Taschenrechner und offener Stift liegen auf Rechnung
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Mehr als Steuern prüfen: Steuerberater sind gefragte Experten

Beratung par Excellence: Mehr als nur Steuern prüfen – Steuerberater sind gefragte Experten

 

Ein immer komplexer werdendes Steuersystem sorgt für einen steigenden Beratungsbedarf insbesondere der Unternehmen. Beste Aussichten also für Steuerberater – für uns ein Grund, den Beruf genauer unter die Lupe zu nehmen. Prof. Dr. jur. Alexander Barth, Direktor des Instituts für Akademische Fortbildung (IAF) und Steuerberater, unterteilt die Aufgaben eines Steuerberaters in drei Bereiche: Erstens die Deklarationsberatung, also die Erstellung von Steuererklärungen, Überprüfung von Steuerbescheiden und die Begleitung von Betriebsprüfungen. Zweitens die Gestaltungsberatung, zum Beispiel die Umsetzung und Optimierung von betriebswirtschaftlichen Restrukturierungsmaßnahmen. Drittens die Durchsetzungsberatung, die Vertretung von Steuerpflichtigen in Rechtsbehelfsverfahren vor Finanzgerichten.

»Der Steuerberater ist aber nicht nur Rechtsberater, seine Ausbildung befähigt ihn auch zu betriebswirtschaftlichen Beratungen in den Bereichen Rechnungswesen, Controlling sowie Kosten-, Rentabilitäts- und Liquiditätsanalyse. Sein Rat ist bei allen Investitions- und Finanzentscheidungen gefragt«,

fügt Barth hinzu.

Spaß am Umgang mit Menschen als wichtige Voraussetzung

Die vielen Facetten des Berufs kann auch Gülperi Atalay, Prokuristin, Rechtsanwältin und Steuerberaterin bei der Vierhaus Steuerberatungsgesellschaft bestätigen:

»Ein Tag eines Steuerberaters reicht von Mandatsterminen und der steuerrechtlichen Auseinandersetzung mit dem Finanzamt bis zu kleinstgliedrigen Recherchen für die Lösung eines Einzelfallproblems.«

Außerdem sei es ein Beruf, zu dem neben der rein fachlichen Arbeit immer auch die persönliche Begegnung mit unterschiedlichsten Menschen gehört. Steuerberater sollten also Spaß am Umgang mit Menschen haben, schließlich begleiten Steuerberater ihre Mandanten häufig über viele Jahre, wodurch eine enge persönliche Beziehung entsteht.

»Dieses enge Verhältnis ist durch ein besonderes Vertrauen geprägt und verlangt ein hohes Maß an Verantwortung«,

betont Barth.

Zu den gewünschten Eigenschaften eines Steuerberaters gehören daher Integrität, Loyalität, Verschwiegenheit und Gewissenhaftigkeit. Darüber hinaus sollten Absolventen Interesse an juristischen und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen, eine analytische Denkweise und ein ausgeprägtes Zahlenverständnis mitbringen. Flexibilität und die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen gehören außerdem zu den Voraussetzungen.

»Außerdem sollten Absolventen Spaß an der Arbeit am PC sowie Interesse an steuerlichen Fragen haben«,

ergänzt Atalay von Vierhaus.

Weitere Voraussetzungen an angehende Steuerberater

Barth vervollständigt das Anforderungprofil noch mit Teamfähigkeit, Führungserfahrung, Fremdsprachenkenntnissen sowie Kommunikationsstärke. Wer schon während des Studiums die Weichen in Richtung Steuerberatung stellen möchte, sollte einen entsprechenden Studienschwerpunkt setzen und bereits erste praktische Erfahrung in Steuerkanzleien sammeln, fügt Atalay hinzu. An Steuerberateranwärter werden hohe Erwartungen gestellt, sie können sich aber im Gegenzug auf einen krisensicheren Beruf mit überdurchschnittlichem Verdienst freuen. Zudem stehen ihnen viele Wege offen: Von einer Anstellung in einem Großunternehmen über die Arbeit in einer Kanzlei bis hin zur Selbstständigkeit.

Tipp von Prof. Barth

Nimm an besonderen Mentorenprogrammen teil, wie etwa dem Tax for Practice (T4P) des IAF Instituts. Dieses bietet eine Plattform für Kanzleien und Studierende, die dort über Praktika einen Mentor und künftigen Arbeitgeber finden können. Bestandteil von T4P ist unter anderem der sechswöchige IAF-Steuerintensivkurs, an dem die Studierenden kostenfrei teilnehmen können, dieser ergänzt die Inhalte des Studiums und bereitet bereits frühzeitig auf das Steuerberaterexamen vor.

Inside!

Wer? Max Mustermann, Absolvent der Wirtschaftswissenschaften

Was? Max' Traumberuf ist Steuerberater. Er steht kurz vor dem Abschluss seines Studiums und fragt sich, was er nun tun muss – wir haben die Infos

 

Der Zugang zum Beruf des Steuerberaters ist im Steuerberatungsgesetz gesetzlich geregelt –

»zum einen aufgrund der hohen qualitativen Anforderungen, zum anderen ob der besonderen Bedeutung der Tätigkeit für das Gemeinwohl«,

betont Christian Michel, Referent für Berufsrecht beim Deutschen Steuerberaterverband.

Max muss also eine besondere Steuerberaterprüfung ablegen. Dafür muss er aber erst einmal sein Studium beenden, am besten BWL oder Jura. Um zum Steuerberaterexamen zugelassen zu werden, muss Max zusätzlich praktische Berufserfahrung in einer Steuerkanzlei nachweisen.

»Die genaue Praxisdauer ist genau festgelegt und bemisst sich an der Art des Abschlusses: Bei einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium mit einer Regelstudienzeit von acht Semestern ist eine anschließende zweijährige praktische Tätigkeit erforderlich. Bei kürzerer Regelstudienzeit sind drei Jahre Praxiserfahrung vorgeschrieben«,

erklärt Michel.

Max muss sich nun also bei einer Kanzlei bewerben. Welche Kanzleien für die berufspraktische Erfahrung geeignet sind, kann er unter steuerberater-suchservice.de nachschauen. Im Anschluss an die praktische Tätigkeit kann Max sich für die Steuerberaterprüfung anmelden. Für die Vorbereitung für dieses sehr anspruchsvolle Examen sollte Max sich etwa zwölf bis 18 Monate Zeit nehmen – im Durchschnitt besteht nur rund jeder zweite diese Prüfung. Gülperi Atalay, Prokuristin, Rechtsanwältin und Steuerberaterin bei der Vierhaus Steuerberatungsgesellschaft rät daher:

»Den Arbeitgeber für die ersten Berufsjahre mit Bedacht auswählen und eine zu frühe Spezialisierung auf nur einzelne steuerrechtliche Schwerpunktthemen vermeiden.«

Viel Glück, Max!


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