Stabilostifte in verschiedenen Farben

Wie wird man ein Consultant?

Ein Consultant, seine Fähigkeiten und Aufgaben: Wer Berater werden möchte, braucht mehr als eine Krawatte. Wir verraten dir, was noch nötig ist, damit du als Consultant einsteigen kannst!

Ja, sie muss mal wieder herhalten. Und jahaaaa, sie wird wieder mal die typischen, sich ständig wiederholenden, mittlerweile gähnend langweiligen Bilder in die gedanklich vorgefertigten Schablonen pressen und versuchen, uns einzureden, dass diese Bilder der Wahrheit und nichts anderem als der Wahrheit entsprechen. Schließlich sind Consultants ein eigener Schlag, die sich mit dem Schlips um den Hals und dem Trolley in der Hand durch die deutsche Unternehmenslandschaft beraten und ganz heiß darauf sind, nach einem 14-stündigen Arbeitstag noch aufs Laufband zu springen. Ist wirklich so?

Muss man für den Beruf Consultant BWL studieren?

Das klassische Klischee zum Werdegang eines Consultants: Nur und ausschließlich Wirtschaftswissenschaftler und BWLer sind in dieser dynamischen Branche anzutreffen. Denn mal ehrlich: Was hätte auch ein Naturwissenschaftler oder – noch skurriler – ein Geisteswissenschaftler hier verloren? Nun ja – so manches Bild ist nicht kategorisch von der Hand zu weisen, andererseits bietet das Spektrum des ›So sollte ein Consultant sein‹ aber viel mehr als das soeben Dargestellte. Aber nun mal Butter bei die Fische:

Naturwissenschaftler und geisteswissenschaftler im Consulting

Ein wirtschafts- oder betriebswirtschaftliches Studium ist zwar durchaus von Vorteil, allerdings haben viele Consultants auch andere Studienhintergründe – wie bei Oliver Wyman: »Seit jeher arbeiten bei uns auch zahlreiche Naturwissenschaftler wie Mathematiker, Ingenieure und Physiker sowie Geisteswissenschaftler. Diesen bieten wir zum Einstieg ein umfassendes Training an, um ihnen die Möglichkeit zu geben, bei Projekten von Anfang an umfassend einzubringen und Verantwortung zu übernehmen«, erklärt Finja Carolin Kütz, Partnerin bei Oliver Wyman in München. Sie selbst hat Mathematik studiert und sagt, dass das Unternehmen viel Wert auf heterogene Beraterteams legt:

»Häufig entstehen die besten Ideen, wenn Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenkommen.«

Auch bei Kienbaum Consultants International finden sich Einsteiger mit unterschiedlichen Studienhintergrund, denn dieser zählt weniger als eine gewisse Praxiserfahrung und die Herangehensweise an bestimmte Problemfelder und Aufgabenstellungen: »Deshalb haben wir neben den ›klassischen‹ Studienrichtungen Kollegen, die Land- und Forstwirtschaft, Theologie oder Germanistik studiert haben«, erläutert Adina Hellriegel, Head of Corporate Recruitment.

Anforderungen: Was muss ein Consultant in spe können, um den Einstieg in die Consulting Karriere zu schaffen?

So unterschiedlich die einzelnen Studienrichtungen sind, so verschieden sind auch die fachlichen Anforderungen an die Bewerber:

»Für uns sind praxisrelevante Erfahrungen im jeweiligen Fachgebiet besonders wichtig. Dies kann in einem Beratungs- oder Beratungs-nahen Umfeld, aber auch ein SAP-Kurs an der Uni in einem für uns relevanten Modul sein«, so Gregor Bleis von Q-Perior.

Auch bei Kienbaum Consultants International sind erste relevante Berufserfahrung in einer Beratungsposition oder einer entsprechenden Linienfunktion wie im Inhouse-Consulting wichtig:

»Zudem achten wir auf analytische Fähigkeiten, eine strukturierte und systematische Arbeitsweise, unternehmerisches Denken und das entsprechende Fachwissen für den jeweiligen Fachbereich in Form von Praktika, Studium oder Berufserfahrung«, erklärt Hellriegel.

Während bei Oliver Wyman Auslandserfahrung, interkulturelle Kompetenz und die Fähigkeit, offen auf Herausforderungen zuzugehen, von großer Bedeutung sind, legen die einzelnen Unternehmen zudem gesteigerten Wert auf ehrenamtliches Engagement. Schließlich engagieren sie sich auch in einzelnen Projekten: So realisiert Oliver Wyman beispielsweise im Rahmen seines Pro-Bono-Programms Beratungsprojekte für Non-Profit-Organisationen und unterstützt die wirtschaftliche Entwicklung in den ärmsten Regionen der Welt. Daher ist auch bei Bewerbern ehrenamtliches und außeruniversitäres Engagement gerne gesehen. – ebenso wie Bewerber, die eine gewisse Vielfalt ins Unternehmen bringen.

So sehr ausgefallene Hobbys ein Türöffner sein können – so sehr kann eine zu ausgefallene Garderobe eine Hürde darstellen. Gepflegt sollte das Erscheinungsbild sein und das Outfit dem jeweiligen Anlass angemessen: »Unsere Consultants sollten gesellschaftlich anerkannte Standards an das äußere Erscheinungsbild erfüllen, aber auch in der Lage sein, sich ›style-mäßig‹ der Kunden-Situation adäquat anzupassen. Schließlich ergeben sich zum Beispiel Unterschiede, ob man als Consultant in einem Versicherungs- oder Bankenumfeld tätig ist oder in einem industriellen Produktionsumfeld«, sagt Bleis von Q_Perior.

Consulting: Dresscode im Vorstellungsgespräch

Was die zerlöcherte Jeans beim Kundentermin ist das fehlende Wissen über das Unternehmen beim Vorstellungsgespräch: »Bewerber sollten sich generell eingehend mit dem Unternehmen befassen und wissen, was auf sie zukommt. Dazu gehört auch, dass sie ihr eigenes Profil, ihre Kenntnisse, Fähigkeiten und Ziele kennen. Sie müssen plausibel erklären können, warum sie der geeignete Bewerber sind«, beschreibt Hellriegel von Kienbaum Consultants International. Kütz von Oliver Wyman fügt an, dass der Bewerber in Summe betrachtet wird. Hier sei es dem Unternehmen wichtiger, dass das Gesamtbild stimmt als einen Kriterienkatalog abzuarbeiten. Fehlende praktische Erfahrung könne so beispielsweise durch besonders viel Auslandserfahrung oder ein bemerkenswertes sportliches oder soziales Engagement ausgeglichen werden. Einen Ausgleich zu falsch geschriebenen Firmennamen im Anschreiben gebe es allerdings nicht: »Dieser Fauxpas deutet schließlich darauf hin, dass sich der Bewerber nicht wirklich mit dem Unternehmen beschäftigt hat«, so die 43-Jährige.

Ebenso ungünstig wirkt sich auf den Bewerber aus, wenn er seine Augen vor dem Weltgeschehen verschließt und sein Allgemeinwissen ausschließlich auf Sportsendungen oder Trash-TV-Formate fußt: »Ein umfangreiches Allgemeinwissen ist sehr wichtig, da auch Junior Consultants direkten Kundenkontakt haben und an diversen beruflichen Kunden-Veranstaltungen, Messen und Firmenevents teilnimmt. Hier sind sowohl Small Talk als auch Allgemeinbildung wichtig, um den ersten Kontakt zu knüpfen, aus dem sich später eventuell weitere berufliche und projektbezogene Anknüpfungspunkte ergeben«, erklärt Hellriegel von Kienbaum Consultants International.

Fünf Eigenschaften, die ein Consultant braucht:

Zusammengefasst bedeutet dies, dass alle, die sich später als Consultants sehen, einiges auf dem Kasten sowie ein gewisses Gespür für Themen und Mode haben sollten. Oder, um kurz zu machen:

»Fach- und sozialkompetent, energiegeladen, vorausschauend sowie persönlich«, so sieht Bleis von Q-Perior den perfekten Kandidaten, während Adina Hellriegel einen geeigneten Mitarbeiter in spe so beschreibt: »Hands-on, hochmotiviert, neugierig, begeisterungsfähig und belastbar.«

Diese Aufzählungen werden sicherlich auf einige Studierende mit Affinität zur Beraterbranche passen. Das Einzige, was nun nicht mehr passt, ist die Schablone.


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