.

Rund die Hälfte der Berater bei BCG haben keinen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund – wo sehen Sie hier die Vorteile in der täglichen Arbeit?

Aktuell arbeite ich als Projektleiterin mit einem Naturwissenschaftler, einem klassischen Betriebswirt und einem Elektroingenieur zusammen. Unsere Denk- und herangehensweisen unterscheiden sich zwar voneinander, dennoch finden wir einen Konsens. Ich denke, das liegt an der BCG-Arbeitsweise, was heißt, dass wir wissen, wie wir Probleme anzugehen haben, aber der Blickwinkel ist individuell anders. Das Spannende ist, dass wir die einzelnen Schritte zuerst normal bearbeiten und dann diskutieren, um weitere Perspektiven zu erhalten. Das macht das Ganze sehr inspirierend.

Was hat Ihnen das Studium vermittelt, was Ihnen in diesen Fällen besonders hilft?

Eine der ersten Fragen bei meinem Einstieg lautete, was Musik mit Struktur zu tun hätte. Es ist ein Trugschluss zu meinen, dass ich während des Studiums mit meinem Klavier im Keller saß, kreativ gearbeitet und mir schöne Gedanken gemacht habe. Musik hat sehr viel mit Logik zu tun und das kann ich sehr gut auf meine Arbeit übertragen. Außerdem habe ich während meiner Doktorarbeit gelernt, mit komplexen Sachverhalten umzugehen. Ich habe täglich Massen von Informationen zu bewältigen und muss schnell Entscheidungen treffen, was an der vor mir liegenden komplexen Materie von Wichtigkeit ist und was nicht. hinzu kommt, dass ich als Konzertpianistin oft auf der Bühne gestanden habe und mir somit der Kundenumgang und die Präsentation von Ergebnissen sehr leicht fällt. Außerdem hat mich die Bühnentätigkeit gelehrt, mich schnell an neue Aufgabenstellungen anzupassen. Man kann sich zu 150 Prozent vorbereiten und trotzdem kann es schief gehen. Das Studium hat mein Improvisationstalent sehr unterstützt.

Was gibt Ihnen die Beratertätigkeit, was Sie in der Musik vermissen – und umgekehrt?

Als Pianistin ist man wie eine Tennisspielerin – ein Einzelkämpfer. Ich habe es immer kurz vor einem Auftritt gemerkt. Man ist alleine auf einer sehr großen Bühne mit sehr vielen Zuschauern. Das ist auch der Grund, warum ich sehr gerne Kammermusik gemacht habe. In der Beratung sind wir im Team unterwegs und das finde ich an meinem Beruf großartig. Ich habe immer jemanden an meiner Seite, mit dem ich mich austauschen kann. Diese Kommunikation hat mir bei einem hohen Übemodus von bis zu acht Stunden am Tag sehr gefehlt, da ich ein sehr kommunikativer Mensch bin. Der alleinige Austausch mit der Musik macht auf Dauer einsam. Auf der anderen Seite vermisse ich das Instrument, mein Klavier. Auch wenn ich nach dem Studium froh war, nicht den ganzen Tag spielen zu müssen. Aber jetzt fehlt es mir manchmal, gedanklich abdriften zu können, es zur Entspannung nehmen zu können. Bei meiner Reisetätigkeit bleibt mir bloß das Barklavier – an dem ich auch spiele, wenn der Barkeeper mich lässt. Die Musik ist etwas in den hintergrund getreten, aber ich gehe an den Wochenenden oft in die Oper und dann merke ich, dass es schon schade ist, nicht mehr so aktiv dabei zu sein. Aber es ist gut so wie es ist. Es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung.

Bitte vervollständigen Sie noch diesen Satz: Die Gemeinsamkeit zwischen einem Klavier und BCG besteht darin, ... dass immer Musik drin ist!<


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