Menschen Silhouetten stehen vor blauer Zahlenwand
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Wirtschaftsprüfung: Was machen eigentlich Wirtschaftsprüfer?

Das Berufsbild des Wirtschaftsprüfers unter der Lupe: Was tut ein Wirtschaftsprüfer? Warum brauchen wir Wirtschaftsprüfer? Und warum lohnt es sich für Absolventen, sich diesen Beruf mal näher anzusehen?

Was weißt du eigentlich über Wirtschaftsprüfer? Dass sie Bilanzen prüfen und ihr Examen zu einem der härtesten in Deutschland gehört? Dass sie vor allem zum Jahresende und -beginn dank der jährlichen Abschlussprüfungen besonders viel zu tun haben, während viele Arbeitnehmer langsam in den Weihnachtsmodus übergehen und auch mal Fünfe gerade sein lassen?

Warum wird man Wirtschaftsprüfer?

Soweit so richtig. Allerdings mag der eine oder andere sich nun fragen, was jemanden dazu bewegt, diesen Job, der wahrlich nicht ohne ist, zu ergreifen. Eine Antwort hierauf hat Fabian Raum. Der 27-Jährige arbeitet seit Mai 2012 als Referent für Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung bei Rödl & Partner. Ihn hat am Berufsbild des Wirtschaftsprüfers besonders gereizt, dass man im Allgemeinen innerhalb kurzer Zeit einen vertieften Einblick in viele Unternehmen unterschiedlicher Branchen bekommt. Bei seinem Arbeitgeber hat er dabei im Speziellen die Möglichkeit erhalten, Grundsatzthemen aus dem Bereich der Prüfung und Rechnungslegung zu bearbeiten und bei Beratungsprojekten mitwirken zu können. Kurz gefasst: »Eine vergleichbare Aufgabenvielfalt hat mir sonst kein anderer Job geboten.«

»Ständig neue Herausforderungen und Aufgaben, gute Zukunftsperspektiven und Verdienstmöglichkeiten sowie die Möglichkeit, viele interessante Menschen kennenzulernen« sind die Gründe, warum Daniel Ehlke sich ebenfalls für eine Laufbahn als Wirtschaftsprüfer entschieden hat. Ehlke ist 32 Jahre alt, hat BWL an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg studiert und ist seit Mai 2014 bei der Ecovis Wirtschaftstreuhand GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft tätig. Sein erster Fall war die Prüfung einer mittelgroßen GmbH, die im Modedesign und -verkauf tätig ist. Ein sehr interessanter Fall sei dies gewesen, auch weil ein Kontakt ins Ausland gegeben war, erinnert sich Ehlke.

Internationale Arbeit als Wirtschaftsprüfer

In Fabian Raums erster Arbeitswoche ging es gleich zum Mandanten, einem international tätigen mittelständischen Unternehmen, um den Jahres- und den Konzernabschluss zu prüfen. Raums Aufgabe war dabei unter anderem die Kontrolle der Rechnungs- und Versandpapiere, um zu überprüfen, ob das Unternehmen die Umsatzerlöse in der richtigen Periode gebucht hat.

Dabei stieß der 27-Jährigen auf »gewisse Vorbehalte«, wie er erklärt. Schließlich habe das Heraussuchen der erforderlichen Unterlagen für die Mitarbeiter des Mandanten einen zusätzlichen Arbeitsaufwand bedeutet. Rückblickend erklärt er, dass ihm in der damaligen Situation mehr Berufserfahrung sicherlich geholfen hätte. Aber mit den zunehmenden Berufsjahren wächst zugleich das Gespür für eine optimale und vor allem fallbezogene Herangehensweise.

Wie sowohl Ehlke als auch Raum bereits betont haben, liegt der besondere Reiz an der großen Abwechslung und dem breiten Spektrum der Aufgaben: Von der Mitarbeit bei Abschlussprüfungen über die Unterstützung der Grundsatzarbeit in den Fachbereichen Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung hin zur Bearbeitung komplizierter Bilanzierungssachverhalte oder der Ausübung von Autoren- und Referententätigkeit – um dieses Pensum bewältigen zu können, muss Raum stets auf dem Laufenden sein.

Kontinuierliche Fortbildung lautet daher das Credo: »Vor allem im Bereich der internationalen Rechnungslegung ändern sich die anzuwendenden Vorschriften laufend«, erklärt der angehende Wirtschaftsprüfer und fügt hinzu, dass er und seine Kollegen durch interne Schulungen, die er als Referent teilweise mitgestaltet, gut unterstützt werden. Um es kurz zusammenzufassen: »Bei einer Tätigkeit in der Wirtschaftsprüfung und in der rechnungsbezogenen Beratung muss man sich laufend neues Wissen aneignen«, sagt Raum. Denn Wirtschaftsprüfer haben es gerade in den ersten Berufsjahren immer wieder mit neuen fachlichen Fragestellungen zu tun.

Demzufolge sollte eine gewisse Basis vorhanden sein, auf die gebaut werden kann. Studierende, die mit dem Gedanken an eine Tätigkeit als Wirtschaftsprüfer liebäugeln, sollten auf jeden Fall Spaß an Buchführung und Bilanzierung, die Lust, sich viel Fachwissen anzueignen und die Fähigkeit zum analytischen Denkvermögen mitbringen.
 

Wirtschaftsprüfer brauchen fachliche Expertise und Soft Skills


Wenngleich auch die fachliche Expertise das A und O im Berufsalltag eines Wirtschaftsprüfers darstellt, so dürfen auch die Soft Skills nicht in den Hintergrund rücken. Schließlich hat diese Berufsgruppe oftmals engen Kundenkontakt. Viel Geschick im Umgang mit Menschen brauche man, erklärt Ehlke von Ecovis, denn nahezu täglich habe man mit den verschiedensten Charakteren zu tun.

Es lohnt auf jeden Fall, die Branche kennenzulernen, bevor die Entscheidung für eine Tätigkeit bei einem Wirtschaftsprüfer gefällt wird. Wie auch in allen anderen Bereichen ist ein Praktikum das probate Mittel hierfür. In vielen Unternehmen arbeiten die Praktikanten von Anfang an als vollwertiges Teammitglied mit und können sich somit ein sehr gutes Bild von der Tätigkeit machen. Hat sich das Interesse für den Beruf des Wirtschaftsprüfers bereits nach dem Bachelorstudium verfestigt, könnten darauf aufbauend Masterstudiengänge interessant sein, denn hier besteht die Möglichkeit, sich gewisse Leistungen für das spätere Wirtschaftsprüfungsexamen anrechnen zu lassen. In den in Frage kommenden Fächern wie Angewandte Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre sowie Wirtschaftsrecht entfallen die schriftlichen und mündlichen Prüfungen, wie Raum von Rödl & Partner erklärt.

»Man sollte sich allerdings bewusst sein, dass der Weg zum Wirtschaftsprüfer schwer sowie steinig ist und man sehr viel – auch neben der Arbeit – lernen muss«, betont Ehlke. Doch folgt dem Fleiß der Preis auf dem Fuße: »Wirtschaftsprüfer sind als Fachmänner anerkannt«, erklärt er weiter und ergänzt, dass diese Berufsgruppe viel Verantwortung durch die Erteilung des Testats, dem abschließenden Gesamturteil nach den anerkannten Berufsgrundsätzen ordnungsgemäß durchgeführten Prüfung, trägt.

Und ist dann die ›Busy Season‹ von November bis April vorbei, können auch Wirtschaftsprüfer ihre Work-Life-Bilanz wieder ausgleichen.


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